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Putins Kurilen-Besuch: Klare Ansage an Tokio

rtnews by rtnews
14/08/2026
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Putins erster Besuch auf der Kurilen-Insel Iturup ist ein deutliches Signal an Japan, sagen Experten. Moskau sehe angesichts der zunehmend konfrontativen Haltung Tokios keinen Grund mehr für Gesten des guten Willens. Doch welche Botschaft sendet der russische Präsident damit?

Von Oleg Issaitschenko

Der russische Präsident Wladimir Putin besuchte im Rahmen einer Arbeitsreise nach Sachalin erstmals die Kurilen-Insel Iturup. Empfangen wurde das Staatsoberhaupt vom Gouverneur dieses Gebiets, Waleri Limarenko. Erste Station des Besuchs war das Fischverarbeitungskombinat “Jasny”. Dem Präsidenten wurden die Erzeugnisse des Unternehmens gezeigt, darunter Thunfisch, der in diesen Gewässern ein Gewicht von bis zu 300 Kilogramm erreichen kann. Das Staatsoberhaupt wurde zudem zum Heilbuttfischen eingeladen.

Zudem konnte sich der russische Präsident ein Bild von der Arbeit des Zentralen Kreiskrankenhauses der Kurilen sowie der nach dem Helden Russlands Eduard Norpolow benannten Sekundarschule machen. Der russische Staatschef besichtigte die Sporthalle, die Unterrichtsräume und das Museum. Ihm wurde berichtet, dass Schüler der fünften bis achten Klassen Drohnen zusammenbauen, mit denen Flüsse überflogen und mögliche Stauungen aufgespürt werden können, während sich die Oberstufenschüler mit flugzeugartigen Drohnen beschäftigen. Zum Abschluss der Reise traf Putin zu einem gesonderten Gespräch mit dem Gouverneur des Gebiets Sachalin zusammen, wie der Kreml mitteilte.

Die Nachricht von Wladimir Putins Ankunft auf den Kurilen rückte im japanischen Segment des sozialen Netzwerks X (ehemals Twitter, in Russland gesperrt) innerhalb kürzester Zeit an die Spitze der meistdiskutierten Themen. Bereits in der ersten halben Stunde hinterließen die Nutzer über 2.000 Kommentare. Die Nachrichtenagentur Kyodo versah ihre Meldung über den Besuch mit dem Hinweis “Eilmeldung”. Auch auf der Webseite des japanischen öffentlich-rechtlichen Senders NHK nahm das Ereignis einen zentralen Platz ein.

Das japanische Außenministerium wiederum äußerte wegen des Besuchs des russischen Präsidenten auf Iturup “entschiedenen Protest” und bestellte den russischen Botschafter in Tokio ein. Die Premierministerin des Landes, Sanae Takaichi, erklärte, dieser Schritt des russischen Staatschefs “verletze die Gefühle der Japaner” und sei kategorisch “inakzeptabel”. Ihren Worten zufolge seien alle “Nördlichen Territorien”, wie Japan den südlichen Teil der Kurilen bezeichnet, “aus historischer und rechtlicher Sicht angestammtes japanisches Territorium”.

Die Premierministerin wies darauf hin, dass Tokio die russische Seite wiederholt aufgefordert habe, von Besuchen auf den “Nördlichen Territorien” abzusehen, und dass nach Putins Besuch die Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf mittlere und lange Sicht schwieriger werde. Auf Takaichis Äußerungen reagierte der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew. Er betonte: Die Kurilen seien russisches Territorium gewesen, seien es heute und würden es auch in Zukunft bleiben. “Wer das nicht versteht, wird mit den ungeheuerlichen Folgen seiner Illusion konfrontiert werden”, warnte Medwedew.

Der stellvertretende russische Außenminister Alexander Gruschko erklärte seinerseits, die Demarchen Tokios würden am Status der Kurilen nichts ändern. “Diese diplomatische Aktivität wird zu nichts führen. Russisches Land wird in voller Übereinstimmung mit dem Völkerrecht weiterhin russisches Land bleiben”, betonte er im Gespräch mit Journalisten am Rande des IV. Forums “Arktis – Regionen” in Archangelsk.

