
Der unter dem Druck einer drohenden Amtsenthebung erfolgte Amtsverzicht des bisherigen ungarischen Präsidenten Tamás Sulyok am 19. Juli 2026 macht eine baldige Neuwahl erforderlich. Denn laut Wahlordnung muss die Nationalversammlung innerhalb von 30 Tagen einen neuen Präsidenten wählen. Als Datum für die Präsidentenwahl ist der 11. August festgesetzt.
Die Suche nach einem geeigneten Kandidaten wurde vor allem vonseiten der regierenden Tisza-Partei initiiert, die seit ihrem Wahlsieg im April über eine komfortable Zwei-Drittel-Mehrheit im ungarischen Parlament verfügt.
Doch die Wunschkandidatin von Ministerpräsident Péter Magyar, die ungarische Schachgroßmeisterin Judit Polgár, sagte ab (RT DE berichtete). Sie fühle sich nicht stark genug, die historische Verantwortung zu übernehmen, eine geteilte Nation zu vereinen, erklärte sie ihre Ablehnung auf Facebook.
Nun hat die Regierungspartei Tisza einen weiteren Kandidaten gefunden, der sich dieser Aufgabe offenbar gewachsen fühlt. Es handelt sich um den Juristen András Baka, der sich als Orbán-Gegner hervorgetan hat. Und wie Tisza auf ihrer Facebook-Seite bekannt gab, hat Baka bereits zugesagt.
Auch Ministerpräsident Péter Magyar begrüßte auf der Plattform X die Entscheidung der Tisza-Fraktion. Damit wird aller Voraussicht nach der künftige ungarische Staatspräsident András Baka heißen.
Denn Baka wird vermutlich der einzige Präsidentschaftskandidat bleiben. Die ungarische Wochenzeitschrift Heti Világgazdaság (HVG) erklärt in einem Artikel die Sachlage: Das Parteienbündnis Fidesz-KDNP, das unter Viktor Orbán lange Jahre die Regierungsfraktion stellte, plant demnach, die anstehende Präsidentenwahl zu boykottieren.
Die nationalistische Mi Hazánk Mozgalom (MHM) wiederum hat zwar einen Kandidaten nominiert, sie hat aber mit ihren lediglich sechs Sitzen im Parlament keine Chance, dass der Energierechtler Máté Tóth überhaupt zur Wahl zugelassen wird. Denn dafür ist die Empfehlung von 40 Abgeordneten notwendig. Und es sieht nicht so aus, als würde die Gruppe Fidesz-KDNP den MHM-Kandidaten unterstützen wollen.
Damit bleibt als künftiger ungarischer Präsident nur noch der 76-jährige Baka übrig. András Baka war während seines Berufslebens Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Im Jahr 2009 wurde er dann Präsident des ungarischen Obersten Gerichtshofs.
In dieser Funktion geriet Baka in Konflikt mit dem damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der in diesen Jahren einen umfassenden Umbau des ungarischen Justizwesens initiierte. Aufgrund einer Neustrukturierung des Obersten Gerichts kam es im Jahr 2011 zur vorzeitigen Entlassung Bakas, dessen Amtszeit eigentlich bis 2015 gedauert hätte. Orbáns Wahlniederlage ermöglicht dem Juristen nun eine neue Karriere als Präsident.
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