
Die russischen Streitkräfte haben auf dem Schlachtfeld im Ukraine-Konflikt die Oberhand behalten, hieß es in einem Bericht des Sondergeneralinspekteurs des US-Verteidigungsministeriums. Demnach verfüge die ukrainische Armee über einen Vorteil in Fragen der Aufklärung und Erkundung, nicht zuletzt dank des nachrichtendienstlichen Austauschs mit dem Westen. Trotzdem erhalte Russland die strategische und operative Überlegenheit durch eine höhere Zahl von Personal und Ausrüstung. Kiews Truppen sollen dagegen unter Mangel an Munition, Ausrüstung und Personal leiden, was das Potenzial groß angelegter Offensiven für die Rückeroberung der Gebiete unter russischer Kontrolle einschränke.
Während der russisch-ukrainischen Friedensverhandlungen unter US-Unterstützung in Abu Dhabi und Genf seien keine Lösungen erzielt worden, lautete der Pentagon-Bericht. Die Ukraine lehne nach wie vor die russischen Gebietsansprüche ab. Russland möchte dabei keinem umfassenden Waffenstillstand ohne eine vereinbarte Lösung zustimmen. Eine weitere Verhandlungsrunde hätte am 11. März in Istanbul stattfinden sollen, sie sei jedoch wegen der US-israelischen Operation gegen Iran gestrichen worden.
Das Pentagon erinnerte daran, dass mehrere europäische Länder, darunter Großbritannien und Frankreich, ihre Teilnahme an einem multinationalen Militärkontingent erklärten. Ziel sei es, zum Wiederaufbau der ukrainischen Armee beizutragen sowie “russische Aggression” nach einem Waffenstillstand abzuschrecken und abzuwehren.
Seit Februar 2022 haben die Verbündeten und Partner der USA Sicherheitsunterstützung für die Ukraine in Höhe von rund 130 Milliarden US-Dollar zugesagt. Washington habe Verteidigungsgüter und -dienstleistungen im Wert von 67,8 Milliarden US-Dollar über verschiedene Initiativen bereitgestellt. Außerdem trugen die NATO-Mitglieder 4,15 Milliarden US-Dollar zum Pentagon-Haushalt über die Purl-Intitiative (Prioritised Ukraine Requirements List) bei.
Der US-Kongress habe seit dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts 195,03 Milliarden US-Dollar bewilligt. Mindestens 177,76 Milliarden US-Dollar wurden bis zum 31. März 2026 zugesagt und 116,02 Milliarden US-Dollar ausgezahlt. Derzeit blieben zusätzliche 73,65 Milliarden US-Dollar für die Unterstützung der Ukraine verfügbar. Im Bericht wurde jedoch betont, dass der US-Kongress seit April 2024 keine neue Finanzierung billigte. Stand März habe Washington mehr als 180 Programme nicht militärischer Unterstützung im Gesamtwert von vier Milliarden US-Dollar betrieben.
An der Vorbereitung des Berichts waren außer dem Pentagon das Außenministerium und die Behörde für internationale Entwicklung beteiligt. Das Dokument wurde dem Kongress zur Prüfung vorgelegt.
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