
Die US-Streitkräfte haben im Krieg gegen Iran so viel Munition eingesetzt, dass ihre strategischen Reserven spürbar geschrumpft sind. Das bestätigt nun der Generalinspekteur des US-Verteidigungsministeriums in einem Bericht an den Kongress.
Die Munitionsausgaben hätten zu “strategischen Bestandsengpässen” geführt und zugleich erhebliche Engpässe in der amerikanischen Rüstungsindustrie offengelegt.
Der Bericht erfasst die ersten vier Monate der Operation “Epic Fury” vom 28. Februar bis zum 30. Juni. Das Pentagon beziffert die Gesamtkosten auf 33,4 Milliarden Dollar. Der größte Teil davon entfiel mit 22,3 Milliarden Dollar auf eingesetzte Munition. Der Rest verteilt sich auf Betriebskosten sowie verlorenes und zerstörtes Gerät.
Der Verbrauch traf vor allem hochpreisige Präzisionswaffen und Luftverteidigungssysteme. Dazu gehören Patriot- und THAAD-Abfangraketen, Tomahawk-Marschflugkörper sowie weitere Systeme der Standard-Missile-Familie. Nach Angaben der Washington Post hatte das US-Militär bereits in den ersten vier Kriegswochen mehr als 850 Tomahawks eingesetzt. Auch bei THAAD waren die Bestände bereits zuvor stark zurückgegangen.
Wie groß die verbleibenden Reserven genau sind, bleibt geheim. Der Inspector-General-Bericht nennt keine konkreten Bestandszahlen. Die verbrauchten Systeme lassen sich nicht kurzfristig ersetzen.
Die Engpässe reichen weit über die Finanzierung hinaus. Die Herstellung moderner Munition erfordert lange Vorlaufzeiten, während bei Feststoffraketenmotoren, hochwertigen Sprengstoffen und Treibmitteln die Kapazitäten begrenzt sind. Zusätzlich fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. Selbst mit zusätzlichen Mitteln lässt sich die Produktion deshalb nicht kurzfristig auf das benötigte Niveau bringen.
Damit wird eine Schwachstelle sichtbar, die über den Iran-Krieg hinausreicht. Die USA müssen ihre eigenen Bestände auffüllen und zugleich ihre weltweiten Verpflichtungen gegenüber Verbündeten erfüllen. Besonders problematisch ist dies bei Waffen, deren Produktion lange dauert und bei denen es nur wenige Hersteller gibt.
Der Konflikt hat damit auch eine strategische Dimension. Ein Munitionsbestand kann auf dem Papier groß erscheinen und trotzdem für einen längeren Krieg zu klein sein, wenn täglich große Mengen moderner Raketen und Abfangsysteme verbraucht werden. Genau diese Differenz zwischen vorhandenen Waffen und einer dauerhaft tragfähigen Reserve wird durch den Bericht sichtbar.
Der Pentagon-Bericht widerspricht damit auch den öffentlichen Aussagen aus Washington. Präsident Donald Trump hatte wiederholt erklärt, die USA verfügten über praktisch unbegrenzte Munitionsbestände. Noch am 14. September schrieb er, die Vereinigten Staaten produzierten mehr “Exquisite and Elite Weapons” als jemals zuvor und lieferten diese täglich an die US-Streitkräfte im Nahen Osten.
Auch Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte Berichte über eine amerikanische Munitionskrise zurückgewiesen. Der neue Bericht des eigenen Kontrollorgans zeichnet ein anderes Bild. Es geht nicht darum, dass die US-Streitkräfte keine Waffen mehr besitzen. Die militärische Einsatzfähigkeit ist nicht zusammengebrochen. Doch die strategischen Reserven sind durch den Krieg belastet, während die Industrie Schwierigkeiten hat, sie schnell wieder aufzufüllen.
Auch bei Gerät und Infrastruktur hat der Krieg Spuren hinterlassen. Nach Angaben des Inspector General wurden Dutzende US-Flugzeuge beschädigt oder zerstört. Iranische Angriffe trafen zudem Hunderte Gebäude und andere Anlagen auf amerikanischen Stützpunkten in mehreren Ländern des Nahen Ostens.
Die eigentliche Rechnung des Krieges geht damit weit über die bisher ausgewiesenen Milliardenbeträge hinaus. Neben den unmittelbaren Kosten muss Washington verlorene Waffen ersetzen, beschädigte Infrastruktur reparieren und Produktionskapazitäten ausbauen.
Für die USA ist das vor allem ein Problem der strategischen Tiefe. Washington verfügt weiterhin über ein gewaltiges Arsenal. Der Iran-Krieg zeigt jedoch, wie schnell selbst die amerikanischen Vorräte unter Druck geraten können, wenn ein Konflikt über Monate mit hoher Intensität geführt wird. Und je länger der Krieg dauert, desto größer wird die Aufgabe, die verbrauchten Systeme wieder aufzufüllen.
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