Bemerkenswert ist, dass Wladimir Putins Besuch auf Iturup nur einen Tag nach seiner Teilnahme an der Abschlussphase der Manöver der Pazifikflotte stattfand. Dort sprach er von einem wachsenden Konfliktpotenzial im asiatisch-pazifischen Raum und ging gesondert auf die Haltung Japans ein, das “unter dem Vorwand der Ereignisse in der Ukraine, ohne sich mit den Ursachen dieses Konflikts auseinanderzusetzen, Sanktionen gegen Russland verhängt hat, die von unserer Seite nicht provoziert wurden”. Das Staatsoberhaupt betonte, Russland stelle keine Bedrohung für Tokio dar.

Dass die japanische Regierung das Kiewer Regime unterstützt, erklärte auch der russische Botschafter Nikolai Nosdrew. Seinen Worten zufolge gehe es unter anderem darum, dass japanische Unternehmen in die Produktion von Drohnen in der Ukraine investieren. Diese Aktivitäten betrachte Moskau als feindselige Schritte, die darauf abzielen, den aktuellen Konflikt in die Länge zu ziehen, erläuterte der Diplomat. Zuvor hatte die Zeitung Wsgljad darüber berichtet, wie Japan die Maske eines “ausschließlich auf Verteidigung ausgerichteten Landes” fallen ließ.

Nach Ansicht von Experten ist es kein Zufall, dass Putin gerade jetzt beschlossen hat, zum ersten Mal die Kurilen zu besuchen. Der Besuch auf Iturup sei nicht nur eine Arbeitsreise, sondern ein starkes politisches Signal für die Unantastbarkeit der russischen Souveränität über die Inseln.

Pawel Danilin, Dozent an der Finanzuniversität bei der Regierung der Russischen Föderation, ist der Ansicht:

“Diese Reise unterstreicht einmal mehr, dass die Kurilen russisches Land sind und dieser Status nicht zur Diskussion steht. Der russische Staatschef zeigt der ganzen Welt: Diese Gebiete sind nicht verhandelbar.”

Er erinnert daran, dass die Zugehörigkeit der Inseln in internationalen Dokumenten als eine infolge des Zweiten Weltkriegs entstandene Realität festgeschrieben ist.

Danilin weist darauf hin:

“Moskau hat wiederholt seine Bereitschaft zum Dialog und zur Suche nach Lösungen mit Tokio auf Grundlage der Gemeinsamen Erklärung von 1956 gezeigt. Doch Japan wies dies zurück und verhängte antirussische Sanktionen, wodurch sich die Lage nur weiter verschärfte. Putins Besuch auf Iturup stellt eine Ohrfeige für die revanchistischen Ambitionen Japans dar.”

Eine ähnliche Auffassung vertritt Fjodor Lukjanow, Chefredakteur von Russia in Global Affairs. Er zeichnete die Entwicklung der Beziehungen zwischen Moskau und Tokio chronologisch nach und wies darauf hin, dass Wladimir Putin Japan insgesamt sehr positiv gegenüberstehe. Er erläutert:

“Diese Haltung hat ihre Wurzeln vermutlich in seiner sportlichen Jugend und seiner Beschäftigung mit Judo.”

Der Experte erinnert zudem an die konstruktiven und sogar freundschaftlichen Beziehungen zwischen Wladimir Putin und Shinzo Abe, der die japanische Regierung von 2006 bis 2007 und von 2012 bis 2020 führte: “Sie trafen sich regelmäßig und tauschten sich intensiv aus.”

Lukjanow führt näher aus:

“Der russische Präsident bemühte sich um eine Kompromisslösung im Territorialstreit – ein Thema, das Tokio als Hauptproblem der bilateralen Beziehungen in den Vordergrund stellt. Bedeutende Fortschritte konnten jedoch nicht erzielt werden. Abe, der ebenfalls an einer Lösung des Streits um die Inseln interessiert war, konnte die starre Denkweise des japanischen außenpolitischen Apparats nicht durchbrechen.”

Derzeit habe die Politik Tokios, einschließlich der Haltung zur Ukraine-Krise, die russisch-japanischen Beziehungen in eine Sackgasse geführt, so der Politologe weiter. Er hält es zudem für möglich, dass der russische Staatschef diese Gebiete bislang nicht besucht habe, um bei den Japanern “keine unnötigen Emotionen hervorzurufen”. Lukjanow präzisiert:

“Nun zieht dieser Besuch jedoch gewissermaßen einen Schlussstrich und sendet ein Signal an Tokio: Wenn Japan gegenüber Russland keine eigenständige, vom Westen unabhängige Politik verfolgen will, wird Moskau keine Rücksicht auf seine Gefühle nehmen. Zumal eine Arbeitsreise des Präsidenten an jeden beliebigen Ort des Landes völlig normal ist. Und ich gehe davon aus, dass solche Reisen künftig regelmäßiger stattfinden werden.”

