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Ukrainische Drohnen werden zur Bedrohung für Finnland

rtnews by rtnews
01/04/2026
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Ein weiterer Absturz ukrainischer Drohnen, diesmal über Finnland, sorgt für Aufsehen. Helsinki spricht dabei zwar von einer “Verletzung der territorialen Integrität”, allerdings verzichtete die finnische Luftwaffe auf einen Abschuss der Drohnen. Wovon zeugt dieser Widerspruch?

Von Oleg Issaitschenko

Wladimir Selenskij hat ein Telefongespräch mit Finnlands Präsidenten Alexander Stubb geführt, nachdem eine ukrainische Drohne auf dem Gebiet des Landes abgestürzt war. Der ukrainische Staatschef schrieb dazu auf sozialen Netzwerken:

“Ich und Alex sehen diese Lage gleich. Wir gewähren alle notwendigen Informationen.”

Stubb selbst bestätigte den Dialog bisher nicht, allerdings hat sich das ukrainische Außenministerium bei Helsinki bereits entschuldigt.

Finnlands Regierung erklärte, dass sie ukrainische Drohnen in der Nähe der Stadt Kouvola nicht abgeschossen habe, weil diese keine unmittelbare Gefahr darstellte. Timo Herranen, Generalmajor der finnischen Luftwaffe, behauptete, eine der Drohnen wurde durch einen Jäger identifiziert, allerdings wurde keine Entscheidung über ein Eröffnen des Feuers getroffen – unter anderem, um Kollateralschäden zu vermeiden.

Am 29. März waren zwei Drohnen bei Kouvola abgestürzt, eine weitere stürzte auf das Meereis nahe Espoo ab. Später wurde eine der Drohnen als das ukrainische Modell AN196 identifiziert. Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo bezeichnete den Zwischenfall als eine “sehr ernste Sache”. Laut seiner Aussage wurden die Drohnen nicht abgeschossen, sondern stürzten von selbst ab.

Der Zwischenfall richtete bereits die Aufmerksamkeit der EU-Kommission auf sich. Deren Pressesprecher Thomas Regnier behauptete, dass Brüssel äußerst besorgt sei und die Lage aufmerksam beobachte. Regnier bemerkte:

“Lassen Sie mich daran erinnern, dass die Reaktion auf solche Invasionen vor allem in der Kompetenz der Mitgliedsstaaten liegt, und dass die Rede nicht vom ersten solchen Fall ist.”

In der vergangenen Woche waren Drohnen des ukrainischen Militärs auf dem Gebiet von Drittländern mit bemerkenswerter Häufigkeit abgestürzt. Eine Drohne war in der litauischen Gemeinde Varėna abgestürzt. In Estland war eine Drohne mit dem Schornstein eines Kraftwerks in Auvere zusammengestoßen. Die lokale Polizei erklärte, dass Wrackteile der Drohne ihren ukrainischen Ursprung bestätigen. Eine weitere Drohne drang in den lettischen Luftraum ein und stürzte in der Bezirksgemeinde Krāslava nahe der Grenze zu Weißrussland ab. Kurz zuvor hatten die baltischen Staaten eingewilligt, ukrainische Drohnen für Angriffe gegen Russland durch ihren Luftraum zu lassen.

Vor diesem Hintergrund merkt der Politologe Alexei Netschajew an: Die Länder der baltisch-skandinavischen Region werden immer öfter zu Teilnehmern an Kampfhandlungen des ukrainischen Militärs. Doch wie die Erfahrung zeigt, führt Hilfe für Selenskij unweigerlich zu Problemen und zunehmender Enttäuschung über die ukrainische Staatsführung.

Die baltischen Länder mögen die Ukraine unterstützen, doch sobald Drohnen auf ihrem Gebiet fallen, wird das Verhältnis zu einer solchen “Zusammenarbeit” besorgt und riskant. Netschajew vermutet:

“Sollten durch die Drohnen Zivilisten zu Schaden kommen, könnte das zu einem rapiden Anstieg an Unmut und antiukrainischen Stimmungen führen, wie es seinerzeit in Polen geschah. Das könnte wiederum zu Problemen für die amtierende Regierung führen.”

Der Militärexperte Boris Dscherelijewski merkte an:

“Die NATO-Staaten besprachen nach einer Reihe von Zwischenfällen mit unbekannten Drohnen über Europa im Jahr 2025, was mit solchen Maschinen zu tun sei. Die Entscheidung war eindeutig – abschießen. Jetzt erscheint Helsinkis Erklärung, wieso die Militärs kein Feuer gegen die Drohnen eröffneten, nicht überzeugend und eher als ein Versuch, die eigene Nichtteilnahme zu demonstrieren. Doch ich denke, dass Finnlands Regierung wusste, wem die Drohnen gehörten und wohin sie flogen.”

