
Im Winterhalbjahr 1944/45 tobten in und um Budapest blutige Kämpfe zwischen sowjetischen und Wehrmachtstruppen sowie den ungarischen Verbündeten Hitlerdeutschlands. Die Schlacht um Budapest endete im Februar 1945 mit der Kapitulation der dortigen Wehrmachtseinheiten. Jetzt – über 81 Jahre nach Einstellung der Kämpfe – gibt die Donau die Toten von damals frei. Verantwortlich dafür ist das derzeitige Niedrigwasser der Donau.
Wie der Volksbund Kriegsgräberfürsorge auf seiner Homepage bekannt gab , tauchte am vergangenen Sonntag in Budapest ein Motorrad im durch die anhaltende Trockenheit teilweise freigelegten Flussbett der Donau auf. Die Fundstelle liegt auf der Budaer Seite neben dem Hafen am Battyány-Platz – genau gegenüber dem ungarischen Parlament, das am anderen Ufer auf der Pester Seite der ungarischen Hauptstadt liegt.
Passanten hatten zunächst die Gabel des Motorrads entdeckt, die aus dem Schlamm des felsigen Donauufers herausragte. Wie sich herausstellte, war es ein ungewöhnlicher Fund. Denn es handelt sich um ein Fundstück aus Weltkriegstagen, genauer gesagt um eine DKW NZ 350-1, wie sie die Wehrmacht verwendete. Die Bergung des Motorrads samt Benzinkanister gestaltete sich am Folgetag nicht ganz einfach.
Denn in der Umgebung des Fahrzeugs befanden sich neben Keramikscherben, Tierknochen und deutscher sowie sowjetischer Infanteriemunition zahlreiche deutsche Tellerminen des Typs 35, die damals zur Abwehr sowjetischer Panzer gedient hatten, heutzutage aber einen Räumungseinsatz des ungarischen Militärs nötig machten. Erst danach konnten Mitarbeiter des Pester Rettungsdienstes und des ungarischen Instituts für Militärgeschichte tätig werden .
Dabei enthüllte die Donau noch mehr ihrer Geheimnisse. In der Nähe der DKW NZ 350-1 tauchten menschliche Überreste auf, die der ungarische Umbetter Gabor Kohlrusz exhumierte. Auch die Gebeine stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, es handelt sich laut den Erkennungsmarken um zwei deutsche Gefallene.
Der Erhaltungszustand der Erkennungsmarken ist ausgezeichnet. Gabor Kohlrusz begründete dies damit, dass der mit Gasöl versetzte Donauschlamm das Metall der Marken konserviert habe. Da ihre Daten auch noch ausgelesen werden können, besteht Hoffnung auf die Identifizierung der Weltkriegstoten und womöglich der Benachrichtigung ihrer Nachkommen.
Dass die Erkennungsmarken vollständig vorliegen, also nicht geteilt wurden, lässt darauf schließen, dass während der Kämpfe um Budapest den Kameraden der Gefallenen keine Zeit mehr dazu blieb, eine Teilmarke nach Berlin zur Wehrmachtsauskunftsstelle zu schicken. Diese Behörde war für die Benachrichtigung der Angehörigen zuständig.
Das ungarische Institut für Militärgeschichte vermutet, dass es sich bei der Fundstelle um eine Art Abfallgrube für Kriegsüberreste gehandelt habe. Man habe nach dem Ende der Belagerung die Stadt von den Spuren der Kämpfe gesäubert und das gefundene Kriegsmaterial einfach in die Donau geworfen.
Zumindest einer der Toten hat den Ostfeldzug mitgemacht. Denn der ungarische Experte fand neben den Erkennungsmarken auch einen sogenannten Ärmelschild Kuban. Dabei handelt es sich um ein militärisches Ehrenabzeichen der Wehrmacht für Teilnehmer der Kämpfe am Kuban-Brückenkopf im Kaukasusvorland.
Bei nächster Gelegenheit werden die beiden Wehrmachtsangehörigen auf der Kriegsgräberstätte Budaörs vor den Toren Budapests ihre endgültige Grabstätte finden. Dort ruhen bereits über 17.000 deutsche und ungarische Gefallene. Die DKW NZ 350-1 wird hingegen beim Institut für Militärgeschichte des ungarischen Verteidigungsministeriums verbleiben.
Der Volksbund Kriegsgräberfürsorge geht davon aus, dass aufgrund des anhaltenden Niedrigwassers die Donau noch weitere Weltkriegstote preisgeben könnte.
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