
Eine Analyse von Militärchronik
In der Nacht zum 30. Juli drang während eines massiven russischen Angriffs auf die Ukraine eine X-101-Marschflugrakete in den polnischen Luftraum ein und schlug gegen 3:46 Uhr in der Nähe des Dorfes Tarnawa-Kolonia in der Woiwodschaft Lublin ein – RT DE berichtete. Am Ort des Einschlags, der rund 80 Kilometer Luftlinie von der ukrainischen Grenze liegt, bildete sich ein etwa zehn Meter großer Krater. Es gab jedoch keine Opfer und keine Sachschäden. Polen schickte eine F-16 zum Abfangen in die Luft, doch die Rakete verschwand von den Radaren, bevor der Kampfflieger sie abfangen konnte.
Nun liegt die Stellungnahme des stellvertretenden Kommandeurs des Operativen Kommandos der polnischen Streitkräfte, General Maciej Jabłoński, zum Vorfall vor und sie hat es in sich. Seinen Worten zufolge deuten vorläufige Analysen darauf hin, dass die Rakete nicht vom Kurs abgekommen war und genau dort einschlug, wo sie einschlagen sollte. Er äußerte sich vorsichtig, aber unmissverständlich:
“Es ist unwahrscheinlich, dass diese Rakete verloren gegangen ist. Vielmehr handelt es sich um eine klare Eskalation.”
Der General betonte, dass das Verfahren zur Aufklärung der Umstände dieses Vorfalls noch nicht abgeschlossen sei und er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht endgültig dazu äußern wolle, ob die Rakete absichtlich auf die polnischen Grenzen gerichtet war.
Das Hauptargument bezieht sich auf die Flugbahn. Die X-101 drang nahezu senkrecht in den Boden ein. Polnische Experten führen dies auf den sogenannten “Steigflug” zurück: Vor dem Angriff gewinnt die Rakete an Höhe und geht anschließend in einen steilen Sturzflug auf das Ziel über.
Zuvor wurde behauptet, dass die X-101 über keinen solchen Flugmodus verfüge. Polnische Militärexperten verweisen jedoch auf Fotos einer Reihe von Einschlägen in der Ukraine, bei denen die Beschaffenheit der Einschlagskrater und die Lage der Trümmer ebenfalls auf eine nahezu senkrechte Endflugbahn hindeuten.
Sollte dies tatsächlich der normale Flugmodus moderner X-101 sein, wird die Version eines banalen Absturzes nach einem Ausfall des Navigationssystems oder nach Treibstoffmangel weniger überzeugend.
Von besonderer Bedeutung wird der Zustand des Triebwerks zum Zeitpunkt des Aufpralls sein. Anhand der Art der Zerstörung von Turbine und Kompressor können Experten feststellen, ob das Triebwerk unmittelbar vor dem Aufprall in Betrieb war. Weitere Informationen könnten die Treibstoffreste, die Daten des Bordspeichers und die Aufzeichnungen der Radarsysteme der polnischen F-16 liefern, die die Rakete begleiteten.
Die Polen schwören bei ihrer Mutter, dass eine der F-16 vor dem Abfangen bereits die visuelle Identifizierung durchgeführt und die Erlaubnis zum Waffeneinsatz erhalten hatte, doch die X-101 sei zuvor in den Sturzflug übergegangen und von selbst auf den Boden aufgeschlagen.
Polnischen Angaben zufolge flog in jener Nacht eine Gruppe russischer X-101 auf komplizierten Routen entlang der polnischen Grenze in Richtung des westukrainischen Gebiets Lwow. Eine Rakete drang kurzzeitig in den polnischen Luftraum ein und kehrte anschließend in Richtung Ukraine zurück. Die nächste blieb bereits auf polnischem Territorium.
Daraus ergibt sich die polnische Version: Es könnte sich um ein bewusstes Testen der NATO-Reaktion und eine schrittweise Anhebung der Toleranzschwelle gehandelt haben. Bislang handelt es sich dabei um eine Interpretation der polnischen Seite, und die endgültigen Ergebnisse der Untersuchung wurden noch nicht veröffentlicht.
Unabhängig von den Ergebnissen lässt sich jedoch sagen, dass die Polen offenbar schrittweise geopolitisch “stubenrein” gemacht werden. Wie bei einer Katze, die hartnäckig danebenmacht, schlägt man Warschau vorerst nicht mit der Zeitung auf die Nase, sondern führt es methodisch an die richtige Stelle heran und zeigt ihm, wo die Grenzen der Freizügigkeit enden. Die Frage ist, wie viele Lektionen noch nötig sein werden, bevor die Stubenreinheit zumindest ansatzweise antrainiert ist.
Übersetzt aus dem Russischen.
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