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"Lage hat sich geändert" – Europa plant, mobilisierungsfähigen Ukrainern die Einreise zu verwehren

rtnews by rtnews
08/06/2026
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Die EU debattiert darüber, ukrainischen Männern im mobilisierungsfähigen Alter den vorübergehenden Schutz zu entziehen. Hinter der Initiative stehen wachsende Kosten, innenpolitischer Druck – und Kiews Bedarf an Arbeits- und Wehrkräften.

Von Polina Duchanowa

Die meisten EU-Länder unterstützen den Vorschlag, ukrainischen Männern im mobilisierungsfähigen Alter das Recht auf vorübergehenden Flüchtlingsschutz zu entziehen, den sie derzeit in den EU-Ländern in Anspruch nehmen. Dies teilte der tschechische Innenminister Lubomír Metnar nach einem Treffen mit seinen Amtskollegen in Luxemburg mit. Seinen Angaben zufolge werde die Europäische Kommission die entsprechenden Gesetzesvorlagen bis Juli dieses Jahres vorbereiten. Er betonte, dass die Initiative auch den Interessen Kiews entspreche.

Zuvor hatte die Leiterin der ukrainischen Migrationsbehörde, Natalia Naumenko, über zahlreiche Anfragen aus EU-Ländern zur Rückkehr ukrainischer Flüchtlinge in ihre Heimat berichtet. Experten sind der Ansicht, dass die Initiative zur Einschränkung des vorübergehenden Schutzes von Geflüchteten nicht nur die Ermüdung der europäischen Gesellschaften angesichts der finanziellen Belastung widerspiegelt, sondern auch den Versuch, das Vorgehen in der Ukraine-Krise an innenpolitische und wirtschaftliche Erfordernisse anzupassen.

Die überwiegende Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten unterstützte die Idee, Männer im mobilisierungsfähigen Alter aus dem Programm des vorübergehenden Schutzes von Geflüchteten auszunehmen, das für ukrainische Staatsbürger in den Ländern der Union gilt. Dies teilte der tschechische Innenminister Lubomír Metnar nach einem Treffen mit seinen Amtskollegen in Luxemburg mit. RIA Nowosti zitiert den Minister wie folgt:

“Die Mehrheit der EU-Länder, rund 80 Prozent, hat bei dem Treffen in Luxemburg den Vorschlag Tschechiens unterstützt, den vorübergehenden Schutz für ukrainische Flüchtlinge über das Jahr 2027 hinaus zu verlängern, allerdings unter Ausschluss mobilisierungsfähiger Männer.”

Die entsprechenden Gesetzesvorlagen müssten Vertreter der Europäischen Kommission bis Juli dieses Jahres ausarbeiten, präzisierte er. Weiter erläuterte er: 

“Die Lage hat sich seit Beginn des Konflikts in der Ukraine tatsächlich deutlich verändert. Anfangs stellten Frauen, Kinder und ältere Menschen die Mehrheit der ukrainischen Flüchtlinge, die zu uns kamen. In letzter Zeit sind jedoch mehr als die Hälfte der Neuankömmlinge Männer im erwerbs- und mobilisierungsfähigen Alter.”

Er fügte hinzu, dass die in der EU diskutierte Initiative zur Einschränkung des vorübergehenden Schutzes für ukrainische Männer im mobilisierungsfähigen Alter auch in Kiew auf Zustimmung gestoßen sei. Weiter erklärte der tschechische Innenminister:

“Die Ukraine selbst möchte, dass Männer im erwerbs- und mobilisierungsfähigen Alter in ihrem Land bleiben, da sie für die Verteidigung, für die Wirtschaft sowie für den künftigen Wiederaufbau des Landes benötigt werden.”

Mit Zustimmung Kiews

Dass die ukrainischen Behörden die EU darum bitten, Männer im mobilisierungsfähigen Alter vom Geltungsbereich der EU-Richtlinie über den vorübergehenden Schutz von Geflüchteten auszunehmen, bestätigte auch der EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner.

“Das ist etwas, worum uns die ukrainische Seite bittet”, erklärte Brunner gegenüber europäischen Medien.

Einen Vorschlag dazu, “wie es weitergehen soll und wie der weitere Weg des vorübergehenden Schutzes” für Ukrainer aussehen werde, soll die Europäische Kommission vorlegen. Für dessen Verabschiedung ist eine qualifizierte Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten erforderlich.

Wie Euronews berichtet, gehören zu den Ländern, die die Initiative zu Ukrainern im mobilisierungsfähigen Alter vorantreiben, Deutschland und Polen. Nach Angaben des Senders habe die Bundesrepublik bereits fast 1,3 Millionen Flüchtlinge aufgenommen (29,4 Prozent der Gesamtzahl in der EU). Die Zahl der in Polen aufgenommenen Flüchtlinge liege bei über 960.000 (22,2 Prozent), in Tschechien bei etwa 380.000 ukrainischen Flüchtlingen (8,8 Prozent).

