
Dass eine 5.000 Soldaten umfassende Brigade der US-Amerikaner den oberpfälzischen Standort Vilseck verlassen wird, steht so gut wie fest. Unklar war bis jetzt, wohin das US-Kriegsministerium die sogenannte “Stryker Brigade” verlegen will. Jetzt deutet sich an: Die neue Garnison des nach dem Stryker-Radschützenpanzer benannten 2. Kavallerieregiments der US Army wird in Polen liegen – zumindest vorläufig.
Wie Bartosz Grodecki, der neue Leiter des Nationalen Sicherheitsbüros (BBN) in Warschau, am vergangenen Samstag auf der Plattform X schrieb, gehen die polnischen Behörden davon aus, dass die Vilsecker Einheit nach Polen kommt. Sie könne dort als Ersatz für Teile einer ursprünglich für die Stationierung auf polnischem Gebiet vorgesehenen Panzerbrigadetruppe dienen. Die Zahl der US-Soldaten und Zivilangestellten des US-Militärs in Polen sei nicht konstant und pendele bei etwa 10.000 Mann.
In den vergangenen Tagen hatten Nachrichten über das Ausbleiben der Rotation von US-Truppen in Polen für Unruhe gesorgt. Demzufolge habe das Pentagon die Verlegung von 4.000 Soldaten der 1. US-Kavalleriedivision aus Fort Hood in Texas abgesagt. Nun konnte Grodecki Entwarnung geben: Berichte über die Aussetzung der Rotation und über eine Reduzierung der US-Präsenz beträfen Polen weder direkt noch indirekt, so die Erkenntnisse seiner Behörde. Für die entstandenen Unklarheiten machte Grodecki Kommunikationsfehler des polnischen Verteidigungsministeriums verantwortlich.
Von einer Absage der Rotation kann demnach keine Rede sein. Grodecki versicherte: “Die Verlegung und der Ausbau der US-Streitkräfte in Polen laufen. Bis heute wurden aus Fort Hood bereits über 20 Prozent der geplanten Soldatenzahl nach Polen verlegt sowie rund 70 Prozent des militärischen Equipments, was ein Schlüsselfaktor für die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte ist.” Damit könnte sich – zumindest zeitweilig – die Zahl der in Polen stationierten US-Truppen sogar noch erhöhen.
Auch eine dauerhafte Stationierung der “Stryker-Brigade” auf polnischem Gebiet ist im Rahmen des Möglichen. Dies hatte US-Präsident Trump vor rund einer Woche gegenüber Reportern erklärt. Während der polnische Ministerpräsident Donald Tusk davor warnte, verbündeten NATO-Partnern die dort stationierten US-Truppen abzuwerben, begrüßten andere polnische Politiker die mögliche Neustationierung.
So erklärte Präsident Karol Nawrocki, er werde bei Donald Trump dafür werben, die aus Deutschland abgezogenen US-amerikanischen Truppen nach Polen zu verlegen. Auch der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz war Feuer und Flamme für die Idee. Polen sei bereit, weitere US-Soldaten aufzunehmen, “um die östliche Flanke der NATO zu stärken und Europa noch besser zu schützen”.
Bis sich das US-amerikanische Kriegsministerium endgültig zu seiner Truppenumstrukturierung geäußert hat, bleibt die Lage allerdings verworren. Die kommende Woche könnte mehr Klarheit bringen. Dann will der ranghöchste Militär der USA, der Generalstabschef der US-Streitkräfte Dan Caine, nach Polen reisen. Dies soll Medienberichten zufolge am Mittwoch der Fall sein.
Zugleich werden sich ab Montag die polnischen Verteidigungspolitiker Cezary Tomczyk und Paweł Zalewski in den Vereinigten Staaten aufhalten. Das diplomatische Ringen um die Stationierung der US-Truppen in Polen spitzt sich damit weiter zu.
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