
Seinen Platz in der Geschichte hat sich der CSU-Politiker aus dem mittelfränkischen Obernzenn schon gesichert: Unvergessen, wie der damalige Bundeslandwirtschaftsminister während einer Pressekonferenz herzhaft in einen Apfel biss und dabei die Weisheit verkündete: “An apple a day keeps the Putin away!” Zu diesem Spruch bewogen hatten Schmidt russische Importstopps als Reaktion auf EU-Sanktionen, die die heimischen Obstproduzenten in die Bredouille brachten. Schmidt wollte die deutschen Verbraucher dazu bewegen, mehr Obst zu konsumieren.
Nach seiner Amtszeit als Landwirtschaftsminister wurde es still um Christian Schmidt in der deutschen Politik. Dafür tauchte er mit diplomatischer Mission in der internationalen Sphäre wieder auf. Der Lenkungsausschuss des Rates zur Umsetzung des Dayton-Friedensabkommens in Sarajevo bestimmte Schmidt im Mai 2021 auf Vorschlag der Merkel-Regierung zum Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina. Allein Russland lehnte den Franken ab.
In diesem Amt sollte Schmidt die Fortführung des Friedensprozesses und den Wiederaufbau des durch den Balkankrieg in den 1990er Jahren schwer getroffenen Landes unterstützen. Dabei kamen ihm weitreichende Befugnisse zu: etwa die Möglichkeit, Politiker aus dem Amt zu entfernen und entweder selbst Gesetze zu erlassen oder von anderen erlassene Gesetze aufzuheben.
Schon bald geriet Schmidts Amtsführung in die Kritik: Nach den Wahlen in Bosnien und Herzegowina im Oktober 2022 setzte er nachträglich eine Wahlrechtsänderung durch, die die HDZ BiH, eine Partei der kroatischen Volksgruppe, begünstigte. Die HDZ BiH gilt als eine Schwesterpartei von Schmidts politischer Heimat, der CSU. Von einem “Hohen Repräsentanten der Kroaten” war die Rede.
Zu Schmidts Gegenspieler entwickelte sich vor allem der Serbe Milorad Dodik, von 2022 bis 2025 Präsident der Republika Srpska. Das Kompetenzgerangel zwischen Dodik und Schmidt führte sogar zu einer strafrechtlichen Verurteilung und zu einem Interpol-Haftbefehl gegen den Präsidenten der bosnisch-herzegowinischen Serben.
Rechtliche Grundlage für das Urteil war eine Änderung des Strafgesetzbuches, die Schmidt im Jahr 2023 veranlasst hatte. Die Neuregelung stellte die Missachtung von Entscheidungen des Hohen Repräsentanten (also von Schmidt selbst) unter Strafe. Die Empörung unter den bosnischen Serben war groß. Außenhandelsminister Staša Košarac ging sogar so weit, Schmidt einen SS-Helm zukommen zu lassen.
Mit dem Amtswechsel in den USA schien Dodik jedoch als Sieger aus der Auseinandersetzung mit Schmidt hervorzugehen. Bereits im Oktober 2025 war in den Medien von einem Deal Dodiks mit der Trump-Administration die Rede, der die Entfernung Schmidts aus Bosnien-Herzegowina umfassen sollte. Einem bosnischen Portal zufolge sollen die US-Amerikaner Schmidt sogar mit Sanktionen gedroht haben, sollte er den Rücktritt verweigern.
Wie dem auch sei, Schmidt musste offenbar in den sauren Apfel beißen, denn fest steht, dass heute sowohl Schmidts Büro als auch das Auswärtige Amt seinen Amtsverzicht als Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina bekannt gegeben haben.
Milorad Dodik, der Gegenspieler des CSU-Politikers, äußerte sich bereits auf der Plattform X zum Rücktritt seines Kontrahenten: Schmidt werde sich für seine Taten verantworten müssen, hieß es drohend. Schmidt habe mit seiner Amtsführung die interethnischen Beziehungen in dem ihm anvertrauten Land zerstört.
Mehr noch, Dodik setzte nach und warf Schmidt finanzielle Unregelmäßigkeiten vor:
“Schmidt muss die riesigen Geldsummen zurückgeben, die er illegal an sich genommen hat. Unsere Anwälte suchen nach einer Möglichkeit, ihn in Deutschland strafrechtlich zu verfolgen. Er hat fast zwei Millionen Euro unrechtmäßig an sich genommen.”
Es hat nicht den Anschein, als werde Christian Schmidts Abschied aus Bosnien-Herzegowina versöhnlich ausfallen.
Mehr zum Thema – Urteil gegen Milorad Dodik: Politische Justiz oder notwendiges Signal für die Rechtsstaatlichkeit?