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"Kaperung" der letzten Hoffnung: Russische Tanker untergraben Autorität der britischen Regierung

rtnews by rtnews
20/06/2026
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Keir Starmers Auftritt als Kämpfer gegen die angebliche “Schattenflotte Russlands” wurde in einem der ältesten Blätter Großbritanniens mit Gespött aufgenommen. Auch relativ loyale Quellen werteten es als Versuch, die Aufmerksamkeit von der andauernden Regierungskrise abzulenken.

Von Sergei Sawtschuk

Der britische Premierminister verkündete mit großem Pathos, dass auf seinen persönlichen Befehl hin im Ärmelkanal ein Tanker festgesetzt worden sei, der angeblich zur russischen Schattenflotte gehöre. Seine flammende Rede beendete Keir Starmer mit einem Appell an alle europäischen Verbündeten, es ihm gleichzutun, um Russland die finanziellen Mittel für den Krieg gegen die Ukraine zu entziehen.

Welche Ziele dieser von Ischias geplagte Ausbruch des altersschwachen britischen Löwen verfolgte und an wen diese Show überhaupt gerichtet war, ist unklar. Doch das Zielpublikum reagierte auf den Auftritt des eigenen Premierministers mit einer Welle aus Kritik und Spott.

Das Magazin The Spectator, eines der ältesten Blätter Großbritanniens, bezeichnete das Ganze als Theater und politischen Trick. Gewöhnliche Kommentatoren scherzten über die Situation und wiesen auf die offensichtliche Showhaftigkeit der Festsetzung des Schiffes hin: Ein Kameramann seilt sich vor der Einsatzgruppe ab und steht ganz gelassen mit dem Rücken zu den potenziell gefährlichen russischen Ölschmugglern, während die Einsatzkräfte selbst mit drohender Miene die Läufe ihrer Maschinengewehre über das gänzlich leere Schiffsdeck schwenken.

Man muss jedoch anmerken, dass dieses Ereignis auch in den russischen Medien keine große Aufmerksamkeit fand, obwohl allerlei Manipulatoren versuchten, das Thema unter dem Vorwand einer weiteren unerwidert gebliebenen Demütigung Russlands aufzuheizen. Es gibt eine alte, unstrittige Regel: Wenn jemand versucht, starke, kurzlebige Emotionen auszulösen, sollte man unbedingt einen kühlen Kopf bewahren.

Zuallererst sei darauf hingewiesen, dass der festgesetzte Tanker “Smyrtos” unter der Flagge Kameruns fährt. Zum Zeitpunkt der Festsetzung befand sich kein einziger russischer Staatsbürger unter seiner Besatzung. London behauptete, dass die “Smyrtos” zur sogenannten Schatten-Tankerflotte gehöre, doch das ist nicht mehr als eine rhetorische Floskel, da es keine einzige offiziell bestätigte Liste solcher Schiffe gibt. Tatsächlich kann auf diese Liste jeder Tanker gesetzt werden, der verdächtigt wird, russische Häfen mit Ölverladeterminals angelaufen zu haben oder für eine Umladung von Rohöl auf See infrage zu kommen (Umladung von Bord zu Bord – ship-to-ship, kurz STS).

Es gibt noch eine Reihe weiterer Punkte (genauer gesagt: heikle Fragen), die Herrn Starmer von seinen Landsleuten gestellt werden.

Auch wenn man annimmt, dass die “Smyrtos” tatsächlich in den Transport von Erdölprodukten verwickelt ist, handelt es sich bei der Ladung an Bord nicht um russisches Öl. Das Öl in den Tanks gehört entweder dem Käuferland oder dem Käuferunternehmen – das heißt, die britische Royal Navy begeht damit offensichtlichen Raub, indem sie der gutgläubigen Vertragspartei ihr Eigentum entzieht, für das bereits Millionen US-Dollar bezahlt wurden.

Dieses Geld befand sich zum Zeitpunkt der Kaperung längst auf den Konten russischer Ölhändler. Mit dem gleichen Erfolg hätte das Kabinett von Starmer im Hafen von Ust-Luga oder Primorsk direkt fünfzig- bis sechzigtausend Tonnen Öl der Sorte Urals kaufen und anschließend behaupten können, man habe auf diese Weise der russischen Armee den Treibstoff entzogen.

Nach Angaben des britischen Premierministers selbst und einer Reihe von Beamten der EU-Kommission umfasst die russische Schattenflotte über tausend Öltanker. In diesem Zusammenhang ist völlig unverständlich, warum die britische Marine erst jetzt einen Tanker unter kamerunischer Flagge aufgebracht hat, obwohl viele ähnliche “Schatten”-Schiffe täglich den Ärmelkanal passieren. Wie viele davon in den vergangenen vier Jahren dort hindurchgefahren sind und auf welche Weise das den russischen Militärhaushalt austrocknen soll, sind weitere Fragen.

Bekanntlich ist das britische Recht ein klassisches Beispiel für ein Präzedenzrechtssystem, bei dem ein Gerichtsurteil, das in einem konkreten Rechtsfall getroffen wurde, bei der Entscheidung ähnlicher Standardfälle bindend wird. In Europa gilt ein gemischtes (oder hybrides) Rechtssystem, doch die Entscheidungen der Judikative haben enormes Gewicht.