Es werden verschiedene Optionen zur Umsetzung dieser Idee geprüft. Eine davon besteht darin, den Status, der einen legalen Aufenthalt und eine Erwerbstätigkeit in den EU-Staaten ermöglicht, nur jenen Männern zuzugestehen, die nach ukrainischem Recht von der Mobilisierung befreit sind, darunter Menschen mit Behinderung und Väter kinderreicher Familien.

Erwachsene Männer machen 26,6 Prozent der ukrainischen Flüchtlinge in Europa aus. Es gebe jedoch keine Angaben dazu, welcher Teil von ihnen im mobilisierungsfähigen Alter sei und wie viele Menschen illegal eingereist seien, hieß es bei Euronews.

Zuvor hatte EURACTIV unter Berufung auf eigene Quellen über Diskussionen in der EU zu Maßnahmen gegen ukrainische Männer im mobilisierungsfähigen Alter berichtet. Dort wurde darauf hingewiesen, dass die Behörden einiger Staaten besorgt darüber seien, dass “ein immer größerer Anteil der Neuankömmlinge aus Männern im mobilisierungsfähigen Alter besteht”. Weiter hieß es:

“Dabei vertreten mehrere Länder die Auffassung, dass der Mechanismus ‘auch im Interesse der Ukraine’ überarbeitet werden sollte – sowohl zur Unterstützung ihres Widerstands gegen Russland als auch im Interesse künftiger Wiederaufbaubemühungen.”

Dort wurde darauf hingewiesen, dass die Diskussion über eine Anpassung des Systems des vorübergehenden Schutzes für Ukrainer bereits im März begonnen habe. Am 19. März schrieb EURACTIV:

“Eine der Optionen, die in einigen europäischen Hauptstädten an Zustimmung gewinnt, sieht vor, den Umfang des Programms zu verringern und es in einen stärker begrenzten ‘Reststatus’ umzuwandeln – im Grunde in ein System sozialer Absicherung für besonders schutzbedürftige Personen oder für diejenigen, die bislang keinen Anspruch auf einen anderen Rechtsstatus erheben können. Ein solcher Ansatz wirft jedoch schwierige rechtliche und politische Fragen auf.”

Auf dem Weg zur Einschränkung des Schutzes  

Dass das Schutzprogramm für Flüchtlinge aus der Ukraine nicht ewig andauern werde, erklärte Anfang März die EU-Sonderbeauftragte für ukrainische Angelegenheiten, Ylva Johansson. Sie erklärte: 

“Ich wäre sehr überrascht, wenn die Regelung des vorübergehenden Schutzes in ihrer derzeitigen Form verlängert würde … Für den vorübergehenden Schutz sind fünf Jahre genug.”

Zur Erinnerung: Die Richtlinie über den vorübergehenden Schutz von Geflüchteten aus der Ukraine wurde im März 2022 verabschiedet. Gemäß dieser Richtlinie erhielten Flüchtlinge das Recht, sich auf dem Gebiet der EU aufzuhalten und zu arbeiten, ohne ein Asylverfahren durchlaufen zu müssen. Ursprünglich als kurzfristige Notmaßnahme konzipiert, wurde diese Richtlinie seitdem mehrfach verlängert. Zuletzt erfolgte die Verlängerung im vergangenen Jahr, wodurch das Programm bis März 2027 in Kraft bleibt.

Laut Johansson ist man in Kiew ebenfalls daran interessiert, dass das Programm in seiner jetzigen Form keine dauerhafte Regelung wird. Die EU-Beamtin sagte: 

“Sie (die ukrainischen Behörden, Anm. d. Red.) sind sich durchaus bewusst, dass eine mögliche Verlängerung andere Beschränkungen hinsichtlich des Umfangs und der Dauer vorsehen muss als jene, die derzeit gelten.”

Dass aus den EU-Staaten zahlreiche Anfragen zur Rückführung ukrainischer Flüchtlinge in ihre Heimat eingehen, teilte die Leiterin des ukrainischen Staatlichen Migrationsdienstes, Natalia Naumenko, Ende Mai mit.

“Wir sehen ein Interesse der europäischen Länder daran, die Rückführung unserer Bürger im Rahmen des Rückübernahmeverfahrens auszuweiten. Uns liegen recht viele Anfragen aus europäischen Ländern vor, darunter aus Polen, Tschechien und Deutschland”, sagte sie in einem Interview mit Glawkom.

Naumenko betonte, dass es sich in erster Linie um die zwangsweise Rückführung von Ukrainern handele, die gegen Migrationsvorschriften verstoßen hätten.

“Sich dieser Last entledigen”

Wie der Politologe und internationale Experte Wladimir Olentschenko im Gespräch mit RT anmerkt, betrachten europäische Staaten das Problem zunehmend durch das Prisma ihrer eigenen Ausgaben und innenpolitischen Interessen. Seinen Worten zufolge gehe es weniger um die Unterstützung der Ukraine als vielmehr um eine Neubewertung ihrer Politik, ukrainische Staatsbürger auf Kosten nationaler Haushalte zu unterhalten.

