
Die russische Regierung diskutiert derzeit über ein mögliches Exportverbot für aromatische Kohlenwasserstoffe, darunter Benzol, Phenol, Toluol und Xylole, wie die Zeitung Kommersant unter Berufung auf informierte Kreise berichtet.
Eine Arbeitsgruppe der Regierung habe diese Frage Mitte August erörtert, jedoch aufgrund von Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf Benzol und Phenol keine konkrete Entscheidung getroffen. Vor weiteren Beratungen werden die Ministerien die Meinung der Marktteilnehmer einholen. Die Verhandlungen stehen im Zusammenhang mit dem Rückgang der Produktion aromatischer Kohlenwasserstoffe aufgrund von Wartungsarbeiten in den Ölraffinerien und deren verstärkter Verwendung bei der Kraftstoffherstellung.
Aromatische Kohlenwasserstoffe werden bei der Benzinherstellung als Oktanerhöher sowie in der Petrochemie zur Herstellung von Polymeren, Kautschuken, Farbstoffkomponenten und Reinigungsmitteln verwendet. Dabei haben aromatische Fraktionen und Ottokraftstoff denselben Rohstoff – bestimmte Bestandteile des Naftas; daher entscheiden die Raffinerien je nach Situation, wie viel von den aromatischen Komponenten in der Produktion verbleibt und wie viel auf den Markt gelangt.
Marktteilnehmer halten die Einführung eines Embargos für Lieferungen aus dem Ausland für logisch, bezweifeln jedoch, dass dies die Versorgungslage bei aromatischen Kohlenwasserstoffen verbessern wird, schreibt Kommersant. Die Zeitung schreibt:
“Das Ministerium für Industrie und Handel teilte Kommersant mit, dass es die Lage auf dem Markt für aromatische Kohlenwasserstoffe ständig beobachtet und bei Bedarf Entscheidungen treffen wird, um den Bedarf des Binnenmarktes vorrangig zu decken. Die Produktion von aromatischen Kohlenwasserstoffen ist bereits seit mehreren Jahren rückläufig. Im vergangenen Jahr sank die Produktionsmenge von Benzolen in Russland um 10,3 Prozent auf 1,3 Millionen Tonnen, die von Toluol um 6,8 Prozent auf 361.000 Tonnen und die von Xylolen um 17,3 Prozent auf 370.000 Tonnen … Wie eine Quelle von Kommersant aus dem Markt erklärt, sind die wichtigsten Hersteller von Benzol, Toluol und Xylolen (Paraxylol und Orthoxylol) die Raffinerien. Maksim Djatschenko, Leiter des Handelsunternehmens Proleum, merkt an, dass aromatische Kohlenwasserstoffe heute so weit wie möglich für die Herstellung von hochoktanigem Benzin genutzt werden müssen, weshalb das Exportverbot für diese Verbindungen angesichts des Embargos für ausländische Benzinlieferungen und der Knappheit auf dem Binnenmarkt logisch erscheint.“
Bei den aromatischen Kohlenwasserstoffen ist die Lage vor allem im Bereich der Industrieklebstoffe für die Holz verarbeitende Industrie besonders angespannt. Phenol (hergestellt aus Benzol und Propylen) verteuerte sich aufgrund des Rückgangs der Benzollieferungen auf Spitzenwerte von 135.000 bis 150.000 Rubel pro Tonne. Eine ähnliche Situation ist bei Orthoxylen und Toluol zu beobachten, die in der Lack- und Farbenindustrie verwendet werden.
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