Bereits in der Vorwoche sahen sich die Einwohner der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt – Familien und Kinder – beim Besuch oder Vorbeischlendern an den beliebten “KiKA-Figuren” mit einem “überraschenden Anblick konfrontiert”, so die freudige Mitteilung der verantwortlichen Macher des Bündnisses “100 gegen Rechts”. Viele der in der Stadt verteilten Figuren waren mit “individuellen Demo-Plakaten” samt politischen Slogans ausgestattet worden. Die “Aktionswoche” läuft offiziell vom 29. Juni bis zum 5. Juli.
Die KiKA-Figuren in Erfurt sind Plastiken bekannter Charaktere aus dem Bereich der ÖRR-Kindermedien, die in der thüringischen Landeshauptstadt seit Jahren aufgestellt und fester Bestandteil des Stadtbilds sind. Am kommenden Wochenende findet in Erfurt der AfD-Parteitag statt.
Am 4. und 5. Juli soll es laut Vorstellungen von NGOs, Organisationen “gegen rechts” und selbstdeklarierten “Verteidigern der Demokratie” “eine Demonstrationslage historischen Ausmaßes” geben. Die Welt-Zeitung titelte dazu in der Vorwoche, dass seitens der Sicherheitsbehörden ein “Worst-Case-Szenario mit 2.500 Linksextremisten der Kategorie ‘Rot'” erwartet werde.
Die Thüringer Allgemeine (TA) erklärte dazu gestern ihren Lesern, “warum die KiKA-Figuren in Erfurt plötzlich demonstrieren”, um im Artikel auf eine “ungewöhnliche Protestaktion” hinzuweisen. Laut dem Artikel hätten dabei die KiKA-Figuren “klare Signale gegen Rechtsextremismus gesendet.”
Die vermeintliche “Kunstaktion” sei laut Mitteilung der Verantwortlichen auf Facebook Bestandteil “der ‘100 gegen Rechts’-Aktionswoche”, für die das Erfurter “Netzwerk für kulturelles Leben e.V.” kurz vor dem AfD-Bundesparteitag “hundert Kulturakteur:innen zusammengetrommelt hat, um darauf aufmerksam zu machen, dass rechtsradikale Parteien nicht die Antworten auf die aktuellen Fragen unserer Zeit haben.”
Wie der Organisator der TA-Redaktion mitteilte, wurden dafür zehn der 13 KiKA-Figurengruppen mit den “individuellen Protestplakaten” ausgestattet. Erfurt ist Sitz des Kinderkanals von ARD und ZDF, die Figuren wurden ursprünglich zum zehnjährigen Jubiläum des Senders im Jahr 2007 aufgestellt. Darunter die beliebten DDR-Klassiker wie Pittiplatsch und Schnatterinchen, der Sandmann oder Herr Fuchs und Frau Elster.



Das “Kikaninchen” behauptet auf seinem Schild “Dibedibedab, die AfD schafft mich ab.”
“Bernd das Brot” muss kommentieren: “Der andere Bernd ist Mist”, bezogen auf die in linken Kreisen beliebte Verhöhnung von Björn Höcke, zurückzuführen auf einen Witz der “ZDF-heute-show” von Oliver Welke, der den falschen Vornamen in der Sendung vor Jahren geprägt hatte.
“Hein Blöd und Käpt’n Blaubär” als beliebte ÖRR-Charaktere ermahnen auf ihrem Schild belehrend, dass “Seenotrettung kein Verbrechen” sei.

Die verantwortlichen Macher der Aktion werden mit den Worten zitiert:
“Die KiKA-Figuren sind ein wichtiger Teil des Erfurter Stadtbildes und wir sind uns sicher, dass ihre Werte nicht mit denen der AfD übereinstimmen. Bernd, die Maus und Pittiplatsch haben mit Sicherheit genauso wenig Lust auf Rechtspopulismus wie wir.”
Die TA-Redaktion kommentiert zu dem Ereignis, dass die Resonanz in den sozialen Medien zeigen würde, “wie stark solche Bilder wirken können”, ohne zu erklären, in wie weit die Stadtverwaltung in die Planung und Umsetzung involviert ist. Oberbürgermeister in Erfurt ist Andreas Horn (CDU), zuständiger Kulturdirektor Christian Horn (CDU), beide jedoch nicht verwandt.
Die Botschaft der Schilder richte sich nicht nur “gegen Rechtsextremismus, sondern steht zugleich für Demokratie, Vielfalt und ein solidarisches Miteinander”, so der TA–Artikel darlegend.
Laut MDR–Informationen hat das Thüringer Landesverwaltungsamt rund um den AfD-Parteitag Versammlungen auf wichtigen Zufahrtsstraßen und Autobahnabschnitten vorerst untersagt. Das Bündnis “widersetzen” spricht nun “von einem Angriff auf die Versammlungsfreiheit”.
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