
Indonesien hat die erste Lieferung russischen Rohöls seit dem Abschluss eines Abkommens mit Moskau im April erhalten. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf Zolldaten.
Demnach erreichten am 29. Juni rund 770.000 Barrel russisches Rohöl im Wert von rund 75 Millionen US-Dollar den Hafen Balikpapan in der indonesischen Provinz Kalimantan Timur (Ost-Kalimantan). Laut den von Bloomberg ausgewerteten Zolldaten wurde das Öl aus dem russischen Hafen Kosmino im Fernen Osten vom Tanker Sierra transportiert.
Bloomberg zufolge handelte es sich um die erste Lieferung im Rahmen der im April geschlossenen Vereinbarung. Zwar hätte Indonesien bereits zuvor russisches Rohöl importiert, diese Lieferungen seien jedoch unregelmäßig erfolgt.
Als ungewöhnlich bezeichnet Bloomberg den Käufer der Lieferung. Statt des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PT Pertamina, der üblicherweise für Energieimporte zuständig ist, wurde das Rohöl von der staatlichen Organisation Lemigas erworben, deren Hauptaufgabe Prüfung und Analyse von Kraftstoffen ist.
Indonesien zählt zu den größten Ölimporteuren Asiens. Nach Beginn des Krieges in Iran und den Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus sind die Kosten für den Import von Kraftstoffen erheblich gestiegen. Dies führte dazu, dass die indonesische Währung Rupiah im vergangenen Monat gegenüber dem US-Dollar auf ein Rekordtief fiel. Zudem lösten steigende Benzin- und Dieselpreise im Inland Proteste aus, berichtet Bloomberg.
Bereits im März hatte der indonesische Minister für Energie und Bodenschätze Bahlil Lahadalia erklärt, Jakarta prüfe angesichts der durch Störungen in der Straße von Hormus ausgelösten Energiekrise den Kauf russischen Rohöls. Mitte April besuchte der Präsident Indonesiens Prabowo Subianto Moskau und führte Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Im Anschluss erklärte der indonesische Energieminister, Russland habe sich bereit erklärt, Indonesien mit Rohöl und Flüssigerdgas (LNG) zu beliefern.
Später teilte der Sondergesandte des indonesischen Präsidenten für Energie- und Umweltfragen Hashim Djojohadikusumo mit, Russland habe sich bereit erklärt, Indonesien bis zu 150 Millionen Barrel Rohöl zu liefern. Seinen Angaben zufolge wurden zunächst 100 Millionen Barrel zu einem Sonderpreis vereinbart, mit der Option, das Volumen um weitere 50 Millionen Barrel zu erhöhen.
Im Juni änderten die indonesischen Behörden die Vorschriften für den Import russischen Rohöls. Neben dem staatlichen Ölkonzern PT Pertamina erhielt auch das staatliche Forschungszentrum Lemigas das Recht, Rohöl zu erwerben. Der Energieminister begründete den Schritt mit der Notwendigkeit, die Lieferungen zu vereinfachen und die Zahl der Zwischenhändler bei der Umsetzung der während des Präsidentenbesuchs in Russland getroffenen Vereinbarungen zu reduzieren.
Lahadalia betonte zudem, Indonesien sei nicht verpflichtet, die Sanktionen der Europäischen Union, der USA und Großbritanniens gegen russisches Rohöl einzuhalten, sofern das Land dabei keine westliche Transport-, Versicherungs- oder Finanzinfrastruktur nutzt.
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