
Nach dem Besuch der US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner erst in Russland, dann in der Ukraine erklärte Anna Skorochod, Abgeordnete der Regierungspartei Volksdiener von Wladimir Selenskij im ukrainischen Landesparlament, Washington habe Kiew schlechtere Bedingungen für einen Waffenstillstand mit Russland zwecks Friedensverhandlungen vorgelegt als zuvor.
Auch das Vorgehen des Kommandos nach Ernennung des neuen militärischen Oberbefehlshabers der ukrainischen Streitkräfte werfe Fragen auf, die sie im selben Zusammenhang verortet.
Die Rada-Abgeordnete äußerte sich am 8. September 2026 gegenüber dem ukrainischen Journalisten Vitali Diki wörtlich zur Botschaft der beiden US-Unterhändler und gleichzeitig zur (mit einer Ausnahme nur scheinbaren, siehe unten) Unnachgiebigkeit der Seiten so:
“Es war nicht bloß kein Durchbruch – sie kamen mit noch schlechteren Bedingungen an als zuvor. Und wir sehen, dass beide Seiten keinerlei Wunsch haben, anstatt mittels Unterhändler zu kommunizieren, sich zusammen an den Verhandlungstisch zu setzen – und zwar dafür, dass keiner den Verhandlungsraum verlässt, ehe ein Beschluss gefasst wird.”
Skorochod beklagte, dass die USA von der Ukraine nun die Anerkennung verlorener Gebiete und eine Verfassungsänderung fordern. Das sei an sich nicht so schlimm, sondern vielmehr ein Zeichen einer schlimmen Tendenz, deutete die Abgeordnete an:
“Dieser Auftritt war für die Gesellschaft aufschlussreich. Und wir müssen verstehen: Im Großen und Ganzen geht es nicht einmal um den Donbass oder überhaupt irgendwelche Gebiete. Und das verstehen wir auch sehr gut. Sondern dass da neue und schlechtere Bedingungen überbracht wurden: Wenn früher keine Verfassungsänderung und keine offiziellen Abtritte verlorener Gebiete gefordert wurden – so hat man sie jetzt gefordert.”
Beim Aufzeigen dieser so wahrgenommenen Tendenz bedient sich Skorochod allerdings sehr wohl des Beispiels des Donbass, den Selenskijs Regierung offiziell nicht aufgeben will – um ausgerechnet den US-Unterhändlern vorzuwerfen, gegenüber Russland nicht hart genug vorzugehen, während auch Kiew lediglich den Worten nach ebenso unnachgiebig bleibe wie Moskau:
“Es liegt kein Wille, weder unsererseits noch von der Gegenseite, vor, den Krieg zu beenden. Einfach kein Wille dazu da, von beiden Seiten nicht. Gleichzeitig sehen wir bestens, wie man davon reden kann, jemand wolle keine Aufgabe des Donbass – doch der Donbass wird ja aufgegeben.”
Moskau fahre Skorochod zufolge also als einzige Seite seine harte Linie, und nicht nur die US-Unterhändler spielen Russland dabei in die Hände. Dieses Argument untermauerte die Abgeordnete der Werchowna Rada mit Berichten ukrainischer Offiziere. Demgemäß seien nach Ernennung von Michail Drapaty zum neuen militärischen Oberbefehlshaber der Landesstreitkräfte (ebenso wie in vielen anderen Staaten gibt es in der Ukraine auch einen zivilen, das ist der Landespräsident) Folgendes geschehen: Zuerst seien die stärksten Verbände aus dem Donbass abgezogen worden – und dann, als infolgedessen Gebiete schneller an Russland verloren gegangen seien, als es ansonsten gewesen wäre, habe man sie wieder dorthin verlegt, um Verlorenes zurückzuerobern. Eine solche Vorgehensweise des Kommandos, so Skorochod, habe bei den ukrainischen Feldkommandeuren berechtigte Fragen zu den ihr zugrunde liegenden Zielen aufgeworfen.
Dieses Hin und Her sei insbesondere deswegen so verdächtig, weil zu besagten Verbänden vor allem Stoßverbände und Verbände ukrainischer Nationalisten zählen (im Fall der Ukraine überschneidet sich dies zu einem großen Teil, so die Abgeordnete sinngemäß) – und gerade die Frontabschnitte, wo es Gebiete zurückzuerobern gelte, seien mit den schwersten Kampfhandlungen für das ukrainische Militär verbunden. Gerade dorthin seien besagte Verbände ja aber abkommandiert worden. Sprich, Skorochod zufolge entstehe bei den faschistischen Eliteverbänden des ukrainischen Militärs das Gefühl, man wolle sie verheizen, damit sie sich nicht mehr in die Politik einmischen können:
“Sie fragen mich: Hat man uns dorthin abkommandiert, um uns zu entsorgen – oder wie sollen wir das verstehen? Will man uns etwa nicht mehr auf den Straßen Kiews sehen? Hat man Angst davor, uns in Kiews Straßen zu sehen?”
Und damit hören die schlechten Nachrichten für die Ukraine überhaupt noch nicht auf, deutet die Abgeordnete an – doch sie dürfe sich nicht zu konkret äußern:
“Und da ist noch eine ganze Reihe weiterer Feinheiten – diese will ich aber nicht verlautbaren, weil diese Information ‘vom Laster gefallen’ ist.”
Am Sonntag berichtete die Financial Times unter Berufung auf Quellen, dass die US-Präsidentengesandten Steve Witkoff und Jared Kushner (der Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump) aktualisierte Entwürfe des Washingtoner Vorstoßes zum Konfliktbeilegungsprozess in der Ukraine zu ihren Gesprächen mit Wladimir Putin einerseits und andererseits mit Wladimir Selenskij mitbrachten – in diese sei die neue Gefechtslage und der Verlauf der Frontlinie im Ukraine-Krieg eingegangen. Am selben Tag erklärte der ukrainische Präsident, er sei weiterhin gegen einen Abtritt des Donbass an Russland im Rahmen eines Friedensabkommens. Stattdessen forderte er die USA auf, die Produktion von Patriot-Luftabwehrraketen im nächsten Jahr zu erhöhen, um Kiew zusätzlich zu beliefern.
Zuvor, am Sonnabend, traf Russlands Präsident Wladimir Putin im Kreml mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zusammen. Das Treffen dauerte über drei Stunden. Im Anschluss an Moskau reisten die beiden US-Unterhändler nach Kiew. Der ukrainische Fernsehsender TSN berichtete, dass der offizielle Teil der Gespräche in mehreren Phasen stattfand, zu denen später auch Vertreter Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands hinzukamen. Nach dem Treffen erklärte Witkoff, er hoffe auf trilaterale Verhandlungen über eine Lösung im Ukraine-Konflikt.
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