
Das erste derartige Gemeinschaftsprojekt war einst der Tornado, den seit Ende der 1960er Jahre Deutschland, Großbritannien und Italien gemeinsam entwickelten, weil die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs bereits damals als Überforderung für ein einzelnes Land gesehen wurde. Diese Zusammenarbeit wurde gewissermaßen auch das Modell für eine ähnliche Konstruktion in der zivilen Luftfahrt, die, als deutsch-französische Zusammenarbeit begonnen, im Airbus mündete.
Aber diese Zeiten sind lange vorüber. Heute ist Airbus, an den Börsen von Paris und Frankfurt notiert, außerdem der zweitgrößte Rüstungskonzern Europas.
Desto verblüffender ist es, dass das Projekt eines neuen Kampfjets namens FCAS (Future Combat Air System oder zukünftiges Luftkampfsystem), das den inzwischen auch schon betagten Eurofighter ersetzen soll, der seit dem Jahr 2000 produziert wird, jetzt gescheitert ist. Dieses Projekt war als Zusammenarbeit zwischen Airbus und dem französischen Rüstungskonzern Dassault geplant. Dassault war einst aus dem Eurofighter ausgestiegen und entwickelte daraufhin die französische Rafale. An dem FCAS sollten Deutschland, Frankreich und Spanien beteiligt sein, wobei wie üblich die enormen Entwicklungskosten überwiegend von den beteiligten Staaten geschultert werden sollten.
Airbus und Dassault konnten sich aber weder darüber einigen, wer letztlich das Projekt leitet, noch über Arbeitsverteilung oder Patentrechte. Das Kampfflugzeug, das ab 2040 an die Stelle von Eurofighter und Rafale treten sollte, wird damit erst einmal nicht weiterentwickelt.
Nicht nur die Unternehmen, auch Deutschland und Frankreich konnten sich wohl nicht einigen – Frankreich wollte ein Flugzeug, das Atomwaffen tragen und auf seinem Flugzeugträger eingesetzt werden kann, Deutschland hatte gerade an diesen beiden Kriterien keinerlei Interesse.
Airbus soll jetzt auf der Suche nach neuen Partnern sein. Dabei steht der schwedische Rüstungskonzern Saab, der den Draken produziert, ebenso auf der Liste wie ein britisch-japanisch-italienisches Kampfflugzeugprogramm.
Zumindest was das Ende des Projekts FCAS angesichts der Streitigkeiten der beiden Konzerne betrifft, sind sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einig. “Bundeskanzler Merz hat Präsident Macron deshalb nahegelegt, den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeugs nicht weiter zu verfolgen”, zitiert die Welt aus “deutschen Regierungskreisen”.
Weiter fortsetzen wolle man aber die Arbeit an einem umfassenden Lenksystem, das Flugzeuge und Drohnen in einer “Combat Cloud” zusammenführen soll. Bis Mitte Juli sollen auch beide Verteidigungsministerien einen Arbeitsplan mit weiteren gemeinsamen Rüstungsprojekten vorlegen. Was natürlich nicht bedeutet, dass diese dann tatsächlich stattfinden werden.
Das Projekt FCAS war 2017 begonnen worden, als europäischer Versuch, ein Kampfflugzeug der sechsten Generation zu entwickeln. Eigentlich sollten bereits 2027 die ersten Probeflüge beginnen.
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