Dscherelijewski hält es für möglich, dass die Drohnen entweder vom finnischen Gebiet aus oder aus der Ostsee “von irgendeinem Frachtschiff unter neutraler Flagge” abgefeuert wurden und dass Finnlands Regierung dazu den eigenen Luftraum bereitstellte.

Vor diesem Hintergrund erinnerte der Analytiker an die Erfahrung des Baltikums: Litauen, Lettland und Estland öffneten ihren Himmel für Angriffe auf Russland. Dscherelijewski führt aus:

“Berücksichtigt man die russophobe Ausrichtung des finnischen Präsidenten, ist es durchaus möglich, dass Finnland dem Beispiel folgen könnte.”

Die Annahme, dass die Drohnen bloß vom Weg abgekommen seien, zweifelte der Experte an:

“Ich neige zur Annahme, dass die Drohnen von finnischem Gebiet aus abgefeuert wurden. Sie fliegen nämlich auf geringer Höhe und könnten mit einem Hindernis, etwa einem hohen Baum, einem Strommast oder einem Schornstein, wie in Estland, zusammenstoßen, was zu ihrem Absturz führte.”

Nach Ansicht des Kriegsberichterstatters Alexander Koz räumte Finnland offen ein, den eigenen Luftraum für ukrainische Angriffsmittel geöffnet zu haben. Auf seinem Telegram-Kanal fragte er:

“Und wenn sich ein paar ukrainische F-16 nach Finnland verirren, wird ihnen ebenfalls ein Korridor bereitgestellt, damit sie das Gebiet Leningrad angreifen?”

Koz meint weiter:

“Natürlich ist es ein offenes Geheimnis, dass NATO-Staaten ihren Luftraum für ukrainische Drohnen öffnen. Der Angriff gegen Ust-Luga kam ganz offensichtlich aus dem Baltikum. Dort sah man offenbar ebenfalls ‘keine Bedrohung’. Doch meiner Ansicht nach räumte ein hoher Vertreter eines NATO-Mitgliedslands erstmals ein, dass sie gar nicht erst vorhatten, die Drohnen abzuschießen.”

Insgesamt gibt es mehrere Versionen, wo die in Finnland abgestürzten ukrainischen Drohnen tatsächlich gestartet wurden, meint der Militärexperte Alexei Anpilogow. Erstens könnten die Drohnen vom Gebiet der Ukraine gestartet worden und versehentlich nach Finnland gelangt sein. Zweitens könnte es sich um eine Aktion der ukrainischen Geheimdienste auf finnischem Gebiet handeln, die wahrscheinlich in Helsinki bekannt war. Drittens könnte der Start von kommerziellen oder sogar privaten Schiffen und Yachten aus der Ostsee oder dem Finnischen Meerbusen erfolgt sein. Anpilogow führt aus:

“Heute hat Finnland sämtliche technische Möglichkeiten, um die Flugbahn der abgestürzten Drohnen nachzuverfolgen und zu erfahren, wo sie gestartet wurden und mit welcher Geschwindigkeit und auf welcher Strecke sie flogen.”

Sämtliche relevanten Informationen werden im internen Speicher der Drohne aufgezeichnet, so der Experte weiter. Die Frage bestehe lediglich darin, inwiefern es für Finnland politisch vorteilhaft ist, die Wahrheit über den Vorfall zu berichten. Anpilogow betonte:

“Keine der oben angeführten Versionen wird für Kiew, Helsinki oder das bilaterale Verhältnis der beiden Staaten positiv sein. Streng gesprochen, beobachten wir eine böswillige Verletzung der finnischen Souveränität und der kollektiven Sicherheit der NATO sowie gänzlich feindselige Aktionen der Ukraine, die Finnland unmittelbar in den Konflikt hineinzieht.”

Dabei habe Russland wenige Möglichkeiten, die Wahrheit einer der Versionen sachlich zu beweisen. Aus technischer Sicht sei dies eine recht schwierige Aufgabe:

“Erstens nutzen die Drohnen des ukrainischen Militärs das US-amerikanische Starlink-Satellitennetzwerk oder lokale Telefonnetzwerke über spezielle Modems. Zweitens ist es schwierig, die Drohnen durch Mittel der objektiven Kontrolle aufzuspüren. Radaranlagen verfügen über Beschränkungen in Form des Radiohorizonts, Aufklärungssatelliten filmen die Erdoberfläche nicht ununterbrochen, sondern in längeren Intervallen. Eine schnell genug fliegende Drohne aufzuspüren, ist fast unmöglich.”

Doch selbst wenn eine Drohne ins Objektiv eines Satelliten geraten würde, wäre es unmöglich, ihre Zugehörigkeit, ihren Startpunkt, ihre Flugbahn und ihr Ziel zu bestimmen. Der Experte betont:

“Daher sind heute die Finnen die Einzigen, die über wahre Information dazu verfügen.”

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 30. März.

Mehr zum Thema – Ukrainische Drohnen machen das Baltikum zur Zielscheibe



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Tags: bedrohungDrohnenFinnlandfürUkrainischeWerdenzur
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