
Die Bundesregierung argumentiert mit einem hohen Krankenstand in Deutschland, um eine ärztliche Attestpflicht für erkrankte Berufstätige bereits am ersten Tag vorzuschreiben. Damit will sie Blaumachern einen Riegel vorschieben. Jetzt ergibt eine Auswertung von Daten der DAK-Krankenversicherung: Die Zahl der Krankmeldungen geht zurück ‒ und das wahre Problem sind chronische Erkrankungen mit einer langen Krankschreibungsdauer.
Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, konnte die DAK bei einem Vergleich des ersten Halbjahres 2025 mit der ersten Jahreshälfte 2026 einen Rückgang des Krankenstandes von 5,4 auf 5,3 Prozent vermelden. Während die durchschnittliche Anzahl der Fehltage bei Arbeitnehmern im Vergleichszeitraum 2025 noch 9,9 Tage betrug, waren es 2026 nur 9,6 Tage. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten sind also leicht zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2026 waren durchschnittlich 53 von 1.000 Arbeitskräften pro Tag krankgeschrieben.
Die Daten beziehen sich allerdings nur auf Krankschreibungen der 2,2 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten, die das Berliner IGES-Institut für die Krankenkasse ausgewertet hat. Die DAK-Gesundheit ist die drittgrößte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland, in der Rangliste liegen vor ihr lediglich die Barmer und die Techniker Krankenkasse. Die AOK ist regional aufgesplittert und folgt mit ihren Teilkrankenkassen direkt hinter der DAK.
Die Techniker Krankenkasse hatte zuvor bereits für 2025 einen leichten Rückgang an Krankschreibungen verzeichnen können. Eine ähnliche Entwicklung vermeldete die Barmer zumindest für das Bundesland Sachsen-Anhalt.
Besonders stark ist der Rückgang bei den DAK-Versicherten in Bezug auf Krankmeldungen wegen Atemwegserkrankungen wie Grippe oder Erkältungen mit einem Minus von 21 Prozent. Im ersten Halbjahr 2025 waren diese Krankheiten noch die Hauptursache für Krankschreibungen. In den ersten Monaten des Jahres 2025 hatte es eine starke Erkältungswelle gegeben.
Nun stehen psychische Erkrankungen wie Depressionen auf der Rangliste der Begründungen für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ganz oben. Sie erzielten ein Plus von 9 Prozent. Die dritthäufigste Ursache für das Fehlen von Beschäftigten am Arbeitsplatz waren 2026 bisher Muskel-Skelett-Erkrankungen. Darunter fallen zum Beispiel Rückenschmerzen.
Der Krankenstand ist allerdings nicht bei allen DAK-Versicherten gleichermaßen gesunken: Während er sich bei 15- bis 19-jährigen und bei 20- bis 24-jährigen Versicherungsnehmern um jeweils 0,3 Prozentpunkte reduzierte, stieg er bei Arbeitnehmern über 60 Jahren an, ebenfalls um 0,3 Prozentpunkte. Allerdings nicht, weil sich diese Versichertengruppe häufiger krank gemeldet hätte: Auch bei den älteren Arbeitnehmern ist die Zahl der Krankschreibungen gesunken. Sind sie aber krank, fallen sie auch länger aus.
Andreas Storm, der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, begrüßte die Tendenz zu einem Rückgang der Krankschreibungen. Anhand der Analyse ließe sich erkennen, wie schnell sich Fehlzeiten aufgrund eines realen Krankheitsgeschehens nach oben oder unten entwickelten.
Handlungsbedarf sehe er hauptsächlich bei den Langzeiterkrankungen mit vielen Fehltagen, die ein großes Ausmaß angenommen hätten. Hier seien seiner Ansicht nach Vorbeugungsmaßnahmen in der Arbeitswelt und die Einführung einer Teilkrankschreibung geeignete Instrumente, um die Entstehung solcher Krankheiten zu reduzieren beziehungsweise den Krankenstand zu senken.
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