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Atomkraft und russisches Gas haben in Deutschland wieder an Akzeptanz gewonnen

rtnews by rtnews
05/09/2026
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Der Verzicht auf Atomkraft und russisches Gas war ein Fehler, räumte Bundeskanzler Friedrich Merz ein. Deutschland hat sich vorschnell von zuverlässiger, steuerbarer Energie zugunsten unvorhersehbarer erneuerbarer Energien verabschiedet.

Von Olga Samofalowa

Deutschland hat begonnen, seine Fehler in der Energiepolitik offiziell einzugestehen. Die hohen Strompreise in Deutschland seien eine Folge des übereilten Ausstiegs aus der Atomenergie, erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz. Seinen Worten zufolge hätte er den Ausstieg aus der Atomenergie nicht so schnell vollzogen, doch die Entscheidung sei bereits vor seiner Amtszeit getroffen worden.

Als weiteren Grund für den Preisanstieg nannte der Kanzler die Folgen des Konflikts um Iran, da der EU der Zugang zu katarischem Flüssigerdgas (LNG) versperrt wurde.

Kürzlich räumte Merz zudem ein, dass die anhaltende Energiekrise im Land durch den Ausfall der russischen Gaslieferungen ausgelöst wurde. Verschärft wird dies durch die nachlassende Unterstützung der NATO durch die Vereinigten Staaten.

Zudem sprach sich Merz erneut für den Bau von Gaskraftwerken aus und wies darauf hin, dass die Ausschreibungen für deren Planung und Errichtung bereits angelaufen seien. Die Entscheidung sei innerhalb der Regierungskoalition abgestimmt und in Brüssel genehmigt worden. Nun seien die Behörden verpflichtet, diese Kraftwerke zu bauen, so Merz. Igor Juschkow, leitender Analyst des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit und Dozent am Lehrstuhl für Politikwissenschaft der Finanzuniversität bei der Regierung der Russischen Föderation, sagt:

“Der Ausstieg aus der Atomenergie war ein Fehler Deutschlands, denn die Atomkraftwerke hatten noch keine kritische Abnutzungsgrenze erreicht; sie hätten noch jahre- und vielleicht sogar jahrzehntelang betrieben werden können. Zudem haben sich die Investitionen, die in den Bau dieser Atomkraftwerke geflossen sind, bereits amortisiert, weshalb es sich um eine wirklich kostengünstige Energiequelle handelte. Selbst aus klimapolitischer Sicht hat die EU die Atomenergie als kohlenstoffarm und Atomkraftwerke als Energiequelle anerkannt, die zur Energiewende beiträgt.

Während Deutschland früher selbstversorgend mit Strom war, ist es nun zu einem Importland geworden. Jetzt kauft es genau die gleiche Atomenergie, bloß in Frankreich.”

Nach dem Unfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima waren viele europäische Länder unnachgiebig und wollten ihre Atomkraftwerke stilllegen, haben es sich dann aber anders überlegt, darunter auch Frankreich, das die Laufzeit alter Kraftwerke verlängert und bereit ist, neue zu bauen. Deutschland hingegen ist von seiner Entscheidung nicht abgewichen und hat seine Atomkraftwerke stillgelegt, was es nun bereut. Juschkow merkt an:

“Wenn es in Europa zu einem Stromengpass kommt, trifft dies die Deutschen besonders hart, da sie nun Importeure sind. Zudem ist die Stromerzeugung in der EU insgesamt aufgrund der Stilllegung von Atomkraftwerken zurückgegangen. Daher ist die Knappheit nun gravierender und die Preise steigen stärker an, als es der Fall wäre, hätte Deutschland nicht auf die Atomenergie verzichtet.”

Merz erkenne sogar ein noch gravierenderes Problem als den Fehler im Zusammenhang mit einzelnen Atomkraftwerken an, meint der Experte des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit Michail Wakiljan. Er betont:

“Deutschland hat die Abfolge der Energiewende unterbrochen, indem es damit begann, zuverlässige, steuerbare Erzeugungskapazitäten für Strom stillzulegen, bevor es einen vollwertigen Ersatz aufgebaut hatte.”

Er erklärt, dass die Atomkraftwerke Deutschland das lieferten, was es nun gegen Barzahlung einkaufen muss – garantierte Leistung, die nicht von Wind, Sonne und Gaspreisen abhängt.

“Die letzten drei deutschen Atomkraftwerke haben im letzten Jahr ihres Betriebs 29,5 TWh erzeugt. Das hätte Deutschland zwar nicht vor der Gaskrise bewahrt, da Atomkraft Gas in der Chemie, bei der industriellen Wärmeversorgung und im Heizungsbereich nicht ersetzen kann. Aber die Krise im Stromsektor wäre milder ausgefallen.”

