
Die Spitzenkandidaten der Parteien in Sachsen-Anhalt präsentierten sich am gestrigen Abend in der “MDR-Wahlarena”. Das Sendekonzept sah vor, dass zuerst der CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze und sein umfragestärkster Konkurrent Ulrich Siegmund von der AfD zu einem Duell aufeinandertrafen, und danach dann die weiteren Spitzenkandidaten dazugeladen wurden. Der amtierende Ministerpräsident zeigte sich nach Ende des “teils ruppigen” Austausches mehr als zufrieden. Ein Großteil der medialen Kommentare bestätigte am Tag danach, dass Sven Schulze sich im Rededuell “stärker als erwartet” präsentiert habe.
Die Spitzenpolitiker von CDU, AfD, der Linken, SPD, den Grünen, BSW und FDP fanden sich auf Einladung des Senders MDR in der Sendung “Fakt Ist!” zusammen, um erwartbar kontrovers zu den Themen Migration, Wirtschaft, Sicherheit und Bildung zu diskutieren.
Hinsichtlich des einleitenden Rededuells der beiden Kandidaten der in den Umfragen führenden Parteien AfD und CDU, kommentierte die Spiegel-Redaktion, dass bei dem TV-Duell Schulze und Siegmund “beide überraschend die Rollen tauschten”, da der CDU-Ministerpräsident auf den Marktplätzen im Wahlkampf “oft blass” wirke, der “AfD-Gegner Ulrich Siegmund hingegen charmant”. Die Kritik lautet, dass der AfD-Politiker in der Sendung “fast immer mit Allgemeinplätzen antwortete” und zudem inhaltlich “auswich”.
Auch der Welt-Kommunikationsexperte und frühere Regierungssprecher Bela Anda erkannte für sich, dass “Schulze dieses TV-Duell klar gewonnen” habe.
Siegmund attackierte dabei den CDU-Kontrahenten mit dem Vorwurf,dasss seine Partei “seit 24 Jahren in Sachsen-Anhalt regiert und es nicht hinbekommen hat, dass die Kita kostenlos ist”. Der AfD-Politiker erklärte mit Blick auf die angekündigten Pläne und die Umfragewerte: “Wir sind auf dem richtigen Weg”.
Schulze warf der AfD vor, den Bürgern falsche Versprechungen zu machen. Der Spitzenkandidat “schafft ein Gefühl, er sagt, alles ist möglich”, so der Regierungschef über Siegmund. Das sei eine Aussage, “die würde ich nie auf meine Plakate schreiben, weil: Es ist nicht alles möglich”. Man müsse daher laut Schulze “realistisch mit den Menschen sprechen”.
Angesprochen auf die jüngste Weidel-Aussage im ZDF-Sommerinterview, führte Siegmund aus, dass er den CDU-Kontrahenten nur “politisch” argumentierend als “Flachzange” bezeichnen würde, den Begriff jedoch nicht menschlich verstanden wissen wollte, da er auch mit ihm “einen Kaffee trinken gehen” würde.
Im Gespräch mit Welt-TV erklärte Schulze zu seiner Wahrnehmung des Sendeverlaufs:
“Ich war insgesamt sehr zufrieden mit diesem Fernsehduell, weil ich zeigen konnte, wenn es um Inhalte geht, dann ist die AfD schwach auf der Brust. Und es ging gestern um Inhalte.”
Der laut Mainstreammedien “unterlegene” Siegmund gab zusammenfassend unmittelbar nach Aufzeichnung der Sendung gegenüber dem Magazin Compact zu Protokoll:
“Es war für mich genau wie erwartet … also, alle arbeiten sich wie immer in der AfD ab, haben wenige eigene Ideen, einige Positionen. Keiner will es gewesen sein, was hier aktuell politisch passiert. Also, es ist immer das Gleiche. Ich weiß jetzt nicht, ob es da einen Erkenntnisgewinn für die Zuschauer gab.”
Eine halbe Stunde nach Sendungsbeginn stießen die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der übrigen Parteien zur Runde. Die politische Konkurrenz von AfD und CDU fand zu ihren getätigten Aussagen wenig bis gar keine mediale Aufmerksamkeit, ausgenommen die Spitzenkandidatin der Grünen, Susan Sziborra-Seidlitz, die Siegmund vorwarf, den Bürgern gegenüber das Thema Migration und (Un-)Sicherheit vollkommen falsch darzustellen. So erklärte sie wörtlich:
“Wir haben zum Beispiel beim Oktoberfest in München seit Jahrzehnten solche Sicherheitsmaßnahmen wegen eines rechtsextremen Anschlages. Es ist ein Problem von Sicherheit und nicht ein Problem von Migration. Hören Sie doch mal auf, dafür Menschengruppen verantwortlich zu machen.”
Beim Thema Migration forderte Siegmund eine “Negativmigration”. Menschen, “die sich nicht benehmen”, sollten daher das Land zukünftig verlassen. Sven Schulze wiederum verwies darauf, dass in jedem vierten Unternehmen in Sachsen-Anhalt ein Mensch mit Migrationshintergrund arbeite. Wer sage, kulturfremde Menschen seien nicht willkommen, “der versündigt sich am Ende auch an unserem Bundesland”, so der Vorwurf an den AfD-Kontrahenten.
Beim Thema Fachkräftemangel setzte Siegmund nicht primär auf Einwanderung, sondern unter anderem wörtlich “auf die Rückkehr ausgewanderter Deutscher”.
Aus Sicht des Politikwissenschaftlers Benjamin Höhne von der TU Chemnitz hat es beim Aufeinandertreffen der beiden Politiker “keinen eindeutigen Gewinner gegeben”.
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