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Die Ukraine bringt Europas Vorbereitungen auf einen Krieg mit Russland aus dem Takt

rtnews by rtnews
05/06/2026
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Kiews Luftkorridor für dessen Drohnen über dem Baltikum bringt die Karten der NATO bei der Vorbereitung einer Aggression gegen Russland durcheinander. Die ukrainischen Angriffe stehen im Widerspruch zur Vorbereitung eines weitaus größer angelegten Angriffs auf Russland.

Von Andrei Kolesnik

In letzter Zeit kommen paradoxe Signale aus der Europäischen Union. Einerseits bereitet sich Europa, wie wir wissen, aktiv auf einen Angriff auf Russland vor. Davon sprechen sowohl das russische Außenministerium als auch russische Geheimdienste, und diese Tatsache wird sogar von einer Reihe europäischer Politiker bestätigt. Außerdem behält Europa im Verhältnis zu Russland insgesamt einen aggressiven Ton bei. Der Wunsch, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen, ist nach wie vor vorhanden.

Man könnte meinen, dass in einer solchen Situation das regelmäßige Auftauchen von Drohnen im baltischen Luftraum für die NATO ein willkommener Vorwand wäre, weitaus umfangreichere Kampfhandlungen zu beginnen. Natürlich würde man dies unter dem Vorwand einer “russischen Provokation” tun und behaupten, diese Drohnen seien russisch und hätten angeblich “die NATO angegriffen”. Denn genau so hat Polen erst im vergangenen Jahr gehandelt, als ukrainische Drohnen auf sein Territorium fielen: Es erklärte sie zu russischen Drohnen und forderte sogar die Auslösung von Artikel 4 des NATO-Vertrags (da ist es nicht mehr weit bis zu Artikel 5).

Doch nein – heute ist die Reaktion der Polen, Balten und Finnen eher verschreckt als aggressiv. Vor allem aber ist sie viel ehrlicher.

Die baltischen Staaten weisen den Verdacht, sie hätten ukrainischen Drohnen absichtlich ihren Luftraum für Angriffe auf russische Ziele zur Verfügung gestellt, vehement zurück. In Litauen, Lettland und Estland wird die ukrainische Herkunft der Drohnen offiziell bestätigt, und es werden sogar Vorwürfe gegen das Regime in Kiew erhoben.

Sogar solche Hardliner der europäischen Politik wie Donald Tusk sind sichtlich beunruhigt. Der polnische Ministerpräsident sieht die “reale Gefahr” eines direkten und heißen Konflikts mit Russland, der durch die Drohnenaktivitäten der Ukraine im baltischen Luftraum provoziert werden könnte. Auch US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich besorgt über die Geschehnisse, denn “wir wollen nicht, dass dies zu einem größeren Konflikt führt, der sich zu etwas viel Schlimmerem entwickeln könnte.”

Haben die westlichen Staaten etwa endlich die russischen “roten Linien” wahrgenommen und sind infolgedessen von der Idee eines bewaffneten Konflikts mit unserem Land abgerückt? Nein, das sind sie nicht. Was die Zweideutigkeit eines solchen Verhaltens angeht – dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Erstens erkennen Europa und die NATO, dass die russischen Streitkräfte auf dem Höhepunkt ihrer Kampfkraft stehen. Möglicherweise haben da auch die jüngsten gemeinsamen Manöver der Nuklearstreitkräfte Russlands und Weißrusslands eine Rolle gespielt.

Zweitens sind die eigenen NATO-Truppen in Europa derzeit nicht besonders gut auf einen groß angelegten militärischen Konflikt vorbereitet. Umso weniger angesichts der Aussicht auf den Einsatz von Atomwaffen (wovor Moskau seinerseits offen gewarnt hat). Die Zeitung Politico schreibt, dass die Aggression der USA gegen Iran die Unvorbereitetheit der NATO auf einen Krieg mit Russland gezeigt habe. Die westlichen Luftabwehr- und Raketenabwehrsysteme hätten sich als ineffektiv erwiesen, die Munitionsvorräte seien schnell aufgebraucht gewesen, und auch die politische Einheit des Westens sei in Frage gestellt worden.

