
In Großbritannien werden die Erdgasvorräte in den nächsten zwei Tagen aufgebraucht sein. Dies schürt Ängste über eine drohende Versorgungskrise, berichtete die Daily Mail am Sonntag. Die Schließung der weltweit größten Gasförderanlage und die Sperrung der Meerenge von Hormus verhindere einen zeitnahen Nachschub.
Die Gasreserven Großbritanniens belaufen sich aktuell auf 6.700 GWh (Stand vom Sonntag, dem 8. März). Zu diesem Datum habe es im vergangenen Jahr noch 18.000 GWh gegeben. Die aktuelle Menge reiche im Königreich nur noch zur Gasversorgung für eineinhalb Tage. Flüssiggas (LNG) gebe es ebenfalls nur noch in dieser Größenordnung.
In Bezug auf die Gasversorgung sei Europa mit Gasvorräten für mehrere Wochen grundsätzlich besser aufgestellt, erklärte die Zeitung. Früher habe es in Großbritannien auch einmal Gasvorräte für bis zu zwölf Tage gegeben. Aber so viel Gas würden die Briten schon seit Längerem nicht mehr vorhalten. Mehrere Regierungschefs hätten dafür die Finanzierung gestrichen.
Solange Gas auf dem Weltmarkt kurzfristig geliefert werden konnte, brauchte man in Großbritannien keine Vorratshaltung beim Gas. Doch aktuell ist das schwierig. Die Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Erdgas- und Ölflusses transportiert werden, ist fast vollständig gesperrt. Abgesehen davon wurde an einigen Orten die Gasproduktion eingestellt. In dieser Notlage suche die profitorientierte Privatwirtschaft aktuell ihren Vorteil und fordere von Großbritannien noch einen Aufpreis. Die Daily Mail kommentierte dazu:
“Die Händler nutzen die Situation Großbritanniens aus, indem sie einen Aufpreis für Gas verlangen. Sie wissen, dass das Land keine andere Wahl hat, als seine europäischen Konkurrenten zu überbieten. Großbritannien zahlt derzeit den höchsten Großhandelspreis für Gas in Europa.”
Anfang der Woche teilte Katar mit, es habe die Gasproduktion in der weltweit größten Erdgasanlage eingestellt. Das Werk sei von Iran bombardiert worden. Mittlerweile warnten Energiewirtschaftsexperten vor steigenden Energiepreisen. Demnach könnten die Ölpreise bei einem länger andauernden Krieg in Iran auf 150 Dollar pro Barrel steigen. Die Leiterin der Gaspreisabteilung bei Argus Media, einem führenden Herausgeber von Rohstoffdaten, Natasha Fielding, erklärte, die geringen Gasvorräte Großbritanniens mache das Land “anfälliger für Preisspitzen”. Dazu führte sie aus: “Der Gaspreis in Großbritannien ist stärker gestiegen als fast überall sonst in Europa.”
“Wir können uns nicht darauf verlassen, mehr aus den Speichern zu entnehmen, also müssen wir dieses Gas aus dem Ausland beziehen.”
Um des Profits willen würden die Gashändler die Temperaturen in Großbritannien beobachten. Schließlich sei das Vereinigte Königreich bei einem Kälteeinbruch noch dringender gezwungen, andere Länder beim Kauf von Gas zu überbieten.
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