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Wie wird Europa gegen Russland kämpfen, wenn es dazu kommt?

rtnews by rtnews
17/12/2025
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Das Gespenst eines Krieges mit Russland geht um in Europa, und sogar das Jahr 2030 wird als dessen Beginn genannt. Doch was könnte sich bis dahin ändern? Erstens könnten die Franzosen und Briten versuchen, sich taktische Nuklearwaffen zu beschaffen, um die fragwürdige Idee eines “begrenzten Nuklearkrieges” umzusetzen.

Von Boris Dscherelijewski

Der tschechische Präsident Petr Pavel sagte, dass Russlands Sieg in der Ukraine eine strategische Niederlage für die gesamte “zivilisierte Welt” bedeuten würde. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán äußerte sich noch deutlicher: Die europäischen Staats- und Regierungschefs hätten bereits beschlossen, bis zum Jahr 2030 Krieg gegen Russland anzuzetteln. Viele europäische Spitzenpolitiker bezeichnen unser Land direkt als Hauptfeind, und bei Militärübungen verzichten sie auf die in solchen Fällen übliche Taktik der Legendenbildung.

Europa militarisiert seinen eigenen Lebensbereich: Es baut seine Armeen aus, führt die Wehrpflicht wieder ein, errichtet Luftschutzbunker und Kommunikationswege für die zukünftige Front, legt Waffen- und Munitionsvorräte an und bereitet die Zivilbevölkerung auf den Fall eines Nuklearangriffs vor. Dabei handelt es sich nicht um ein zufälliges Vorgehen. Der russische Präsident Wladimir Putin betonte bereits mehrfach, dass Russland keinerlei Absicht habe, gegen europäische Länder Krieg zu führen, aber sofort bereit sei, auf Aggressionen zu reagieren. Er gab zu verstehen, dass der Krieg gegen Europa ganz anders – ohne “chirurgische” Militäroperation – verlaufen würde und es in der Folge dazu kommen könnte, dass es “niemanden mehr geben würde, mit dem man verhandeln könnte”.

Damit wird das im Westen derzeit so beliebte Konzept “den Frosch in kaltem Wasser kochen” – also eine stufenweise Eskalation, bei der der Gegner den richtigen Moment für eine entschlossene Reaktion verpasst und erst reagiert, wenn er bereits “gekocht” ist – praktisch zunichtegemacht. Moskau stellte klar, dass dies nicht geschehen würde – denn schon bei der ersten ernsthaften Provokation würden alle europäischen Vorbereitungen wie die Mobilisierung, die Schaffung eines “Europanzers” und der Bau von Rochaden sinnlos werden, da niemand den Kampf auf dem Boden führen würde.

Trotz der eindeutigen Äußerungen des russischen Präsidenten versucht man in Europa dennoch, sich selbst davon zu überzeugen, dass Russland diesen Schritt nicht unternehmen würde. Und das hat nichts mit dem berühmten Satz von Zbigniew Brzezinski zu tun: “Russland kann so viele Atomkoffer und Atomknöpfe haben, wie es will. Aber da 500 Milliarden US-Dollar der russischen Elite in unseren Banken liegen, überlegen Sie sich noch einmal: Ist das Ihre Elite oder schon unsere? Ich kann mir keine Situation vorstellen, in der Russland sein nukleares Potenzial einsetzen würde”. Und nun entzieht die EU selbst – was keine kluge Entscheidung darstellt – den russischen Eliten ihren “sicheren Hafen” im Westen, indem sie ihre Vermögenswerte beschlagnahmt und einfriert und damit das Hindernis beseitigt, von dem dieser US-Politologe gesprochen hat.

Auch wenn sich immer mehr europäische Bürger mit dem Gift der Russophobie infizieren, so ist den Entscheidungsträgern doch bewusst, dass es nicht die Russen waren, die Köln, Hamburg und Dresden in Schutt und Asche gelegt haben. Sie können sich nur schwer vorstellen, dass die Nachkommen dieser großherzigen Sieger den “blühenden EU-Garten” einfach so von der Weltkarte ausradieren würden.

