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Gut dressiert: Des Westens baltische Schoßhündchen knurren – doch sie hören auf Moskau

rtnews by rtnews
30/05/2026
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Die Beobachtung von vor einem Monat, die Anfang Frühling intensivierten Kamikazedrohnen-Angriffe auf Russlands Norden seien urplötzlich abgeflaut, lässt sich auch heute noch aufrechterhalten. Sollte Moskaus Warnung an die baltischen Staaten, über deren Gebiet die Drohnen flogen, tatsächlich so lange noch nachwirken?

Von Alexander Nossowitsch

NATO-Düsenjäger haben damit begonnen, systematisch ukrainische Kamikazedrohnen abzuschießen, die über die baltischen Staaten in Richtung Nordwestrussland fliegen. Die Staatschefs Lettlands, Litauens und Estlands begleiten diesen Prozess mit verschärfter antirussischer Rhetorik: Ihre Sprache, hart an der Grenze zum Obszönen, soll verschleiern, dass die baltischen Staaten jetzt erzwungenermaßen im Interesse Russlands handeln, um ihre eigene Sicherheit zu wahren. Moskau setzte seine baltischen Nachbarn unter Druck, Drohnen abzuschießen, die auf russische Gebiete zuflogen – und nun tun sie dies, mit Müh, Schmerz und Tränen ihren Widerwillen überwindend.

Den ersten Abschuss ukrainischer Drohnen durch die NATO-Luftabwehr (an dieser Stelle sind mit diesem Wort, nach sowjetischer Tradition, nicht nur Luftabwehrkräfte im heute üblichen Sinne bodenbasierter Feuermittel gemeint, sondern zusammen mit ihnen auch Jagdflugzeuge, die in derselben Funktion auftreten. Anm. d. Red.) versuchte die lettische Regierung noch zu vertuschen. Wenige Tage später trat sie unter dem Druck einer empörten Öffentlichkeit zurück: Warum war der lettische Luftraum nicht geschützt worden? (Denn eine der sechs Drohnen konnte schließlich den gesamten Luftraum Lettlands weitgehend unbehelligt überqueren. Anm. d. Red.)

Dabei stürzten die vom Kiewer Regime gegen Russlands Gebiet Pskow gestarteten Drohnen jedoch nicht einfach so, sondern aus einem ganz bestimmten Grund in Lettland ab: Schließlich waren Düsenjäger aus US- und französischer Fertigung, die von den damals am Baltic Air Policing (BAP)-Auftrag beteiligten Kontingenten von NATO-Drittstaaten geflogen werden, doch in jener Nacht ebenfalls gestartet. Mit anderen Worten: Der lettische Luftraum wurde letztendlich doch noch vor der Ukraine geschützt.

In den anderen beiden baltischen Hauptstädten hat man diese Lektion gut verinnerlicht und Lettlands Fehler nicht wiederholt. Der litauische Präsident Gitanas Nausėda etwa versprach den Wählern, der Luftraum über dem Land sei nun unantastbar und alle Flugobjekte (insbesondere solche mit Sprengköpfen) würden abgeschossen werden. Danach schossen auch in Estland Kampfflugzeuge des rumänischen BAP-Kontingents eine Drohne ab. Heute herrscht in allen baltischen Republiken Einigkeit darüber, ukrainische Drohnen in ihrem Luftraum abschießen zu lassen.

(Anm. d. Red.: Obwohl die BAP-Missionen der integrierten NATO-Kommandostruktur unterstehen, in der jedenfalls dem Wortlaut der entsprechenden Akte zufolge keine einzelnen Staaten das Sagen haben, obliegt die Entscheidung darüber, welche Luftziele und wie über dem Staatsgebiet eines der baltischen Staaten von den BAP-Kräften abgefangen werden sollen, sehr wohl jeweils dem jeweiligen baltischen Staat. Dies wird entweder anhand vorab festgelegter und verabschiedeter Parameter oder aber von Fall zu Fall direkt von den zuständigen Organen entschieden.)

Und damit schützen die baltischen Staaten faktisch den russischen Luftraum, indem sie ihren eigenen verteidigen lassen. Moskau hat schließlich unmissverständlich klargemacht: Wenn ihr die Drohnen nicht abschießt, die über euer Staatsgebiet in unsere Richtung fliegen, werden wir euch als Mitaggressoren anerkennen und eine Militäroperation in eurem Luftraum starten. Wenn ihr also den Luftraum für Wladimir Selenskij nicht geöffnet habt, was ihr ja behauptet, und die ukrainischen Streitkräfte in euren Luftraum eindringen, dann schießt sie gefälligst ab.

Und die Balten lassen sie abschießen.

