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Sinkende Auftragseingänge verschärfen Sorgen um Industriestandort Deutschland

rtnews by rtnews
09/06/2026
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Die deutsche Industrie findet nicht zurück auf den Wachstumspfad. Der erneute Rückgang der Auftragseingänge im April nährt die Debatte über eine schleichende Deindustrialisierung – und lenkt den Blick erneut auf die Energiepolitik der vergangenen Jahre.

Der deutschen Industrie geht es schlecht und immer noch schlechter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gingen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im April 2026 gegenüber dem Vormonat um 3,8 Prozent zurück. Damit fiel der Rückgang deutlich stärker aus als von Volkswirten erwartet. Besonders betroffen waren die Automobilindustrie, der Maschinenbau und die Hersteller elektrischer Ausrüstungen. Auch die Nachfrage aus dem Ausland schwächte sich spürbar ab.

Die Zahlen sind mehr als nur eine kurzfristige Konjunkturschwankung. Sie fügen sich in eine Entwicklung ein, die Ökonomen, Unternehmensverbände und Gewerkschaften seit Jahren mit wachsender Sorge beobachten: die schwindende industrielle Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Während die deutsche Wirtschaft über Jahrzehnte von günstiger Energie, hoher Produktivität und in der Folge von einer starken Exportindustrie profitierte, haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Bei der Produktivitätssteigerung bleibt Deutschland weit unterhalb des Durchschnitts der Länder der G20. Die Investitionstätigkeit ist schwach, die Nachfrage gering. Neben all dem gelten vor allem die Energiepreise als Belastungsfaktor.

Mit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und den anschließenden Sanktionen gegen Russland brach das bisherige Modell preiswerter russischer Gaslieferungen weg. Die Energiepreise stiegen zeitweise auf historische Höchststände und liegen für viele Industriebetriebe weiterhin über dem Niveau wichtiger Wettbewerber. Nun belastet auch noch der Angriffskrieg der USA und Israels auf Iran die Weltwirtschaft. In der Folge des unprovozierten Angriffs hat Iran die Straße von Hormus geschlossen. Der Seeweg ist für die Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung.

Besonders energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl, Papier oder Glas kämpfen seitdem mit erheblichen Kostennachteilen. Die Produktion dieser Industriezweige liegt inzwischen deutlich unter dem Niveau von Anfang 2022. Allein in den energieintensiven Industrien ist die Produktion seit Beginn der Energiekrise um mehr als 15 Prozent gesunken. Gleichzeitig gingen dort zehntausende Arbeitsplätze verloren.

Die Diskussion über eine mögliche Deindustrialisierung hat dadurch neue Nahrung erhalten. Wirtschaftsverbände warnen seit Jahren davor, dass Investitionen zunehmend ins Ausland verlagert werden. Vor allem die USA locken deutsche Unternehmen mit günstigen Energiepreisen, schnelleren Genehmigungsverfahren und vor allem mit Subventionen für die Ansiedelung sowie der Umgehung von Einfuhrzöllen. 

Allerdings wäre es zu einfach, die Entwicklung ausschließlich auf die Russland-Sanktionen zurückzuführen. Die Krise der deutschen Wirtschaft ist strukturell. Die suizidale Sanktionspolitik der EU verstärkt die Abschwungbewegung lediglich. Deutschland hinkt in vielen Bereichen inzwischen weit hinterher. Im Bereich der Digitalisierung ist die Bundesrepublik auf einem Stand, für den sich manch Entwicklungsland schämen würde. Inzwischen zeichnet sich ein Teufelskreis ab. Aufgrund er hohen Energiekosten ist der Aufbau von energieintensiven Rechenzentren in großem Stil in Deutschland unwahrscheinlich. Die werden jedoch für den Einsatz von KI zwingend gebraucht. Damit deutet sich an, dass die BRD auch in diesem Bereich international abgehängt wird. Russland beispielsweise plant, die vergleichsweise niedrigen Energiekosten weiter zu senken, um KI in allen Bereichen implementieren zu können. 

Die Energiefrage bleibt ein Kernpunkt der politischen Debatte. Vertreter der Industrie, Gewerkschaften und zahlreiche Landespolitiker fordern seit Monaten Maßnahmen zur Senkung der Strom- und Gaspreise. Insbesondere die Stahlindustrie sieht ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet und drängt auf schnelle Entlastungen.

Die jüngsten Zahlen zu den Auftragseingängen verdeutlichen, wie fragil die Lage ist. Zwar können einzelne Monate durch Großaufträge oder internationale Krisen beeinflusst werden. Doch die Kombination aus schwacher Nachfrage, hohen Energiekosten und strukturellen Standortproblemen lässt die Sorgen um Deutschlands industrielle Basis weiter wachsen.

Chancen auf eine Trendumkehr sind nicht auszumachen. Die Bundesregierung und die EU-Kommission halten an ihrem konfrontativen Kurs gegenüber Russland fest. Gleichzeitig zeichnet sich ein Handelskrieg mit China ab. In Nahost fällt Deutschland aufgrund seiner “bedingungslosen Solidarität mit Israel” als Vermittler aus. Auf Entgegenkommen der ölreichen Länder der Region kann die Bundesrepublik daher nicht hoffen. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Umstellung auf erneuerbare Energien vor allem eins ist: ein schöner Traum, der allerdings angesichts der realen Entwicklungen ausgeträumt ist. Schafft es Deutschland nicht jetzt und unmittelbar, das Angebot an Energie auszuweiten und so die Preise zu senken, ist es für den Standort Deutschland zu spät. 

Mehr zum Thema – “Nächster Preisschock”? BSW-Mann Lüders warnt vor auslaufendem Tankrabatt zum Ferienbeginn



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Tags: AuftragseingängeDeutschlandIndustriestandortSinkendesorgenverschärfen
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