
Der Chef von Chevron, das als einer der größten US-amerikanischen Ölkonzerne gilt, warnt angesichts des Konflikts im Nahen Osten vor einer weltweiten Treibstoffkrise. Wie die Zeitung The Wall Street Journal (WSJ) berichtet, sind laut Chevron-Chef Mike Wirth “die Mechanismen, die Preis- und Lieferrisiken abmildern konnten, weitgehend ausgeschöpft, und das System verfügt nicht mehr über die Reserven, die zu Beginn des Konflikts mit Iran vorhanden waren”.
Experten erklären zudem, dass die Situation aufgrund des anhaltenden Konflikts außer Kontrolle geraten könnte. Die Dieselpreise in den USA erreichten dem WSJ zufolge mit 6,23 US-Dollar pro Gallone einen Rekordwert, die Benzinpreise stiegen auf 4,32 US-Dollar pro Gallone, wobei eine Gallone rund 3,79 Liter entspricht. Der Chevron-Chef räumte ein, dass ein schneller Rückgang der Treibstoffpreise in naher Zukunft schwer vorstellbar sei.
Besonders angespannt ist laut WSJ die Lage beim Diesel: Ausfälle von Raffinerien infolge der Konflikte im Nahen Osten und des Ukraine-Konflikts verknappen das Angebot ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Nachfrage durch den Beginn der Erntesaison in den USA steigt. In diesem Zusammenhang erklärte US-Präsident Donald Trump, die Ukraine müsse Angriffe auf Russland einstellen, die weltweite Diesellieferungen gefährdeten.
Dem WSJ-Bericht zufolge sind zudem die kommerziellen Treibstoffreserven weltweit in den vergangenen sechs Monaten geschrumpft, während die strategischen Reserven nahezu erschöpft seien. Außerdem hatte Saudi-Arabien zuvor die Schließung der Ost-West-Pipeline angekündigt, die zur Umgehung der Straße von Hormus genutzt wurde, nachdem es eine Reihe von Drohnenangriffen gegeben hatte. Nach Einschätzung von Analysten fehlen dem ohnehin angespannten Weltmarkt dadurch mindestens 2,5 Millionen Barrel Öl pro Tag.
Laut WSJ verschärft auch China die globale Angebotsknappheit. Der weltweit größte Ölimporteur hatte monatelang fast die Hälfte seines täglichen Verbrauchs aus eigenen Rohölreserven gedeckt und damit den Weltmarkt entlastet. In den vergangenen Wochen habe das Land jedoch wieder größere Mengen von internationalen Lieferanten eingekauft, so die Zeitung.
Die Lage in der Straße von Hormus bleibt indes weiterhin äußerst angespannt. In letzter Zeit kam es erneut zu gegenseitigen Angriffen zwischen den USA und Iran in der Region.
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