Jewgeni Mintschenko, Leiter der Kommunikationsholding “Minchenko Consulting”, ist ebenfalls der Ansicht, Putin habe die Kurilen bislang nicht besucht, weil er eine Verschärfung der Beziehungen zu Tokio vermeiden wollte. Inzwischen habe Japan jedoch einen Kurs der Militarisierung eingeschlagen. Mintschenko erinnert:

“Die Führung des Landes diskutiert unter anderem darüber, von den freiwillig übernommenen Verpflichtungen abzurücken, keine Atomwaffen zu stationieren, herzustellen oder zu besitzen.”

Er betont:

“Angesichts der sich radikalisierenden Haltung der japanischen Behörden verlieren demonstrative Gesten des guten Willens jeglichen Sinn.”

Was den “entschiedenen Protest” des japanischen Außenministeriums angeht, so handle es sich dabei um einen formell notwendigen Schritt – eine Frage des Protokolls, fügte Lukjanow hinzu. Der Politologe fährt fort:

“Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Besuch weitere Konsequenzen nach sich ziehen wird. Dass sich die russisch-japanischen Beziehungen jedoch in einer Sackgasse befinden, ist völlig offensichtlich, und wir sehen keine besonderen Auswege daraus.”

Nach Einschätzung des Militärkorrespondenten Alexander Koz habe der Territorialstreit keine Perspektive. Es gebe “von Japan geleistete Unterschriften und eine Kampagne, die Tokio begann, als diese zum Problem wurden”.

Der Militärkorrespondent betont:

“Die Kurilen gehören zu Russland. Nicht kraft des Rechts des Stärkeren, sondern aufgrund der Unterschrift, die Tokio einst eigenhändig gesetzt hat. Ein Dialog ist möglich, doch er beginnt genau mit der Anerkennung dieser Tatsache – und keine Sekunde früher.”

Allerdings hat Putins Besuch auf Iturup nicht nur eine außenpolitische Dimension. Danilin merkt an, dass diese Arbeitsreise darauf abzielt, zu demonstrieren, dass Russland die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur der Kurilen aktiv ausbaut. Er ist der Ansicht:

“Putins Besuch sollte auch als Bestätigung dafür betrachtet werden, dass selbst unter den Bedingungen der militärischen Sonderoperation der Staat die Menschen nicht vergisst und an der Lösung der für sie wichtigen Fragen arbeitet.”

Danilin erklärt:

“Das zeigt sich daran, dass auf den Kurilen aktiv soziale Einrichtungen, ein neues Polizeigebäude und ein Kindergarten errichtet werden. Die regionalen Behörden widmen Personalfragen und der Gestaltung des öffentlichen Raums große Aufmerksamkeit. Investoren setzen im Rahmen der auf den Inseln geltenden Präferenzregelung Dutzende Projekte um.”

Besonderes Augenmerk legt der Politologe auf die Inbetriebnahme des ersten Solarkraftwerks auf Iturup:

“Das Projekt verringert die Abhängigkeit von angeliefertem Dieselkraftstoff und spart Haushaltsmittel. Zudem demonstriert es den Modernisierungsprozess der Infrastruktur der Inseln sowie den Übergang zu einem neuen technologischen Niveau.”

Darüber hinaus verliere der russische Staatschef auch die Herausforderungen für die Sicherheit Russlands nicht aus den Augen, fährt der Experte fort. Er fasst zusammen:

“Als Reaktion auf die Versuche der NATO, ihre Präsenz im Fernen Osten auszubauen, stärkt Putin die Pazifikflotte. Und in diesem Sinne kommt uns die Erfahrung aus der militärischen Sonderoperation in der Ukraine zugute. Sie ermöglicht es, bereits erprobte fortschrittliche Verfahren und modernste Technologien einzuführen. Der Präsident richtet Militärangehörige, Seeleute und Grenzschützer auf den Schutz der Grenzen aus. Zwar ist die Lage derzeit an den westlichen Grenzen am angespanntesten, doch auch im Osten darf die Wachsamkeit nicht nachlassen.”

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 13. August 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Oleg Issaitschenko ist ein Analyst bei der Zeitung “Wsgljad”.

Mehr zum Thema ‒ Putin entdeckt für sich fernöstliche Insel Iturup: Japan erhebt entschiedenen Protest



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Tags: AnsageklareKurilenBesuchPutinsTokio
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