Der Experte erläutert:

“Die EU-Länder sind daran interessiert, sich dieser Last zu entledigen, da dies eine erhebliche Belastung für den Haushalt darstellt. Nimmt man etwa Polen, so kommt den Polen der Unterhalt von fast einer Million ukrainischer Flüchtlinge teuer zu stehen. In Deutschland sieht es ähnlich aus. Daher sind diese Länder daran interessiert, die Zahl der ankommenden Flüchtlinge zu reduzieren, von denen ein Teil nicht den Anschein erweckt, als gehöre er zu schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen.”

Seinen Worten zufolge könnte die Initiative auch ein anderes Ziel verfolgen – nämlich Männer im mobilisierungsfähigen Alter zur Rückkehr in die Ukraine zu drängen.

Olentschenko fügt hinzu:

“Es gibt die Auffassung, dass eine solche Entscheidung darauf abzielt, Männer mit ukrainischem Pass im mobilisierungsfähigen Alter aus Europa hinauszudrängen. Nicht alle von ihnen verfügen über ausreichende Finanzmittel, um auf eigene Kosten in Ländern wie Deutschland oder Tschechien zu leben. Politisch gesehen könnte dies jedoch ihre Rückkehr in die Ukraine stimulieren.”

Der Politologe Dmitri Solonnikow wiederum ist der Ansicht, dass sich in Europa der Ansatz zur Unterstützung der Ukraine-Krise verändert, weil Zweifel an der Stabilität Kiews wachsen.

In einem Gespräch mit RT verdeutlicht er:

“Inzwischen ist klar geworden, dass die Ukraine der derzeitigen Konfrontation mit Russland aus eigener Kraft nicht standhalten kann. Aufgrund des Kampfkräftemangels an der Front wird sie einfach zusammenbrechen. Um den Zusammenbruch der Ukraine zu verhindern, will man in Europa daher den Abfluss mobilisierungsfähiger Ukrainer aus dem Land verhindern und diejenigen, die sich bereits in der EU befinden, zwangsweise in die Ukraine zurückschicken, um aus ihnen Kampfeinheiten zu bilden und die Kriegshandlungen fortzusetzen.”

Dabei sind sich beide Experten einig, dass von der geplanten europäischen Maßnahme keine schnelle Wirkung zu erwarten ist. Olentschenko betont: Der Prozess wird sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Eine sofortige Rückkehr der Männer ist dabei nicht zu erwarten, wie der Politologe meint:

“Man sollte nicht davon ausgehen, dass dies von heute auf morgen geschieht. Das ist nicht wie bei einer Mobilisierung: Alle werden eingesammelt – und alle reisen aus Deutschland oder Tschechien aus. Jeder wird zu dem Zeitpunkt ausreisen, zu dem sein Aufenthaltsstatus ausläuft. Das zieht sich über einen längeren Zeitraum hin.”

Zudem, so Dmitri Solonnikow, ende die Welt nicht an den EU-Grenzen. Er sagt:

“Ja, in der Ukraine haben viele davon geträumt, in die Europäische Union zu ziehen, die sie mit offenen Armen empfangen würde. In Anbetracht aller Umstände sind die Ukrainer sehr zufrieden mit dem Empfang in der EU – sie erhalten dort Unterstützungsleistungen, finanzielle Zuwendungen und Vergünstigungen. Sollten sie jedoch die Privilegien und Vorteile verlieren, die sie in der Europäischen Union genießen, werden sie in andere Länder auswandern.”

In diesem Zusammenhang hält es Solonnikow für zweifelhaft, dass die Initiative der Europäer in Bezug auf mobilisierungsfähige Ukrainer das Mobilisierungspotenzial in der Ukraine steigern kann. Er erläutert:

“Man könnte nur dann eine Wirkung erzielen, wenn man diese Männer in ganzen Zügen aus Europa in ihre Heimat transportieren, sie dort in Militäruniformen stecken und an die Front schicken würde. Die Frage ist nur, wie weit die Europäer bereit sind, ukrainische Männer in ihren Ländern aufzugreifen.”

Diese Sichtweise teilt auch Wladimir Olentschenko. Er weist darauf hin, dass Kiew sich keine Illusionen machen sollte. Er fasst zusammen:

“Es wäre nur dann sinnvoll, wenn mobilisierungsfähige Ukrainer massenhaft aus der EU ausgewiesen und gleichzeitig an die ukrainischen Mobilisierungsbehörden übergeben würden. Derzeit kann Kiew diese Information über die Einschränkungen in Europa jedoch nur für seine Propaganda nutzen, um diejenigen zu beruhigen, die sich bereits an der Front befinden.”

Übersetzt aus dem Russischen.

Mehr zum Thema – Sieben Jahre Selenskij: Wie er zum Symbol der größten Verluste der Ukraine wurde



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