
Die Causa Jason Arday ist weiterhin eines der gesellschaftspolitischen Tagesthemen in Großbritannien. Nach dem plötzlichen Tod des kontrovers wahrgenommenen Cambridge-Professors am vergangenen Freitag versammelten sich in dieser Woche in London laut Medien bis zu 30.000 Menschen zu einer Gedenkkundgebung. Die Familie von Arday spricht weiterhin von einer bewussten “Kampagne von Fehlinformationen” mit fatalen Folgen. Der US-Forscher Nathan Cofnas erhob als erster lautstarker Kritiker Plagiatsvorwürfe gegen Jason Arday. Nun hat die belgische Universität Gent Cofnas demnach von seinen Aufgaben freigestellt.
Der US-Forscher Nathan Cofnas war vor seiner aktuellen Tätigkeit an der belgischen Universität Gent ein Cambridge-Kollege des verstorbenen, jüngsten schwarzen Professors Englands, Jason Arday. Cofnas informierte am Donnerstag auf X über seine aktuelle berufliche Situation:
“Ich wurde gerade von der Universität Gent suspendiert. Es ist so gut wie sicher, dass sie mich entlassen werden. Die Entscheidung wurde von Rektorin Petra De Sutter getroffen, einer ehemaligen Vorsitzenden der Grünen-Partei.”
Cofnas stieß zuvor am 21. Juli dieses Jahres die landesweite mediale Diskussion um den als vermeintliches “Wunderkind” geltenden Soziologie-Professor Jason Arday an. Sein Rechercheartikel trug dabei den Titel: “Betrug und Vertuschung in Cambridge – Die Universität weigert sich, den Plagiatsvorwurf gegen einen DEI-Star zu untersuchen.” Die Abkürzung DEI steht für Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion (Diversity, Equity and Inclusion).
Zuvor hatte Cofnas bereits auf X darüber informiert, dass gegen ihn “derzeit ein Ermittlungsverfahren meiner Universität wegen Diskriminierung von Arday” stattfinde.
Die Universität Gent teilte in einer Erklärung mit, ohne den Namen Cofnas explizit zu nennen, sie habe eine “vorläufige disziplinarische Untersuchung” gegen einen Mitarbeiter eingeleitet, der mit dem Tod von Jason Arday in Verbindung stehe. Wörtlich heißt es zur Suspendierung:
“Aus diesem Grund nimmt die Universität die jüngsten öffentlichen Äußerungen eines Postdoktoranden der Universität Gent zu diesem Thema sehr ernst. Die Universität Gent hat beschlossen, im Rahmen ihrer Befugnisse und der geltenden Vorschriften geeignete Maßnahmen zu ergreifen.”
Cofnas war bereits im Jahr 2024 als damaliger Kollege von Arday von der Universität Cambridge suspendiert worden. Der US-Wissenschaftler veröffentlichte im Februar vor zwei Jahren einen Blogbeitrag mit kritisierten Aussagen zum DEI-Diskurs und subjektiven Darlegungen zum Thema “Ethnien und Geschlechter”. Nach zahlreichen Beschwerden von Beschäftigten und Studierenden bei der Universitätsleitung folgten seine Suspendierung und sein Wechsel nach Belgien.
Die Universität Cambridge selbst erklärte dann im Jahr 2025 im Rahmen einer Mitteilung, dass die eingeleitete Untersuchung zu den massiven Rassismus-Vorwürfen zu dem Ergebnis gekommen sei, dass die veröffentlichten Ansichten von Cofnas zwar “als beleidigend” empfunden werden könnten, jedoch inhaltlich weder gegen das Gesetz noch gegen die einschlägigen Universitätsregeln verstoßen hätten.
Die jüngsten Plagiatsvorwürfe gegen Arday seitens des US-Wissenschaftlers wurden wiederum von verschiedenen britischen und später auch internationalen Zeitungen und Journalisten aufgegriffen. Es ging dabei um unterstellte Plagiate in der Doktorarbeit und auffällige Widersprüche in den Angaben zu seiner Vita. Cofnas gab laut einem Artikel der BBC dazu an, Ardays Arbeit einer Plagiatsprüfungssoftware unterzogen zu haben, mit dem Ergebnis, dass “viele Passagen mit minimalen Änderungen übernommen wurden, wobei teilweise sogar Korrekturfehler aus der Originalquelle erhalten blieben”.
Die Vorwürfe erhärteten sich und führten zur Rücktrittserklärung Ardays als Cambridge-Professor. Unterstützer sprachen parallel von einer “rassistischen Hetzkampagne”, während Kritiker in Arday auch den bewussten Profiteur einer überzogenen Diversitätspolitik erkannten. Am 14. August wurde Arday dann tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden.
Der britische Premierminister Andy Burnham sprach laut Medien in einer Reaktion auf Ardays Tod von einer “Tragödie auf vielen Ebenen”.
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