
Die mit Iran verbündeten Huthi haben die jemenitische Hafenstadt Mokka (Mocha) eingenommen und sind auf strategische Inseln vorgedrungen, die die Straße von Bab al-Mandab überblicken. Gleichzeitig kursieren Berichte, wonach iranische Angriffe bei den jüngsten Attacken US-Kampfflugzeuge auf einem Stützpunkt in Jordanien beschädigt haben.
Die Entwicklungen markieren eine Eskalation des Iran-Krieges an zwei Fronten. Sie ereigneten sich nur wenige Stunden, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, er erwarte ein Ende des Konflikts nach den US-Zwischenwahlen.
Militärquellen der von Saudi-Arabien und westlichen Staaten unterstützten jemenitischen Regierung zufolge haben die Huthi mit ihrer raschen Offensive ihren Einfluss auf die Straße von Bab al-Mandab weiter ausgebaut – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.
Sollten die Huthi die Kontrolle über die Meerenge erlangen, könnte ihr iranischer Unterstützer Einfluss auf einen zweiten wichtigen Transportkorridor ausüben – auf der gegenüberliegenden Seite der Arabischen Halbinsel zur Straße von Hormus. Dies könnte die globalen Energieversorgungsketten zusätzlich stören. Zugleich könnte es Trumps Bemühungen erschweren, einen Ausweg aus dem Krieg zu finden, der die Aussichten seiner Republikanischen Partei bei den US-Zwischenwahlen im November belastet.
Die Huthi erklärten zugleich, die Schifffahrt im Roten Meer sei für alle Reedereien sicher – mit Ausnahme saudischer Schiffe. Saudi-Arabien, der weltweit größte Ölexporteur, ist seit der faktischen Schließung der Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges stark auf die Route über das Rote Meer angewiesen. Vor dem Konflikt wurde etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung durch die Straße von Hormus transportiert. Die Einnahme von Mokka durch die Huthi verschaffe ihnen eine “direkte Präsenz an den Zugängen zu einer der wichtigsten Meerengen der Welt” und werfe damit ernste Fragen hinsichtlich der freien Schifffahrt auf, so der UN-Sondergesandte für Jemen, Hans Grundberg.
Inzwischen wurden Bilder veröffentlicht, die auf erfolgreiche Huthi-Angriffe auf eine Ölpipeline in Saudi-Arabien hindeuten. Satellitenbilder zeigen eine massive Rauchfahne von rund 100 Kilometern Länge sowie anhaltende thermische Anomalien entlang der Ost-West-Pipeline südöstlich von Medina. NASA-Feuerdaten weisen an mehreren Stellen über Stunden auf eine Hitzeentwicklung von mehr als 70 Megawatt hin – deutlich über dem Niveau eines normalen Abfackelvorgangs.
Einige Analysten sprechen von sechs bis acht möglichen Einschlagstellen und einer möglichen Beschädigung der Pipeline. Eine offizielle Bestätigung durch Saudi Aramco oder internationale Nachrichtenagenturen liegt bislang jedoch nicht vor.
Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) hat US-Präsident Donald Trump am Donnerstag zweimal angerufen und ihn zu Luftangriffen gegen die Huthi gedrängt. Trump lehnte dies jedoch ab.
Saudische Regierungskreise sowie iranische Quellen erklärten gegenüber Reuters, der Vormarsch der Huthi entlang der Küste in dieser Woche sei direkt von der iranischen Revolutionsgarde angeleitet worden.
Der Preis für Brent-Rohöl stieg am Donnerstag zeitweise um bis zu vier Prozent auf mehr als 105 US-Dollar je Barrel, während Händler die Gefahr für eine weitere wichtige Schifffahrtsroute bewerteten. Der US-Durchschnittspreis für Diesel hat laut dem Preis-Tracker GasBuddy erstmals die Marke von 6 US-Dollar pro Gallone überschritten.
Der Schiffsverkehr in der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormus nimmt unterdessen weiter ab. Am Donnerstag passierten vorläufigen Schiffsverfolgungsdaten zufolge sieben Schiffe die Meerenge – nach elf am Vortag. Der Zehn-Tage-Durchschnitt liegt bei 15 Schiffen pro Tag. In der Straße von Hormus sind in der Nacht zum Freitag zwei Schiffe angegriffen worden.
Pakistan soll Iran aufgefordert haben, die Huthi in die Schranken zu weisen, um eine weitere Eskalation der Krise zu verhindern. Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter entgegnete demnach: “Iran kontrolliert die Huthi nicht.”
Der Krieg und die gestiegenen Treibstoffpreise haben laut Umfragen dazu beigetragen, dass Trumps Popularitätswerte auf historische Tiefstände gefallen sind. Trump warf Iran vor, zu versuchen, Einfluss auf die US-Zwischenwahlen zu nehmen, bei denen sich entscheidet, ob die Republikaner ihre Kontrolle über den Kongress behalten. Die USA haben zugleich neue Sanktionen gegen Firmen und Einzelpersonen im Irak, Libanon und der Türkei verhängt. Ihnen wird vorgeworfen, die von Iran unterstützte Hisbollah und andere Milizen finanziell zu unterstützen. Washington will damit den wirtschaftlichen Druck auf Iran weiter erhöhen.
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