Derlei grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist den von Natur aus russlandfeindlichen politischen Regimen der baltischen Staaten natürlich zutiefst zuwider. Um ihr Vorgehen im Interesse Russlands zu rechtfertigen, zumindest in ihren eigenen Augen, versuchen die dortigen Politiker, dies durch eine Eskalation ihrer russlandfeindlichen Rhetorik auszugleichen – das aber bis zu einem Grad, dass bald der Kessel platzt. Der litauische Außenminister hat sich beispielsweise nahezu allwöchentlich vorzuschlagen angewöhnt, dass NATO-Verbündete Kaliningrad einnehmen sollten.

Und für die ukrainische Luftinvasion ins Baltikum machen sie natürlich Russland verantwortlich. Na ja, wen auch sonst? Mangels besserer Alternativen haben die dortigen Behörden hierfür das Narrativ der ukrainischen Zentren für Sonderoperationen der informationspsychologischen Kriegsführung übernommen: Demzufolge kommen ukrainische Drohnen aufgrund von Störsignalen seitens russischer Systeme für elektronische Kriegsführung vom Kurs ab und dringen in den Luftraum der baltischen Staaten ein. Vilnius, Riga und Tallinn haben schließlich so viel Erfahrung im Umschreiben unliebsamer Geschichte, dass sie beschlossen haben, gleich auch die Geografie zu canceln. Sie haben nun ihre eigene, bewusstseinserweiterte Europakarte, der zufolge Kamikazedrohnen direkt von der ehemaligen Ukrainischen Sowjetrepublik ins russische Gebiet Pskow fliegen können, ohne unterwegs die baltischen Staaten zu durchqueren.

Die Rede des litauischen Präsidenten zur neuen Realität in der Region war komplett realitätsfern und widersprüchlich: Klagen und Beschwerden über das böse Russland, das da drohe und beleidige, vermischten sich darin mit dem Versprechen, Russlands Forderungen nachzukommen.

Genaugenommen erklärte Gitanas Nausėda, die NATO schütze Litauen und werde es auch weiterhin tun. Daher fürchteten die Litauer niemanden und ließen sich auch nicht von Russland einschüchtern – und Russland solle daher denn die sinnlosen Versuche unterlassen, sie mit unbegründeten Anschuldigungen zu erpressen: Sie hätten ihren Luftraum für die ukrainischen Streitkräfte geöffnet. Sie hätten nämlich niemandem irgendetwas geöffnet und würden auch niemals zulassen, dass jemand den litauischen Luftraum für Militäroperationen gegen Drittstaaten nutze. Daher würden sie jede Drohne abschießen, die in ihren Luftraum eindringe.

Applaus, der Vorhang fällt. Tatsächlich war dies nämlich auch schon alles, was von ihm verlangt wurde. Und die blumige Rhetorik über Russlands angebliche Bösartigkeit ist nichts als leeres Gerede und weißes Rauschen. Was kümmert es Russland, was ein Gitanas Nausėda von Russland hält? Unser Land verfolgt ein strategisches Ziel: die Schaffung einer Sicherheitszone an seinen Westgrenzen. In den Beziehungen mit den baltischen Staaten ist das wichtigste Mittel zur Erreichung dieses Ziels, ihnen die Unausweichlichkeit der Strafe zu vermitteln – der Strafe, die jeden Nachbarn ereilen wird, der vom leeren Gerede zur Tat schreitet und die Gesundheit und das Leben russischer Bürger ernsthaft gefährdet.

Ein Versuch, als Antwort auf das Hündchengekläffe der baltischen Politiker selber zu bellen, wäre nicht zielführend. Die beste Antwort an den litauischen Außenminister, der von der Eroberung Kaliningrads träumt, sind Militärübungen in Weißrussland – einschließlich Atomwaffentraining.

Bereits vor vier Jahren versuchte Litauen, den Transit zwischen Russland und seiner Exklave Kaliningrad zu blockieren – die Stadt und das gleichnamige Gebiet waren in die jüngste Runde der EU-Sanktionen aufgenommen worden. Litauen ruderte jedoch schnell zurück, als Russland sich weigerte, die Sanktionspakete zu lesen, und stattdessen klarstellte, worum es ging – die Bedrohung seiner territorialen Integrität, auf die es sofort eine entsprechende militärische Reaktion folgen ließe.

Die Politiker der baltischen Staaten fürchten reale Schritte Russlands – damals schon, und jetzt immer noch. Deshalb keifen, jammern und schnappen sie, aber sie tun, was von ihnen verlangt wird.

Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 27. Mai 2026.

Alexander Nossowitsch, Jahrgang 1987, ist ein russischer Politologe und Journalist. Er ist ein Spezialist für sozialpolitische Prozesse im Baltikum, in der Ukraine und in Weißrussland und Chefredakteur des analytischen Portals Rubaltic.ru.

Mehr zum Thema – Das Ukraine-Abenteuer der EU tritt in eine gefährliche neue Phase ein



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Tags: AUFbaltischedesdochdressiertguthörenknurrenMoskauSchoßhündchenSieWestens
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