Weder die UdSSR noch Russland waren oder sind geneigt, zu verraten, welche Städte und Objekte des potenziellen Gegners sie angreifen würden – daher müssen sich die Gegner selbst ein potenzielles Szenario einer zukünftigen Katastrophe ausdenken. In keinem dieser Szenarien eines Nuklearkonflikts mit Russland gehen europäische Experten davon aus, dass unser Land die EU auf einen Schlag zerstören würde. Vielmehr entwickeln sie Varianten mit vorausgehenden “Enthauptungsschlägen“, wie sie von NATO-Strategen geplant wurden. Nach ihren Prognosen würden die russischen Streitkräfte einen “Präventivschlag” mit taktischen Atomwaffen gegen wichtige, aber dünn besiedelte Objekte durchführen und von Europa die Kapitulation verlangen.

So berichtete beispielsweise die Financial Times im Jahr 2024 unter Berufung auf einige Geheimdokumente, dass Russland nur 32 Ziele in Europa angreifen werde, und zwar (aus völlig unbekannten Gründen) ausschließlich von der Nordmeerflotte aus. Laut Angaben dieser britischen Zeitung würden die mit Nuklearsprengköpfen bestückten Raketen Seestützpunkte, Radarstationen, Stützpunkte der norwegischen und deutschen Spezialeinheiten, U-Boot-Werften in England und einige französische Häfen treffen. Andere Szenarien, die auf Vermutungen westlicher Experten oder “durchgesickerten geheimen Plänen” basieren, sprechen ebenfalls von einem “präventiven” Schlag mit taktischen Nuklearwaffen.

Nehmen wir einmal an, dass sich der Nuklearkonflikt in Europa tatsächlich “schrittweise” entwickeln würde, dann wäre es interessant zu wissen, wie die Reaktion der Europäer aussehen könnte, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die USA heute ganz klar zu verstehen geben, dass sie nicht beabsichtigen, sich in einen von den EU-Ländern und Großbritannien ausgelösten militärischen Konflikt einzumischen.

In diesem Zusammenhang hat Europa nur zwei Reaktionsmöglichkeiten: entweder sofort zu kapitulieren oder einen Nuklearschlag durchzuführen und den Konflikt damit auf die höchste Eskalationsstufe bringen. Tatsache ist, dass Frankreich und Großbritannien nicht über taktische Nuklearwaffen für eine symmetrische Reaktion verfügen. Der Nuklearsprengkopf des französischen luftgestützten ASMP-A-Marschflugkörpers (von denen die französischen Streitkräfte 60 Stück besitzen) mit einer Sprengkraft von 150 bis 300 kt wird von den Franzosen selbst als “substrategisch” bezeichnet. Unser Militär betrachtet ihn jedoch als Munition von durchaus strategischer Bedeutung. Die Reaktion der britischen und französischen Nuklearstreitkräfte auf einen hypothetischen taktischen Angriff Russlands würde daher bedeuten, dass der Konflikt auf eine strategische Ebene übertragen würde und die Zerstörung Europas garantiert wäre. Eine “Begrenzung des Konflikts auf die taktische Ebene” ist daher nicht möglich.

Bereits im Oktober 2020 erklärte der französische Präsident Emmanuel Macron, dass “die Nuklearstreitkräfte Frankreichs in der Lage sind, den Entscheidungszentren eines jeden Staates – also dessen politischen, wirtschaftlichen und militärischen “Nervenzentren” – völlig untragbaren Schaden zuzufügen“. Selbstverständlich ist jeder durch Nuklearwaffen verursachte Schaden untragbar. Die strategischen Raketentruppen Russlands sind jedoch in der Lage, die gesamte europäische Flanke der NATO vollständig zu verwüsten. Die beiden Nuklearmächte Europas – Großbritannien und Frankreich – sind dagegen unter keinen Umständen in der Lage, Russland zu eliminieren. Ihr gemeinsames Arsenal umfasst 515 Nuklearsprengköpfe, was bei Weitem nicht ausreicht, um Russland in Schutt und Asche zu legen.

