
Tausende mittelständische Unternehmen in Deutschland verlieren an Boden wegen der Konkurrenz mit China. Laut einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ) bildeten “Nischenhersteller mit Weltklasse-Niveau” jahrzehntelang das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und stützten sich dabei auf einen unangreifbaren Vorteil, nämlich unübertroffene Qualität. Nun schwinde dieser Vorteil.
China schließe nach Angaben des WSJ die Lücke bei der Qualität der Produkte und biete diese zu Preisen an, die nur halb so hoch seien. Erstmals seit Jahrzehnten importiere Deutschland mehr hochmoderne Industriegüter aus China, als es in das asiatische Land ausführe. Dadurch seien deutsche Firmen gezwungen, Arbeitsplätze abzubauen und die Produktion nach China zu verlagern.
Unter Verweis auf einen Bericht der Beratungsfirma Ernst & Young betonte das WSJ, die deutsche Industrie verliere jeden Monat mehr als 10.000 Arbeitsplätze. Vom Februar 2022 bis zum Anfang 2026 ging die Industrieproduktion in Deutschland um rund zehn Prozent zurück.
Als Beispiel nannte die Zeitung das Unternehmen Aura, das sich mit industriellen Prozesswärme-Lösungen beschäftigt. Geschäftsführer Patric Burkhart teilte mit, dass der Wettbewerb aus China in den vergangenen sechs Monaten deutlich zugenommen habe, was zu einem Auftragsrückgang geführt habe. Er lasse mittlerweile 20 Prozent seiner Produkte in China fertigen, dieser Anteil könnte auf 70 Prozent steigen, falls sich die Lage nicht ändere.
Im Rahmen des Regierungsprogramms “10.000 kleine Giganten” fördere China eigene spezialisierte mittelständische Unternehmen, um Konkurrenten in Deutschland zu ersetzen, betonte das WSJ. Die chinesischen Exporte nach Deutschland stiegen 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent.
Deutsche Unternehmen hätten sich seit Langem ihres Engagements für den Freihandel gerühmt, nun forderten sie aber von der Regierung Schutz vor chinesischen Staatskonzernen. Die EU berate zwar über neue Handelsmaßnahmen gegen China, diese werden aber voraussichtlich erst in einem Jahr in Kraft treten.
Die Koalitionsregierung der Union und SPD präsentierte am 2. Juli das umfangreiche Reformpaket zur Ankurbelung von Wirtschaft und Beschäftigung. Eine entsprechende Mitteilung auf der Webseite der Bundesregierung trägt den Titel “Deutschland wieder flottkriegen”. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen, die im Bundestag noch zu billigen sind, gehört auch eine Steuerreform.
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