
Kanada und neun weitere Länder haben am Dienstag eine gemeinsame Erklärung abgegeben, in der sie ihre “tiefe Besorgnis” über die sich stetig verschlechternde humanitäre Lage im Libanon zum Ausdruck brachten. Die Länder rufen dazu auf, die Kampfhandlungen in der Region zu beenden. Das US-Außenministerium veröffentlichte nach einem gestrigen Treffen in Washington eine Erklärung, in der es hieß, beide Seiten, Vertreter Israels und des Libanons, hätten “fruchtbare Gespräche über Schritte zur Aufnahme direkter Verhandlungen” geführt.
In Washington erfolgten die ersten direkten Gespräche seit über 30 Jahren zwischen Vertretern Israels und des Libanons. Mitglieder der Hisbollah, als direkter, vordergründiger Angriffsgrund für die andauernden israelischen Angriffe, nahmen nicht an den Konsultationen teil.
Die Teilnehmer beendeten die Gespräche ohne unmittelbare Ergebnisse. Das Weiße Haus veröffentlichte im Anschluss eine Mitteilung, in der die jeweiligen Positionen und Forderungen zusammengefasst wurden. Abschließend heißt es:
“Alle Seiten einigten sich darauf, zu einem gemeinsam festgelegten Zeitpunkt und an einem gemeinsam festgelegten Ort direkte Verhandlungen aufzunehmen.”
Laut Reuters-Agenturmeldung verweigerte Yechiel Leiter, der israelische Botschafter in den Vereinigten Staaten, die unmissverständliche Bestätigung, dass Israel seine Angriffe auf den Libanon vorerst einstellen werde. Die libanesische Botschafterin Nada Moawad bezeichnete das Treffen als “konstruktiv”. In einer Erklärung gegenüber Reuters führte sie weiter aus, ihre Regierung fordere weiterhin einen eindeutigen Waffenstillstand sowie “die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Heimat und Maßnahmen zur Linderung der durch den Konflikt verursachten humanitären Krise im Libanon”.
Ebenfalls am Dienstag gaben die Regierungen von Australien, Brasilien, Großbritannien, Indonesien, Japan, Jordanien, Kanada, Kolumbien, Sierra Leone sowie der Schweiz ihre gemeinsame Erklärung zu den Ereignissen im Libanon ab. Die Unterzeichnenden seien “zutiefst besorgt über die sich verschlechternde humanitäre Lage und die Vertreibungskrise im Libanon”, so der offizielle Wortlaut.
Die Erklärung folgt auch im Zusammenhang mit dem Tod von drei indonesischen UN-Soldaten im vergangenen Monat. Die UNO teilte zu Wochenbeginn mit, dass vorläufige Ergebnisse der Untersuchungen demnach bestätigt hätten, dass einer der Getöteten “durch ein Projektil eines israelischen Panzers” ums Leben gekommen sei. Weiter heißt es laut Reuters:
“Zwei seien durch eine improvisierte Sprengvorrichtung getötet worden, die höchstwahrscheinlich von der Hisbollah platziert worden sei.”
Ersten Erkenntnissen zufolge starben zwei der Soldaten “bei der Explosion einer am Straßenrand platzierten Bombe, die ihren Konvoi traf”, teilte der Chef der UN-Friedenstruppen, Jean-Pierre Lacroix, Anfang April mit. In der 10-Staaten-Erklärung heißt es zu diesen Ereignissen:
“Angriffe, die die Sicherheit des humanitären Personals gefährden, müssen aufhören. Das humanitäre Völkerrecht muss von allen Konfliktparteien unter allen Umständen eingehalten werden. Wir verurteilen aufs Schärfste die Handlungen, die zum Tod von UN-Friedenstruppen geführt und die Risiken für das humanitäre Personal im Südlibanon erheblich erhöht haben.”
Die gestrigen Konsultationen in Washington fanden statt, während IDF-Kräfte weiterhin die seitens der Netanjahu-Administration angeordnete Luft- und Bodenoffensive im Südlibanon fortsetzten. Al Jazeera meldet am Tag nach den Gesprächen:
“Der Südlibanon ist nach wie vor ein Kriegsschauplatz. Die Hisbollah feuert weiterhin Raketen ab, Israel führt weiterhin Luftangriffe durch. Die Bodenoffensive dauert an. Mehr als eine Million Menschen schlafen in Zelten und auf der Straße.”
Israel hatte mit den jüngsten unerbittlichen Angriffen in dieser Region begonnen, ausgehend von dem Vorwurf, dass die seitens Teherans finanzierte Hisbollah-Organisation auf die Angriffe der USA und Israels auf den Iran militärisch mit Luftangriffen reagiert hatte.
Dazu heißt es in der Mitteilung des Weißen Hauses, dass Israel weiterhin “auf die Entwaffnung aller nicht staatlichen Terrorgruppen und die Zerschlagung der gesamten Terrorinfrastruktur im Libanon” als wesentlichen Verhandlungspunkt für ein Kriegsende besteht.
Laut libanesischen Regierungsangaben und Zahlen der Organisation Roter Halbmond sind bei den israelischen Luftangriffen und der Bodenoffensive im Süden des Landes mindestens 2.055 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 6.500 weitere Menschen wurden verletzt.
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