
Donald Trump soll der Kragen geplatzt sein: In einem Telefonat mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, über das der US-Nachrichtendienst Axios unter Berufung auf zwei US-Regierungsvertreter und eine weitere eingeweihte Person berichtete, soll der US-Präsident seinen engsten Verbündeten im Nahen Osten in einem schroffen, von Flüchen durchsetzten Monolog zusammengestaucht haben. Unter anderem soll er ihn als “fucking crazy” bezeichnet und gesagt haben:
“Du wärst im Gefängnis, wenn es mich nicht gäbe. Ich rette deinen Hintern. Alle hassen dich jetzt. Alle hassen Israel wegen dieser Sache hier.”
Laut einem der US-Vertreter fügte Trump hinzu: “Was zum Teufel tust du?”
Der unmittelbare Auslöser war Israels eskalierende Offensive im Libanon. Konkret ging es um die Drohung Netanjahus, Ziele in der Hauptstadt Beirut zu bombardieren. Trump sah darin eine unverhältnismäßige Reaktion auf Hisbollah-Angriffe – und vor allem eine direkte Bedrohung für laufende Verhandlungen mit Iran. Tatsächlich hatte Teheran noch am selben Tag damit gedroht, die Gespräche mit Washington abzubrechen. Laut Axios stoppte Trump Israels Pläne für einen Beirut-Angriff. Kurz nach dem Gespräch postete er auf Truth Social, die Iran-Verhandlungen liefen “in rasantem Tempo” weiter.
Harmonische Fassade, rauer Kern
Das Telefonat vom Montag war kein Einzelfall. Trump und Netanjahu haben seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit mehrfach angespannte Gespräche geführt. Nach außen hin wurde bis dato jedoch ein Bild uneingeschränkter Freundschaft gepflegt. Netanjahu hatte noch im Dezember 2025 auf Fox News “Fake-Berichte” über Differenzen zurückgewiesen und Trump als einen der größten Freunde Israels aller Zeiten bezeichnet, auch Trump fand überwiegend wohlwollende Worte für den Verbündeten.
Doch bereits im Mai hatte ein angespanntes Gespräch zwischen den beiden Spitzenpolitikern stattgefunden. Trump hatte damals zunächst eine Fortsetzung der Schläge gegen Iran angekündigt, war dann aber auf Wunsch der Verbündeten Quatar, VAE und Saudi-Arabien davon abgerückt. Netanjahu soll einer israelischen Quelle zufolge sehr frustriert über Trumps Entscheidung gewesen sein, dem Weg der Diplomatie den Vorzug zu geben.
Wie Israel Amerika in den Iran-Krieg zog
Interessant wird dieser Wutausbruch Trumps im größeren Kontext. Der US-Präsident war unter anderem für sein Versprechen, Amerika aus neuen Kriegen herauszuhalten, erneut ins Amt gewählt worden. Dass die USA am 28. Februar 2026 mit Israel gemeinsam Iran angriffen, sorgte entsprechend für großen Unmut, zu dem sich noch die Empörung über die Nichtherausgabe der Epstein-Files gesellte. Die spektakuläre Kehrtwendung Trumps lässt sich unter anderem mit der starken finanziellen Involviertheit pro-israelische Lobbyorganisationen wie AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) im US-Wahlkampf und Politikbetrieb erklären. AIPAC hatte im Wahlzyklus des Jahres 2024 zig Millionen Dollar in Kongresswahlkämpfe gepumpt und positionierte sich klar für ein US-Eingreifen in Iran. Der republikanisch-jüdische Dachverband Republican Jewish Coalition investierte mehr als 14 Millionen US-Dollar in die Unterstützung Trumps seit dem Jahr 2020. Die israelisch-amerikanische Großspenderin Miriam Adelson steuerte über ihr PAC rund 120 Millionen US-Dollar zum Wahlkampf bei.
Kommt jetzt eine Kehrtwende?
Der jüngste Wutausbruch deutet nun möglicherweise auf eine Verschiebung hin. Zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Krieges bremste Trump seinen Verbündeten öffentlich sichtbar aus – und verknüpfte das unmissverständlich mit dem Schutz seiner Verhandlungsagenda. Laut dem in Axios zitierten US-Vertreter “überrollte” Trump Netanjahu im Gespräch regelrecht: “Bibi sagte: Okay, okay, sorge einfach dafür, dass alles geregelt wird.”
Israel werde vorerst keine Hisbollah-Ziele in Beirut angreifen, bestätigte ein israelischer Vertreter danach gegenüber Axios. Ob dies eine echte Kurskorrektur ist, bleibt offen. Feststeht, dass Trump unter Druck steht: Er muss zum einen seine Partner in der arabischen Welt zufriedenstellen, zum anderen seine Wähler daheim: Ein nicht geringer Teil seiner Wählerschaft sieht in Trumps proisraelischem Kurs Verrat an der “America First”-Sache. Dies sind vor allem auch Wähler der Mitte, die im Jahr 2024 für Trump stimmten. Holt Trump diese Wählergruppe nicht wieder mit ins Boot, ist das nicht nur ein Problem für die anstehenden Midterms, sondern auch für sein Erbe und die zukünftigen Aussichten des republikanischen Präsidentschaftskandidaten im Jahr 2028.
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