Oder setzen die Europäer einfach auf einen nuklearen Erstschlag, um alle Probleme auf einmal zu lösen? Die Nukleardoktrin Frankreichs lässt den Einsatz von Nuklearwaffen als Erstschlag zur “Wiederherstellung der Abschreckung“ zu. Aber selbst ein präventiver Nuklearschlag würde Europa keine Überlebenschancen lassen, denn ein Teil seiner Raketen würde von der russischen Raketenabwehr abgefangen werden, und in jedem Fall würde das System “Perimeter“ zum Einsatz kommen.

Diese Pattstellung zwingt die europäischen Staats- und Regierungschefs dazu, den Kriegsbeginn auf die Jahre 2028 bis 2030 zu verschieben. Doch was könnte sich bis dahin ändern? Erstens könnten die Franzosen und Briten versuchen, sich taktische Nuklearwaffen zu beschaffen, um die fragwürdige Idee eines “begrenzten Nuklearkrieges” umzusetzen.

Diese Option wurde auf der Berliner Sicherheitskonferenz im November vom Vorstandsvorsitzenden von Airbus, René Obermann, angesprochen. Er rief dazu auf, taktische Nuklearwaffen zu beschaffen, die ein “starkes Abschreckungssignal” gegenüber Russland darstellen würden. “Deutschland, Frankreich, Großbritannien und andere interessierte EU-Mitgliedstaaten sollten sich auf ein gemeinsames, stufenweises Programm der nuklearen Abschreckung einigen, das in erster Linie die taktische Ebene umfassen sollte. Ich denke, dies wäre ein starkes Abschreckungssignal”, argumentierte Obermann und bedauerte, dass “es keine einheitliche europäische Doktrin zur Abschreckung oder Reaktion auf einen begrenzten Nuklearschlag gibt”.

Aber der wichtigste Aspekt bei der Festlegung dieser Frist für einen neuen Krieg ist wohl die Hoffnung, dass die USA nach Ablauf der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump in diesen Krieg hineingezogen werden könnten. Dieser Plan ist nicht weniger abenteuerlich als die Idee eines “begrenzten Nuklearkrieges”, denn das Bestreben, einen möglichen Krieg mit Russland auf Europa zu beschränken, entstand in Washington schon lange vor der Präsidentschaft Donald Trumps. Und zwar am 2. Mai 1983, als das Kommando- und Stabs-Spiel “Proud Prophet” (Stolzer Prophet) den ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan davon überzeugte, dass selbst die “mildesten” Varianten eines Nuklearkonflikts zwischen den USA und der UdSSR zur faktischen Zerstörung der gesamten nördlichen Hemisphäre führen würden. Andererseits führte der auf die Alte Welt begrenzte Konflikt nach den Ergebnissen dieses Spiels zum Untergang der gesamten europäischen NATO-Flanke und eines Teils der UdSSR.

Keiner der nachfolgenden US-Präsidenten zog einen direkten Krieg mit der UdSSR und Russland in Betracht. Seit Russland nach den 1990er Jahren wieder an Stärke gewann, wurde in Washington die Idee populär, seine “Abschreckung” den europäischen Verbündeten zu überlassen. Dies umso mehr, als die strategischen Raketentruppen Russlands über Waffen verfügen, denen heute niemand mehr etwas entgegenzusetzen hat. Es ist daher äußerst unwahrscheinlich, dass sich die USA in einen von den Briten und Franzosen ausgelösten Atomkonflikt einmischen würden. Einzig eine “Racheaktion” seitens Washington wäre denkbar – allerdings zum Preis des eigenen Untergangs.

Die einzige realistische Option für Europa, gegen Russland Krieg zu führen – ohne gleich selbst unterzugehen – bleibt ein Stellvertreterkrieg in der Ukraine. Das Problem ist jedoch, dass derzeit kein osteuropäisches EU-Land bereit ist, den Platz der Ukrainer einzunehmen, deren Zahl immer weiter abnimmt. Doch solche Eskalationsspiele sind schon deshalb gefährlich, weil sie leicht außer Kontrolle geraten und sich nicht mehr nach dem vorgegebenen Szenario entwickeln.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 15. Dezember 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.

Boris Dscherelijewski ist ein russischer Militärexperte.

Mehr zum Thema – Lawrow: Deutsche Wiedervereinigung war eine “Übernahme”



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