Kanadas Gesundheitsministerium hat eine Infektion mit dem Hantavirus vermeldet – einer von insgesamt sechs kanadischen Staatsbürgern, die an Bord des niederländischen Kreuzfahrtschiffes Hondius mitreisten, sei nach dessen Evakuierung positiv auf das Virus getestet worden. Globe and Mail schreibt unter Verweis auf die Behörde:
“Labortests haben einen Infektionsverdacht mit dem Hantavirus des Anden-Stammes bestätigt, von dem zuvor in British Columbia berichtet wurde.”
Die Symptome des Erkrankten seien bisher eher gemäßigt und umfassten unter anderem erhöhte Körpertemperatur und Kopfschmerzen. Der Reisepartner des Erkrankten sei indes nicht infiziert worden, heißt es weiter; die beiden sind ein Paar in den 70ern und leben in der Provinz Yukon. Ein weiterer Mitreisender, ebenfalls in den 70ern, lebt in British Columbia auf Vancouver Island, während noch einer, in den 50ern und aus derselben Provinz stammend, im Ausland lebt. Alle vier Kanadier befänden sich in Quarantäne in einem Krankenhaus in Victoria auf besagter Insel, so die Gesundheitsbehörde des Landes; zwei weitere Passagiere aus Kanada hielten sich laut der BBC in “Selbstisolation” in ihrem Zuhause in Ontario auf. Weitere laboratorische Tests seien im Gange.
Wie der Test bei den anderen evakuierten Mitreisenden ausgefallen ist, wird nicht berichtet.
Der vermeldete Infektionsfall ist der insgesamt elfte bestätigte unter den Passagieren des Schiffes; unter der Besatzung wurden bisher keine Infektionsfälle mit dem Hantavirus bekanntgegeben.
Das Anden-Hantavirus, der besagte Stamm, ist der bisher einzige bekannte, der von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann – alle anderen bekannten Stämme dieser Virengruppe infizieren Menschen normalerweise nur über den Kontakt mit Tieren, die als Träger auftreten, normalerweise über Nager. Darüber hinaus weist dieser Stamm, ähnlich wie die meisten anderen amerikanischen Hantavirus-Stämme, eine Sterblichkeitsrate von 30 bis zu 50 Prozent auf – sowie eine Inkubationsdauer von bis zu 42 Tagen, was eine so nicht mehr erwartete Erkrankung wahrscheinlich macht und die korrekte Diagnose und rechtzeitige Behandlung erschwert (Erkrankungen mit Hantaviren sind dann doch recht selten, weswegen der Verdacht oft erst aufkommt, wenn es bereits zu spät sein könnte).
Jedoch ist die Weitergabe von einem nachweislich am Anden-Hantavirus Erkrankten zu weiteren Menschen nicht häufig zu beobachten und erfordert längeren und nahen Kontakt in der frühen Erkrankungsphase, weswegen die Weltgesundheitsbehörde das Risiko einer größeren Epidemie oder gar einer Pandemie als gering einschätzt.
Das Kreuzfahrtschiff Hondius, das für eine niederländische Reederei fährt, ist mittlerweile, am Morgen des 18. Mai 2026, im Hafen von Rotterdam angekommen und liegt dort vor Anker am Calandsteiger 7 – dieser Teil des Hafens ist der sogenannte Quarantänehafen der Niederlande, darauf weisen Medien des Landes hin. Einige der bisher an Bord verbliebenen Besatzungsmitglieder, die nicht ohne Weiteres in ihre Heimat- oder Wohnsitzländer repatriiert werden können, müssen dort ihre Quarantäne verbringen – zu diesem Zweck stehen auf dem Hafengelände 23 speziell ausgestattete Wohntrailer bereit. Die Besatzungsmitglieder können für die gesamte sechswöchige Isolationsfrist dort verbleiben.

Dies gilt insbesondere für 17 Personen von den Philippinen, vier aus der Ukraine sowie jeweils eine Person aus Russland und Polen. Zwei der nach dem Ausbruch an Bord verbliebenen Mitglieder der Besatzung sind Niederländer und werden ihre Quarantäne zu Hause verbringen, heißt es.
An Bord ist außerdem die Leiche eines deutschen Passagiers – einer Frau, die am 2. Mai 2026 an den Folgen der Hantavirus-Infektion verstarb.
Medien hatten zuvor berichtet, der erste Infizierte an Bord der Hondius sei ein Ornithologe gewesen. Er habe sich die Krankheit höchstwahrscheinlich beim Aufsuchen der Mülldeponie der argentinischen Stadt Ushuaia zugezogen, ab der die MV Hondius am 1. April losfuhr – neben Nagern, die Hantaviren übertragen, sind auf dieser Deponie zahlreiche Vögel unterwegs, die der Verstorbene, wie schon viele Wissenschaftler vor ihm, dort gern beobachten wollte.
Mehr zum Thema – Hantavirus auf niederländischem Kreuzfahrtschiff – erste Tote
