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Ölkrise bald überwunden? Der Schein am Ende des Tunnels trügt

rtnews by rtnews
29/08/2026
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Die wohl beunruhigendste Entwicklung für die globalen Märkte: Tatsächliche Erdölreserven werden zunehmend durch virtuelle ersetzt. So soll die Internationale Energieagentur rechnerisch über 1,6 Milliarden Barrel verfügen. Doch heizen und fahren kann man mit diesem Öl nicht.

Von Dmitri Lekuch

Die wohl beunruhigendste Entwicklung für die globalen Märkte ist, dass die tatsächlichen Erdölreserven weltweit zunehmend durch virtuelle ersetzt werden. Das heißt, die harte Realität weicht im Informationsraum den munteren Pokerfaces allerlei Offizieller und Funktionäre, die fröhlich die Heilsbotschaft verkünden: Die Straße von Hormus sei in Wirklichkeit wieder “fast offen”, und die kommerziellen sowie strategischen Reserven der Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seien praktisch unerschöpflich. Ihr sollt euch alle nur noch ein wenig gedulden.

Erst kürzlich hat der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, es doch tatsächlich geschafft, die Möglichkeit neuer Öllieferungen aus strategischen Reserven nicht auszuschließen. Er warnte dabei sogar, dass der Welt schwere Zeiten bevorstünden, sollte die Straße von Hormus nicht bald geöffnet werden. Anschließend jedoch versicherte er seinem Publikum, die Länder der von ihm geführten Organisation bräuchten sich vorerst überhaupt keine Sorgen zu machen. Verzeihen Sie mir, doch ich muss das zitieren – sonst könnte man mir als Journalist inkorrekte Berichterstattung vorwerfen. Darum tief einatmen und aufgepasst:

“Am 11. März haben wir 400 Millionen Barrel Erdöl aus unseren Reserven auf den Markt gebracht. Die Preise fielen damals sofort um 20 US-Dollar. Das war unser größter Eingriff, und er war wirksam. Aber das waren nur 20 Prozent unserer Reserven; 80 Prozent sind noch verfügbar: Falls nötig, werden wir nicht zögern, weitere Reserven freizugeben.”

Daraufhin führten einige, die rechnen können, sofort eine einfache Rechnung durch – und wurden mühelos gewahr, dass Herr Birol, wenn er nur 20 Prozent der Reserven (also 400 Millionen Barrel) genutzt hat, nun stolzer Besitzer gigantischer Mengen von über 1,6 Milliarden Barrel Erdöl ist. Nun gilt es lediglich herauszufinden, wo diese sagenhaften Reserven gelagert sind, denn ohne sie ersticken die Märkte förmlich.

Beispielsweise sind laut US-amerikanischen Statistikern in den Vereinigten Staaten selbst – also dem Land, das unbestreitbar die weltweit größten strategischen Ölreserven besitzt – nach 20 Wochen Rückgang in Folge alle Reserven Anfang August 2026 unter 300 Millionen Barrel gefallen. Darüber hinaus konnte ein erheblicher Teil dieser Reserven – offiziell aufgrund “technischer Probleme” – nicht aus den Lagern entnommen werden; anscheinend ein einigermaßen dauerhafter Zustand.

Ganz unabhängig davon, welche Gründe dafür vorliegen: Diese Mengen sind also auch für die Märkte grundsätzlich unzugänglich. Dies ist eine unbestreitbare, rein mathematische Tatsache.

Überraschenderweise liefert die Bank of America – kurioserweise und ganz unpatriotisch – das präziseste Bild: Sie erklärt, dass der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus auf etwa 80 bis 100 Schiffe pro Tag (derzeit sind es fünf bis zehn) ansteigen müsse, um eine relative Marktstabilisierung zu erreichen. Und keine realistisch denkbaren Reserven der Welt können hier auch nur irgendetwas ausrichten, da das Defizit an Durchsatzkapazität dort verschiedenen Quellen zufolge zwischen 10 und 15 Millionen Barrel pro Tag (bpd) liegt.

Allen Bemühungen zum Trotz wächst etwa die US-amerikanische Produktion derweil nur moderat. Und die russischen Reserven (die, fairerweise gesagt, ebenfalls nicht zu den am schnellsten wachsenden gehören), die die Verluste zumindest teilweise ausgleichen könnten, erreichen die Weltmärkte schlichtweg nicht: Sie werden buchstäblich noch im Erdreich von Indien und China aufgekauft.

Was wiederum Russland dazu zwingt, zumindest seine anderweitigen Exporte einzuschränken.

Doch das ist erst der Anfang; der wahre Spaß beginnt unweigerlich, wenn auch andere Ölförderländer Exportbeschränkungen einführen – sobald nämlich auch sie gezwungen sind, ihre heimischen Märkte zu schützen. Darüber hinaus schließen wir nicht aus, dass die Vereinigten Staaten zu den ersten gehören werden, die diesen verhängnisvollen Weg für den globalen Energieverbrauch beschreiten.

Dann aber, wie es so schön heißt, könnte sich das Licht am Ende des Tunnels als Scheinwerfer eines entgegenkommenden Zuges entpuppen.

Und es ist unwahrscheinlich, dass es aus diesem Tunnel ein Entrinnen geben wird.

Übersetzt aus dem Russischen.

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Dmitri Lekuch ist ein russischer Unternehmer (Werbeindustrie), Prosaautor, Publizist und Journalist sowie politischer Beobachter bei RIA Nowosti. Er erforscht zudem das Phänomen der osteuropäischen Fußballfan- und Hooliganbewegungen.

Mehr zum Thema – Und plötzlich geht hier nichts mehr – Was wenn Bab al-Mandab geschlossen wird?



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Tags: baldderdesEndeÖlkriseScheintrügtTunnelsüberwunden
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