
Die Hauptstadtpolizei beobachtet seit Jahren eine sich dynamisierende Gewalteskalation in der sogenannten organisierten Kriminalität. In der Parallelwelt Berlins, in Kreisen gewalttätig umkämpfter Geschäftsbereiche von türkisch-kurdischen Banden, wurde dabei die zunehmende Schusswaffengewalt in Berlin zum mehr als bedenklichen Problem. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte nun auf Anfrage der Deutschen-Presse-Agentur (DPA), dass die Arbeit der im Vorjahr gegründeten “Ermittlungsgruppe ‘Telum'” (lateinisch für Angriffswaffe) erste Erfolge vermelden kann.
Hauptstadtmedien müssen in den vergangenen Jahren immer wieder über Tote und Verletzte in Verbindung mit Schusswaffengewalt berichten. So berichtet die Berliner Morgenpost zu aktuellen Zahlen der Polizeistatistik, dass im Jahr 2025 “1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch” durch die Sicherheitsbehörden bearbeitet werden mussten. In 515 Fällen wurde dabei geschossen, “mehr als die Hälfte der übrigen Fälle waren Drohungen”. Insgesamt spiegeln die Zahlen damit eine Zunahme von “68 Prozent mehr Straftaten mit Waffen” gegenüber dem Jahr 2024 wider.
Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft teilte nun auf DPA-Anfrage mit, dass sich aufgrund der Arbeit der “Ermittlungsgruppe ‘Telum'” nach drei Monaten “inzwischen 29 Verdächtige in Untersuchungshaft befinden”. Insgesamt würde die Justizbehörde demnach “126 Verfahren (Stichtag 27. Mai) bearbeiten”. In acht weiteren Fällen sei zudem Anklage erhoben worden.
Justizsenatorin Felor Badenberg erklärte laut B.Z.-Artikel gegenüber der DPA, dass “die bisherigen Ermittlungserfolge bestätigen, dass wir damit genau am richtigen Punkt ansetzen. Einschüchterung hat als Geschäftsmodell keine Zukunft in Berlin”, so die Senatorin. Weiter gab die CDU-Politikerin zu Protokoll:
“Schutzgelderpressungen und Schussabgaben in Berlin sind nur die sichtbare Spitze eines kriminellen Systems. Ziel ist es, kriminelle Netzwerke dauerhaft zu zerschlagen.”
Laut Spiegel-Informationen startete am Dienstag dieser Woche vor dem Landgericht Berlin ein Prozess wegen “Schutzgelderpressung und Schüsse als Denkzettel”. Dazu heißt es weiter:
“Vier Männer im Alter von 21 bis 26 Jahren stehen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter schwerer räuberischer Erpressung und Bedrohung vor Gericht.”
Im Februar berichtete der Sender RBB über die Arbeit der parallelen “Ermittlergruppe ‘Ferrum'”, die sich ebenfalls schwerpunktmäßig mit Schusswaffenereignissen auseinandersetzen muss. Dazu heißt es in dem Beitrag:
“Bei gezielten Razzien kontrollierten die Sicherheitsbehörden laut Innenverwaltung [im Jahr 2025] knapp 5.000 Personen und fast 800 Lokale. Dabei wurden zwölf scharfe Schusswaffen beschlagnahmt. Bei gut 220 eingeleiteten Ermittlungsverfahren konnten in weniger als einem Viertel der Fälle Tatverdächtige ausfindig gemacht werden.”
Die “Ermittlungsgruppe ‘Telum'” wurde Ende Februar dieses Jahres eingerichtet, um laut Senatsangaben “die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität zu verstärken”. Die Staatsanwaltschaft reagiere damit auf die speziell gegen organisierte Kriminalität und illegalen Waffenhandel eingerichtete “Ferrum”-Ermittlungseinheit des Landeskriminalamtes. Beide Gruppen würden dabei erfolgreich eng zusammenarbeiten.
Hintergrund der Notwendigkeit waren demnach “wiederholte Straftaten gegen türkisch-kurdische Gewerbetreibende, insbesondere Schüsse auf deren Lokale durch mutmaßlich türkisch-kurdische Mitglieder der organisierten Kriminalität”.
Mitte Mai gelang der Berliner Polizei und SEK-Kräften dann bei einem Großeinsatz “mit rund 570 Kräften ein weiterer Schlag gegen eine mutmaßliche Schutzgeld-Bande”, berichtet die B.Z. Dabei wurden “neun Männer im Alter von 23 bis 63 Jahren” festgenommen. Die Ermittler stellten “Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe, Schusswaffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Autos sowie Datenträger und Handys sicher”.
Dennoch kam es laut Medienberichten allein im Monat Mai erneut zu fünf Schusswaffenvorfällen in Berlin. Am Mittwoch dieser Woche wurde ein 38-Jähriger im Bezirk Schöneberg festgenommen, der im März auf zwei Brüder in Kreuzberg geschossen haben soll. Ende Mai wurden nach Schüssen im Graefekiez vier Verdächtige gefasst.
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