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Gaza: Israel analysiert mit Microsoft-Technik Telefondaten von Bewohnern für gezielte Angriffe

rtnews by rtnews
15/08/2025
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Die IDF nutzen durch entsprechende Verträge die Cloud-Server von Microsoft, um riesige Mengen an Dateninformationen über Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen zu speichern. Diese sollen laut Medienrecherche dann auch für die gezielte Tötung von Bewohnern eingesetzt worden sein.

Von Bernhard Loyen

Eine Recherchekooperation beschäftigt sich mit dem bis dato eher unbekannten Vertrag israelischer Armeeeinheiten mit dem Tech-Giganten Microsoft in Sachen Cyberkrieg. Laut der gemeinsamen Recherche der israelisch-palästinensischen Blog-Publikation +972 Magazine und dem britischen Guardian speichert eine israelische “militärische Überwachungseinheit” namens  “8200” demnach täglich Millionen Aufzeichnungen getätigter palästinensischer Mobiltelefonate aus Gaza und dem Westjordanland. Diese würden in einer speziell zur Verfügung gestellten “Cloud Computing-Plattform” gespeichert und seitens der IDF gezielt zur “Identifizierung von Bombenzielen” genutzt.

Laut den Artikeln stammen die brisanten Informationen aus Interviews mit 11 Microsoft- und israelischen Geheimdienstquellen “sowie aus einer Reihe von durchgesickerten internen Microsoft-Dokumenten”, die dem Guardian vorliegen. Die recherchierte israelische “Einheit 8200” fungiere dabei ähnlich der US-amerikanischen “National Security Agency (NSA)”. Zu den Hintergründen der militärisch-industriellen Kooperation heißt es:

“Bei einem Treffen in der Microsoft-Zentrale in Seattle Ende 2021 gewann der damalige Leiter der Einheit 8200, Yossi Sariel, die Unterstützung des CEO des Technologiegiganten, Satya Nadella, für die Entwicklung eines maßgeschneiderten und abgetrennten Bereichs innerhalb von Azure [eine Cloud-Computing-Plattform], der das Massenüberwachungsprojekt der Armee erleichtert hat. Den Quellen zufolge wandte sich Sariel an Microsoft, weil der Umfang der israelischen Geheimdienstinformationen über Millionen von Palästinensern im Westjordanland und im Gazastreifen so groß ist, dass sie nicht allein auf militärischen Servern gespeichert werden können.”

Ein erster +972 Magazine–Artikel zu den Recherchen erfolgte bereits zu Jahresbeginn und sorgte für Nervosität bei dem Tech-Giganten. So hieß es in dem Artikel, dass demnach von Oktober 2023 bis März 2024 die monatliche Nutzung von Anwendungen des US-Konzerns Microsoft seitens der IDF-Einheit “beispielsweise um das 64-Fache gestiegen” seien. Weitere Informationen lauteten:

“Zwischen Oktober 2023 und Juni 2024 investierte das israelische Verteidigungsministerium 10 Millionen Dollar direkt in die Entwicklungsunterstützung durch den US-Software-Giganten und kaufte 19.000 Stunden technische Beratung ein.”

Microsoft erklärte, dass die massiven Vorwürfe intern untersucht würden, um dann am 15. Mai in einer Mitteilung zu erklären, man habe “bislang keine Hinweise darauf gefunden, dass Microsoft-Technologien missbraucht wurden, um Menschen in Gaza zu schaden.” Weiter heißt es seitens der Unternehmensführung:

“Es ist anzumerken, dass Militärs in der Regel ihre eigene proprietäre Software oder Anwendungen von Anbietern aus dem Verteidigungsbereich für die Arten von Überwachungs- und Einsatzmaßnahmen verwenden, die Gegenstand der Fragen unserer Mitarbeiter waren. Microsoft hat keine solche Software oder Lösungen für das IMOD [Softwareprogramm] entwickelt oder bereitgestellt.”