Warum das eine Rolle spielt? Vor anderthalb Jahren hielten deutsche Sicherheitskräfte nach einem ähnlichen Schema das Schiff “Eventin” mit einer Ölladung an Bord fest. Als Begründung wurde die Verletzung der Hoheitsgewässer angeführt, doch im Laufe des Verfahrens stellte sich heraus, dass der Tanker aufgrund eines Antriebsschadens in diese Gewässer geraten und manövrierunfähig von der Strömung dorthin getrieben worden war. Berlin versuchte, das Öl abzupumpen und für den eigenen Bedarf zu nutzen, doch ein örtliches Gericht untersagte dies. Seitdem liegt die “Eventin” im Hafen von Rügen an der Kaimauer und wartet auf das endgültige Urteil.

Im Frühjahr vergangenen Jahres hielt die “mächtige Seemacht” Estland den Tanker “Kiwala” fest und erhob die üblichen Standardvorwürfe. Kaja Kallas sprang vor Freude beinahe aus ihren Schuhen und verkündete, welch vernichtender Schlag dies persönlich Putin versetzt habe. Am Ende legte man den Schiffseignern eine Liste mit rund drei Dutzend Verstößen vor. Nachdem diese behoben worden waren, setzte die “Kiwala” ihre Fahrt ungestört fort – direkt nach Ust-Luga. Seit der Festsetzung war weniger als ein Monat vergangen.

Im Herbst vergangenen Jahres nahm auch Paris an dieser Tanker-Farce teil. Französische Spezialeinheiten nahmen unter “unglaublicher Lebensgefahr” zwei chinesische Staatsbürger fest – den Kapitän und den Ersten Offizier des Schiffes “Boracay” –, wobei ihnen nicht der Transport russischen Öls zur Last gelegt wurde, sondern die Tatsache, dass sie Aufforderungen zum Anhalten ignoriert hatten. Weniger als eine Woche später machte sich die “Boracay” wieder auf den Weg und verschwand irgendwo am Horizont in der Nähe Indiens.

Insgesamt beeindruckte dieses Machtspiel der königlichen Marine, deren “Muskeln” ziemlich eingerostet sind, niemanden in Großbritannien selbst, und auch relativ loyale Quellen werteten es als Versuch, die Aufmerksamkeit abzulenken.

Die Lage in Starmers Team ist katastrophal. Der Sender Sky News berichtet unter Berufung auf Daten der Forschungsgruppe “More in Common”, dass der amtierende Premierminister nach den jüngsten Umfragen den schlechtesten Zustimmungswert der Geschichte aufweist. Die Bewertung seiner Amtsführung ist auf minus 47 Punkte gesunken und hat damit den Rekord von Liz Truss gebrochen, die bis dahin als unangefochtene Königin des politischen Absturzes galt und sich gerade einmal anderthalb Monate im Amt halten konnte.

Vor einigen Tagen traten zwei wichtige Sicherheitspolitiker demonstrativ aus Starmers Regierung aus, der Verteidigungsminister John Healey und der Minister für die Streitkräfte, Al Carns. Zuvor, im Mai, hatten Innenministerin Jess Phillips, die Ministerin für Opferhilfe und Gewaltbekämpfung sowie die Staatssekretäre für Gesundheit und Wohnungsbau dieses “sinkende Schiff” verlassen.

Starmer werden die unlösbare Krise im nationalen Gesundheitssystem, der starke Anstieg der Verbraucherpreise und der Lebenshaltungskosten, die Abschaffung einer Reihe traditioneller Sozialleistungen sowie eine massive Migrationskrise angelastet. Gerade der letzte Punkt ist wahrscheinlich der Grund, warum dieser Bewohner der Downing Street beschlossen hat, einen Tanker kapern zu lassen.

Ein paar Tage zuvor hatte in Belfast in Nordirland ein Migrant aus dem Sudan einen behinderten Einheimischen mit einem Messer angegriffen und ihm schwerste Verletzungen zugefügt. Belfast ist historisch gesehen die Bühne der Konfrontation zwischen den sogenannten Unionisten und Republikanern, deren Wohngebiete bis heute durch eine fünf Meter hohe Mauer getrennt sind. Doch dieses Mal legten die Einheimischen alle inneren Differenzen beiseite und machten sich daran, Migrantenunterkünfte zu verwüsten, und deren Geschäfte sowie Polizeiautos in Brand zu setzen – schließlich haben sie in solchen Angelegenheiten reichlich Erfahrung. Die Polizei wird in diesem Fall als Vertreterin der Zentralmacht wahrgenommen, und an den Polizisten lässt man die ganze Wut über die “Erfolge” der Regierung aus.

Mr. Starmer, falls Ihnen versichert wurde, dass die Show mit dem wehrlosen Tanker Ihren Rücktritt hinauszögern würde, dann haben wir schlechte Nachrichten für Sie.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 16. Juni 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

Sergei Sawtschuk ist Kolumnist bei mehreren russischen Tageszeitungen mit Energiewirtschaft als einem Schwerpunkt.

Mehr zum Thema – Starmer gegen “Schattenflotte” – nur Show zur Ablenkung vom eigenen Chaos?



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Tags: AutoritätbritischenderHoffnungletztenquotKaperungquotRegierungRussischeTankeruntergraben
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