
Die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland sind 2025 das achte Jahr in Folge gesunken und erreichten ein 17-Jahres-Tief, wie eine am Donnerstag der Vorwoche veröffentlichte Umfrage des global agierenden Wirtschaftsprüfungsunternehmens EY ergab. Gegenüber 2024 gingen sie um nochmals zehn Prozent zurück und betrafen nur noch 548 Projekte. Sie fielen damit auf ein Niveau, auf dem sie sich zuletzt im Jahr 2009, während der Weltfinanzkrise, befanden.
Unter dem Kürzel EY firmiert seit einigen Jahren Ernst & Young, eine der vier weltweit größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften.
Als Gründe für den Rückgang nennt die Pressemitteilung von EY “ein schwächeres Wirtschaftswachstum (in Europa – Anm. d. Red.), eine größere Anfälligkeit gegenüber Schwankungen der Energiepreise, Handelsspannungen mit den USA sowie die anhaltenden Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und des Konflikts im Nahen Osten”. Angesichts dieser Herausforderungen werten die Verfasser den “moderaten Rückgang” gar als “Zeichen der Robustheit der europäischen Wirtschaft”. In der Umfrage selbst werden außerdem hohe Steuern, Arbeits- und Energiekosten sowie “fehlende Reformen zur Vereinfachung starrer bürokratischer Verfahren” als Ursachen für zurückgehende Investitionen genannt.
Die meisten Investoren in Deutschland stammten im Jahr 2025 aus den Vereinigten Staaten, die damit nach einigen Jahren wieder vor Investoren aus China rangierten.
Trotz des Rückgangs bleibe Deutschland “nach Frankreich und dem Vereinigten Königreich der drittattraktivste Investitionsstandort in Europa”. Anders als in Frankreich und Großbritannien handle es sich hierzulande um einen seit Jahren ungebrochenen Abwärtstrend, so Henrik Ahlers, Geschäftsführer des deutschen Ablegers von EY:
“Während Frankreich und das Vereinigte Königreich zumindest zeitweise Aufwärtstrends verzeichneten, bewegt sich die deutsche Wirtschaft seit Jahren nur in eine Richtung: nach unten. Schlechte Umsatz- und Gewinnzahlen in Verbindung mit unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zwingen viele Unternehmen dazu, Investitionen zu verschieben oder ganz zu streichen.”
Allerdings sind die direkten Auslandsinvestitionen im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 auch in den beiden erstplatzierten Ländern gesunken: In Frankreich um 17 Prozent, im Vereinigten Königreich um 14 Prozent. Konkrete Investitionssummen offenbart der Bericht im öffentlich zugänglichen Teil nicht.
Die Auslandsdirektinvestitionen in Europa insgesamt gingen 2025 um sieben Prozent zurück, so der EY-Bericht. Wachstum wiesen nur Investitionen in europäische Verteidigungsprojekte auf: ein Plus von 84 Prozent, darunter sieben Projekte in Deutschland.
Nach eigenen Angaben erhebt EY die Zahlen seit 2006. Erfasst würden Investitionsprojekte, “die zur Schaffung neuer Standorte und neuer Arbeitsplätze führen”.
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