Auch die IDF-Pressestelle erklärte nach Veröffentlichung der Recherche, Microsoft habe nicht mit ihnen an der Speicherung oder Verarbeitung von Daten gearbeitet, so der Guardian (Bezahlschranke). Der Sprecher der israelischen Streitkräfte erklärte laut +972 Magazine-Artikel, dass “die Zusammenarbeit zwischen dem Verteidigungsministerium und den Streitkräften mit zivilen Unternehmen auf der Grundlage regulierter und rechtlich überwachter Vereinbarungen erfolgt.” Weiter heißt es darlegend:

“Die Armee handelt in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht, mit dem Ziel, den Terrorismus zu bekämpfen und die Sicherheit des Staates und seiner Bürger zu gewährleisten.”

Diese Aussagen hätten laut Guardian wiederum die Microsoft-Führungskräfte überrascht, “da das Unternehmen offiziell Cloud-Speicher im Auftrag des israelischen Verteidigungsministeriums bereitstellt.” Dazu heißt es in dem +972-Artikel aus dem Januar:

“Die Quelle fügte hinzu, dass während der Entwicklungsphase Mitarbeiter von Microsoft Azure zu Besprechungen in eine Militärbasis kamen, um die Möglichkeit zu prüfen, das Überwachungssystem auf der Cloud-Infrastruktur des Unternehmens aufzubauen. ‘Die Idee war, dass dieses System im Azure-Programm verwaltet werden sollte, da es so viele Daten [verwendet]’, sagte er.”

Zu der bereits eingesetzten militärischen Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Kriegseinsatz erläutert der Artikel aus dem Januar:

“Im August 2023 begann die israelische Armee mit dem Kauf des neuesten Sprachmodells von OpenAI, GPT-4. Dieses Tool, auf das das Militär über die Azure-Plattform und nicht direkt von OpenAI aus zugreifen kann, ist in der Lage, Milliarden von Informationen zu analysieren, aus früheren Fällen zu lernen und auf gesprochene und schriftliche Anweisungen zu reagieren.”

Das KI-Überwachungssystem ging laut den Recherchen erstmals im Jahr 2022 in Betrieb. Mehrere Geheimdienstquellen berichteten von dem intern genutzten Slogan: “Eine Million Anrufe pro Stunde”. Die gesammelten Daten würden dann den IDF dienen, “potenziell belastende Informationen über praktisch jeden Palästinenser zu finden, die für alle möglichen Zwecke verwendet werden können – einschließlich Erpressung, Verwaltungshaft oder rückwirkender Rechtfertigung von Tötungen.” Eine Quelle erklärt dazu in dem Artikel:

“‘Diese Menschen werden in das System eingegeben, und die Daten über sie wachsen einfach weiter’, erklärte ein Geheimdienstmitarbeiter, der kürzlich im Westjordanland tätig war. ‘Wenn sie jemanden verhaften müssen und es keinen ausreichenden Grund dafür gibt, finden sie in [der Überwachungsdatenbank] einen Vorwand.'”

Ein Al-Jazeera-Artikel berichtet dies bezogen von einer aktuellen UN-Publikation der Sonderberichterstatterin Francesca Albanese, die darin erinnerte, dass das Unternehmen Microsoft “seit 1991 in Israel tätig” sei, dort seinen größten Standort außerhalb der USA aufgebaut habe “und damit begonnen hat, seine Technologien in das Militär, die Polizei, Gefängnisse, Schulen und Siedlungen des Landes zu integrieren.”

Nach der jüngsten +972-Artikelveröffentlichung am 6. August gab der Sprecher der israelischen Streitkräfte eine weitere Erklärung ab, wonach die “IDF die Unterstützung von Microsoft beim Schutz unserer Cybersicherheit schätzen”. 

An der Recherche war auch der für seine Dokumentation auf der Berlinale prämierte israelischer Journalist Yuval Abraham beteiligt.

Mehr zum Thema – Israel bombardiert Gaza-Stadt: Hamas-Delegation zu Gesprächen über Waffenruhe in Kairo erwartet



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Tags: analysiertAngriffeBewohnernfürGazagezielteIsraelMicrosoftTechnikmitTelefondatenvon
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