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Russland als Energie-Drehscheibe: Putin-Besuch in China unterstreicht enge Partnerschaft

rtnews by rtnews
20/05/2026
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Seit der Schließung der Straße von Hormus wächst in Peking die Sorge über Chinas anhaltende Abhängigkeit von Energieimporten auf dem Seeweg. Diese Entwicklung könnte einen Durchbruch in den Verhandlungen zwischen Peking und Moskau über das Pipeline-Projekt “Power of Siberia 2” begünstigen.

Von Armin Schmitt

Ein aufschlussreicher Moment ereignete sich am zweiten Tag von Trumps Besuch in China. Am 15. Mai spazierte der amerikanische Präsident gemeinsam mit Xi Jinping durch die Gärten von Zhongnanhai, dem Residenz- und Regierungssitz der chinesischen Führung. Trump fragte seinen Gastgeber, ob er dort häufig ausländische Staatschefs empfange. “Sehr selten”, antwortete Xi. Mit einem Schmunzeln fügte er hinzu: “Putin war zum Beispiel schon einmal hier.” Keine 24 Stunden später wurde bekannt, dass auch der russische Präsident Wladimir Putin Trumps Beispiel folgen und am 19. und 20. Mai zu einem Besuch nach Peking reisen würde.

Putin traf am Dienstag in Peking ein. Der Zeitpunkt seines Besuchs sendete ein klares Signal: Xi Jinping machte deutlich, dass eine Stabilisierung der Beziehungen zu den USA nicht auf Kosten seiner uneingeschränkten Partnerschaft mit dem Kreml gehen würde. Einige China-Falken in den USA befürworten einen Wiederaufbau der Beziehungen zu Russland, um China zu schwächen und zu isolieren – eine Strategie, die sie als “umgekehrtes Nixon” bezeichnen. Tatsächlich könnten die wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen zwischen Russland und China infolge des inzwischen aus dem Ruder laufenden amerikanischen Krieges gegen Iran sogar noch enger werden.

Xi und Putin, die beide die von den USA dominierte Weltordnung herausfordern wollen, dürften in Peking auch über Trumps jüngste Militäraktionen gegen Iran und Venezuela beraten haben – zwei Staaten mit engen Beziehungen zu Moskau und Peking. 

Xi dürfte Putin über zentrale Inhalte seiner Gespräche mit Donald Trump informieren – und mit ihm abstimmen, wie Moskau und Peking ihre Beziehungen zu Trump künftig gestalten können.

Auf der Agenda des Kremls steht vor allem der Bau einer neuen Gaspipeline zwischen Russland und China. Seit Jahren verhandeln beide Seiten über das Projekt “Power of Siberia 2” (Sila Sibiri 2), eine rund 2.600 Kilometer lange Leitung, die jährlich bis zu 50 Milliarden Kubikmeter Gas von Ostrussland über die Mongolei nach Nordchina transportieren soll.

Moskau hat wiederholt den Eindruck erweckt, das Projekt stehe kurz vor dem Abschluss. Doch Peking zögert bislang – nicht zuletzt, weil China zu große Abhängigkeiten von einzelnen Partnern vermeiden will. Von seinem China-Besuch Anfang September 2025 brachte Präsident Putin letztlich nur ein Memorandum über den möglichen Bau der Pipeline mit zurück. Putins außenpolitischer Berater, Juri Uschakow, sagte bereits am Montag, man werde die Pipeline-Frage “sehr detailliert” besprechen. 

Die Lage hat sich nunmehr komplett geändert: Seit der Schließung der Straße von Hormus wächst in Peking die Sorge über Chinas anhaltende Abhängigkeit von Energieimporten auf dem Seeweg. Noch immer werden rund 90 Prozent der chinesischen Ölimporte per Schiff transportiert – überwiegend aus dem Nahen Osten. Dies könnte dazu führen, dass die Volksrepublik ihre Energieimporte künftig stärker auf den Landweg verlagert – zumal dieser nicht nur sicherer, sondern oft auch günstiger ist.

Iwan Timofejew, Generaldirektor des Russischen Rates für Internationale Angelegenheiten – einer Denkfabrik, die vom russischen Außenministerium mitbegründet wurde – sagte, der Nahostkonflikt habe gezeigt, dass Russland für China die mit Logistikrouten und dem Persischen Golf verbundenen Risiken abfedern könne. “Russland behält in solchen Eskalationsszenarien eine entscheidende strategische Rolle für China”, erklärte Timofejew am Freitag bei einer Pressekonferenz in Moskau. 

Eine weitere Priorität Moskaus dürfte darin bestehen, sicherzustellen, dass China Russland im Ukraine-Krieg weiterhin diplomatisch unterstützt. Xi Jinping wiederum dürfte auf eine engere Zusammenarbeit beim Ausbau der chinesischen Militärkapazitäten drängen – insbesondere in den Bereichen Drohnentechnologie und U-Boot-Kriegsführung. Obwohl China einst der weltweit größte Abnehmer russischer Waffen war, sind die Käufe in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, da Peking den Großteil seiner Rüstungsgüter inzwischen selbst produziert.

Tatsächlich sprechen viele Faktoren dafür, dass die Verbindung zwischen der Volksrepublik China und der Russischen Föderation belastbar und intensiv bleibt. Die regelmäßigen gegenseitigen Besuche von Xi und Putin sind ein deutliches Zeichen dieser Stabilität. Im Jahr 2025 führte die Volksrepublik Visafreiheit für russische Staatsbürger ein, Russland zog wenige Monate später nach. Auf der chinesischen Ferieninsel Hainan stieg die Zahl russischer Touristen nach Angaben aus Russland im Januar und Februar um mehr als 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch in Shanghai und anderen chinesischen Großstädten sind russische Besucher deutlich sichtbarer geworden, nicht zuletzt weil viele europäische Reiseziele infolge der Sanktionspolitik weggefallen sind. Die politische und gesellschaftliche Annäherung beider Staaten in dieser Geschwindigkeit gilt als historisch ungewöhnlich.

Eine tiefere Integration im eurasischen Raum könnte langfristig neue Blockbildungen befördern und damit die von den USA dominierte Weltordnung weiter herausfordern.

Mehr zum Thema – Trump in China: Prunkvoller Empfang in Peking, wenig Substanz beim Gipfel



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Tags: alsChinaEnergieDrehscheibeEngePartnerschaftPutinBesuchrusslandunterstreicht
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