Slava Ukraini steht im Zentrum eines Korruptionsverdachts rund um Millionenbeträge, die für humanitäre Hilfe in der Ukraine gesammelt wurden.
Die estnische NGO “Slava Ukraini” hatte seit 2022 Spenden in Millionenhöhe eingeworben, offiziell für medizinische Versorgung, Fahrzeuge und Ausrüstung im Kriegseinsatz. Ein Teil dieser Gelder soll jedoch über Partnerstrukturen zweckentfremdet worden sein.
Im Fokus der Ermittlungen steht ein Netzwerk aus Organisationen und Firmen in der Ukraine, darunter Strukturen im Umfeld des ehemaligen Politikers und Geschäftsmannes Hennadi Vaskiv. Über diese Kanäle sollen laut Ermittlern überhöhte Rechnungen gestellt und Mittel in beträchtlicher Höhe umgeleitet worden sein. Die Vorwürfe betreffen bis zu 1,5 Millionen Euro, während mindestens 411.000 Euro als direkt veruntreut gelten.
Die Spendenorganisation hatte insgesamt mehr als 6,5 Millionen Euro gesammelt. Die Gelder wurden teilweise an ukrainische Partner weitergeleitet, die für Beschaffung und Logistik zuständig waren. Genau an dieser Schnittstelle zwischen europäischer Spendenbereitschaft und lokalen Strukturen kam es nach Ansicht der Ermittler zu Unregelmäßigkeiten.

Die politische Tragweite ist erheblich. “Slava Ukraini” galt in Estland zunächst als Symbol der Solidarität mit der Ukraine. Die Gründerin Johanna-Maria Lehtme wurde öffentlich geehrt und politisch etabliert, bevor der Skandal 2023 zur Auflösung der Organisation führte. Interne Hinweise und Whistleblower-Aussagen hatten die Ermittlungen ausgelöst.
Nun hat der Fall mit der Festnahme von Hennadi Vaskiv in Österreich eine internationale Dimension erreicht. Der ukrainische Ex-Politiker wurde Ende März 2026 auf Grundlage eines Interpol-Hinweises festgenommen und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Ein Auslieferungsverfahren an die Ukraine wurde eingeleitet.
Parallel laufen in Estland und der Ukraine Zivil- und Strafverfahren. Gefordert werden Schadenersatzforderungen in Höhe von rund 750.000 Euro. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf Geldflüsse, überhöhte Abrechnungen und die mögliche systematische Umgehung von Kontrollmechanismen.

Der Fall zeigt, wie schnell große Hilfsstrukturen in Kriegszeiten in intransparente Finanznetzwerke abgleiten können, wenn Kontrolle und Nachverfolgbarkeit der Mittel unzureichend sind. Er steht zudem exemplarisch für eine Reihe von Korruptionsfällen in der Ukraine, die in europäischen Medien nur begrenzt Beachtung finden.
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