Hätte Deutschland zudem noch weiter russisches Gas gekauft, wäre die Energiekrise noch milder verlaufen und schneller beendet worden. Juschkow sagt:

“Deutschland war der größte Abnehmer von russischem Gas in der EU. Darüber hinaus verdiente es am Transit, da ein Teil des Gases über die Nord-Stream-Pipeline tief ins europäische Landesinnere floss. Das heißt, Deutschland versorgte den europäischen Markt insgesamt mit russischem Gas, wodurch die Preise auf einem relativ niedrigen Niveau gehalten werden konnten. Als das russische Gas ausblieb, verschärfte sich die Verknappung, und zwar nicht nur für Deutschland, sondern für die Europäer insgesamt.”

Seinen Worten zufolge wäre die Energiekrise Mitte 2021 ohnehin eingetreten, da ihr ein entscheidender Fehler der EU zugrunde liegt: Sie habe die Energieunternehmen dazu überredet, ausschließlich in erneuerbare Energien zu investieren, was wiederum die Verknappung ausgelöst habe. Hätten Deutschland und die EU insgesamt jedoch weiterhin in vollem Umfang russisches Gas bezogen, wäre die Krise weniger schwerwiegend ausgefallen, und die Preise wären niedriger gewesen, als es letztendlich ohne russisches Gas der Fall war, merkt der Experte an.

Dabei war gerade die deutsche Industrie stärker betroffen als andere, da sie die größte in der EU war und Chemieunternehmen sowie Hersteller von Stickstoffdüngemitteln von Gas als Rohstoff abhängig waren. Hätte Deutschland russisches Gas gehabt, wäre auch mehr von der deutschen Industrie übrig geblieben, so Juschkow. Wakiljan erklärt:

“Deutschland hat zwar weitgehend einen physischen Ersatz für russisches Gas gefunden, aber was Preis, Stabilität und Vorhersehbarkeit angeht, ist dies nicht der Fall. Die Anpassung erfolgte durch neue Lieferanten und einen Rückgang der Nachfrage. Der Gasverbrauch in Deutschland liegt weiterhin etwa 13,5 Prozent unter dem Vorkrisenniveau, insbesondere im industriellen Bereich. Derzeit spürt Deutschland am eigenen Leib den Unterschied zwischen Pipelinegas im Rahmen einer stabilen, langfristigen Vereinbarung und der Notwendigkeit, auf dem Weltmarkt um mobiles LNG zu konkurrieren.”

Gleichzeitig hat Deutschland Investoren dazu ermutigt, in erneuerbare Energien – Wind und Sonne – zu investieren. Doch die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist schwer vorhersehbar, und es kommt zu objektiven, naturbedingten Engpässen. Deshalb kehrt Berlin nun zu dem zurück, womit es begonnen hat – der Notwendigkeit, Gaskraftwerke zu bauen. Juschkow ruft in Erinnerung:

“Die Vergrößerung des Anteils der erneuerbaren Energien am gesamten Energieumfang hat das Land sehr wetterabhängig gemacht. Bei Hitze liefen Wasserkraft und Atomkraft schlecht. Für diesen Fall braucht das Land eine steuerbare Reserveenergiequelle. Das sind Kohle- oder Gaskraftwerke. Kohle wurde jahrzehntelang verteufelt, deshalb schlägt man nun den Bau von Gaskraftwerken vor.”

Deutschland baue die Gaskraftwerke nicht, um günstigen Strom zu erzeugen, sagt Wakiljan und fügt hinzu:

“Sie sind eine Absicherung für das Stromnetz für die Stunden und Tage, an denen es wenig Sonne und Wind gibt. Günstige Stromerzeugung werden solche Kraftwerke nicht sein. Ihre Aufgabe ist es nicht, den Durchschnittspreis zu senken, sondern zu verhindern, dass dem Stromnetz die Leistung ausgeht, und extreme Preisspitzen zu begrenzen.

Daher geht der Hauptfehler der deutschen Energiepolitik über die Atomkraft oder das russische Gas hinaus. Deutschland hat gleichzeitig die Erzeugungsstruktur, die Brennstoffbasis und die Architektur des Stromnetzes verändert, während die Netze, Speicher und regelbaren Leistungen hinterherhinkten. Nun schlägt Merz faktisch vor, das fertigzustellen, was bereits vor der Stilllegung der Atomkraftwerke und dem weiteren Ausstieg aus der Kohleverstromung hätte vorhanden sein müssen. Und diese zweite Phase der Energiewende wird sich als ziemlich kostspielig erweisen.”

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 1. September 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.

Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung Wsgljad.

Mehr zum Thema – Gasspeicher auf Rekordtief: Droht Deutschland ein teurer Winter?



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Tags: AkzeptanzAtomkraftDeutschlandGasgewonnenhabenRussischesundwieder
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