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WHO: Männliche Gewalt weltweit immer noch eines der größten Gesundheitsrisikos für Frauen

rtnews by rtnews
29/11/2025
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Im Jahr 1981 wurde der 25. November zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen erklärt. Laut einem aktuellen WHO-Bericht erlebt weltweit fast jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt oder sexuelle Gewalt. Pro Tag wird in Deutschland eine Frau Opfer eines Mordversuchs durch ihren Partner.

Von Felicitas Rabe

Das Bündnis Lila in Köln veranstaltete am Dienstagabend unter dem Motto “Wir nehmen uns die Nacht zurück” eine Demonstration gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Rund 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer protestierten im Kölner Stadtteil Ehrenfeld lautstark gegen die nicht abnehmende Gewalt an Frauen und Mädchen in Deutschland und weltweit. Auf der Kundgebung setzten sich die Rednerinnen auch gegen Diskriminierung und Gewalt an Menschen mit transsexuellen Identitäten ein.

Demonstration “Wir nehmen uns die Nacht” gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, Köln, 25. November 2025Felicitas Rabe

Der 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. An diesem Tag wird an die drei Schwestern Patria, Minerva und María Teresa Mirabal erinnert, die sich in den 1950er Jahren in der Dominikanischen Republik gegen die Diktatur engagierten. Im Jahr 1960 wurden sie von Militärs des Regimes von Rafael Leónidas Trujillo Molina verschleppt und nach monatelanger Folter ermordet.

Auf einer Versammlung lateinamerikanischer Feministinnen wurde 1981 der 25. November zum Internationalen Gedenktag für ermordete Frauen ausgerufen. Die Vereinten Nationen schlossen sich dem Gedenktag im Jahr 1999 mit einer Resolution an. Seitdem rufen die UN jährlich vom 25. November bis zum 10. Dezember in der Kampagne “Orange the World” zu Aktionen für die Stärkung von Frauen- und Mädchenrechten auf. In dieser Zeit wird in vielen Städten mit oranger Farbe auf Frauenrechte hingewiesen und mit roten Schuhen an die Opfer von Gewalt an Frauen erinnert. 

Kundgebung auf dem Kölner Neptunplatz vor der Demonstration “Wir nehmen uns die Nacht” gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, Köln, 25. November 2025Felicitas Rabe

Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation vom 19. November gehören körperliche Verletzungen durch Männer immer noch zu den größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit. Im WHO-Bericht heißt es dazu:

“Fast jede dritte Frau – weltweit schätzungsweise 840 Millionen – hat im Laufe ihres Lebens Gewalt durch einen Partner oder sexuelle Gewalt erlebt, eine Zahl, die sich seit dem Jahr 2000 kaum verändert hat. Allein in den letzten zwölf Monaten waren 316 Millionen Frauen – elf Prozent der über 15-Jährigen – körperlicher oder sexueller Gewalt durch einen Intimpartner ausgesetzt.

263 Millionen Frauen haben seit ihrem 15. Lebensjahr sexuelle Gewalt durch andere Personen als ihren Partner erlebt, eine Zahl, die von Experten aufgrund von Stigmatisierung und Angst als deutlich zu niedrig eingeschätzt wird.

Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor eine der hartnäckigsten und am wenigsten beachteten Menschenrechtskrisen weltweit, wobei in den letzten zwei Jahrzehnten nur sehr geringe Fortschritte erzielt wurden.”

Demonstration “Wir nehmen uns die Nacht” gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, Köln, 25. November 2025Felicitas Rabe

Die Exekutivdirektorin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen UNFPA, Diene Keita, erklärte, dass die verletzten Frauen einen tiefgreifenden und dauerhaften Schaden erlitten, der sich auf ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Würde auswirke. 

Zur Gewalt an Frauen in Deutschland stellen UN-Studien folgende Daten zur Verfügung:  

“In Deutschland …

  • findet fast jeden Tag ein Femizid statt;
  • tötet alle zwei Tage ein Mann seine (Ex-)Partnerin;
  • erleben 63 Prozent der politisch engagierten Frauen digitale Gewalt;
  • empfinden 90 Prozent der jungen Frauen starke bis extreme Angst, wenn sie nachts unbekannten Männern begegnen.”

Nach Zahlen des Bundeskriminalamts aus dem November 2025 wurden im Jahr 2024 in Deutschland 132 Frauen durch ihren (Ex-)Partner getötet. Weitere 308 Frauen wurden Opfer von (versuchtem) Mord oder Totschlag. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 171.069 Personen (135.713 Frauen und 35.356 Männer) von Partnerschaftsgewalt betroffen. Offiziell wurden 12.912 Frauen von ihrem (Ex-)Partner schwer oder gefährlich körperlich verletzt.

Die aufgeführten Zahlen bilden nur angezeigte Straftaten ab. Die Dunkelziffer nicht bekannter Gewalttaten gegenüber Frauen sei weitaus höher. Laut Angaben der ehemaligen Bundesfamilienministerin Lisa Paus werde angenommen, dass rund zwei Drittel der weiblichen Betroffenen nicht zur Polizei gingen. Gemäß sogenannten Dunkelfeldstudien sei in Deutschland jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen – mehr als zwölf Millionen Frauen.

“Noch 30 Femizide bis Weihnachten”, Demonstration “Wir nehmen uns die Nacht” gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, Köln, 25. November 2025Felicitas Rabe

Statistisch nicht berechnet werden Abwertungen und sexistische Beleidigungen gegenüber Frauen im Alltag. Insbesondere in der Arbeitswelt nehmen viele der existenziell abhängigen Arbeitnehmerinnen geschlechtsspezifische Herabwürdigungen ihrer Person und ihrer Arbeitsleistungen als notwendiges Übel hin. Viele Frauen akzeptieren oder tolerieren Sexismus und Abwertung auf der Arbeit, um keine Auseinandersetzung führen zu müssen und ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden.

In diesem Jahr stellte UN WOMEN Deutschland in ihrer Kampagne zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, genau jene Gewalt in den Fokus, die Frauen tagtäglich im Alltag erlebten: auf der Straße, am Arbeitsplatz oder in der digitalen Welt.

Demonstration “Wir nehmen uns die Nacht” gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, Köln, 25. November 2025Felicitas Rabe

Mehr zum Thema – Wie sich die BRICS-Frauenallianz für eine gerechtere Weltwirtschaft einsetzt



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