Drittens muss ein Angriff auf Russland in den Augen der westlichen Wähler nicht als Aggression, sondern als “Verteidigung gegen eine Aggression” erscheinen. Denn gerade unter dem Vorwand, sich vor der “russischen Bedrohung” zu schützen, wird die Militarisierung der Europäischen Union vorangetrieben. Die Sache ist jedoch die, dass die Drohnen über dem Baltikum allzu offensichtlich ukrainischer Herkunft sind. Davon zeugen ihre Flugwege, ihre Ziele und auch die Konstruktion der abgestürzten Fluggeräte. Es ist daher unmöglich, die Sache im Lieblingsstil der ukrainischen Propaganda darzustellen – “die Russen beschießen sich selbst.”

Aber vor allem besteht keinerlei Widerspruch zwischen der Verwirrung des Westens wegen der ukrainischen Drohnen im Baltikum und den Vorbereitungen des Westens auf eine Aggression gegen Russland. Der Westen will keinen Krieg mit Russland, der für den Westen selbst überraschend, zufällig und unvorbereitet kommt. Brüssel braucht einen Krieg nach eigenem Drehbuch, den es selbst organisiert. Einen Krieg, der zu einem Zeitpunkt und unter Bedingungen beginnt, die für den Westen selbst vorteilhaft sind. Das Regime in Kiew sorgt indessen für einen Fehlstart.

Wladimir Selenskij ist vom Westen abhängig, spielt aber gleichzeitig sein eigenes Spiel. Er versucht, alle zu manipulieren – Washington, Brüssel, Berlin, Paris und die baltischen Anrainerstaaten.

Durch die Einrichtung eines baltischen Luftkorridors für Langstrecken-Drohnen hat Selenskij die Karten der NATO bei der Vorbereitung einer Aggression gegen Russland durcheinandergebracht. Die Umsetzung der – aus Sicht der globalen Konfrontation zwischen Russland und dem Westen – unbedeutenden ukrainischen Aufgabe, nämlich der Angriffe auf die russische Infrastruktur im Ostseeraum, geriet in Widerspruch zur Vorbereitung eines weitaus größer angelegten Angriffs auf Russland. Die ukrainische Taktik kleiner Drohnenangriffe in der Region beginnt, die allgemeine westliche Strategie zu behindern.

Diese Strategie besteht darin, in Europa eine mächtige Rüstungsindustrie und eine große Armee aufzubauen, ähnlich der Wehrmacht der späten 1930er Jahre. Das nukleare Potenzial zu vergrößern und zu modernisieren. Die Logistik zu optimieren – sowohl innerhalb Europas als auch transatlantisch und über den Ozean hinweg. Die Propagandamaschinerie zu verfeinern, die Bevölkerung von der Unvermeidbarkeit und Notwendigkeit eines militärischen Konflikts mit Moskau zu überzeugen. Widersprüche innerhalb des westlichen Lagers zu beseitigen. Und erst danach den nächsten Kreuzzug gegen Russland zu beginnen.

Derzeit stößt die Umsetzung all dieser Aufgaben auf erhebliche Schwierigkeiten. Zu ihrer vollständigen Erfüllung sind noch mindestens einige Jahre erforderlich. Die ganze Zeit über soll die Ukraine für Russland ein permanenter Irritationspunkt sein und die russischen Streitkräfte ablenken. Und natürlich die russische Infrastruktur angreifen, aber innerhalb bestimmter Grenzen. Und vor allem sollen dabei keine Grenzen überschritten werden, jenseits derer das Risiko unvorhersehbarer Entwicklungen besteht. Eine Eskalation, die zur falschen Zeit eintritt.

Der Westen zügelt nunmehr den ukrainischen Machthaber, da dieser sich, wenn man so will, voreilig ins Feuer stürzt. Selenskij ist ein kleiner Teufel, der sich zu viel vornimmt, und von Zeit zu Zeit wird an seiner Leine gezogen. Währenddessen bereiten sich ernsthafte Menschen auf einen wirklich ernsten Krieg vor.

Wir sollten also ebenfalls bereit sein.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 4. Juni 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Andrei Kolesnik ist Veteran der Spezialeinheiten der russischen Seestreitkräfte und Abgeordneter der Staatsduma.

Mehr zum Thema – Schweden provoziert eine Reaktion Russlands am engsten Punkt der Ostsee



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Tags: AUFausbringtDEMdieeinenEuropaskriegmitrusslandTaktukraineVorbereitungen
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