
Das norwegische Königshaus hat einen Todesfall zu beklagen. König Harald V., um dessen Gesundheitszustand es schon seit einigen Tagen nicht gut stand, verschied am heutigen Morgen um 6.35 Uhr im Universitätsklinikum Oslo. Dies teilte die offizielle Webseite der Monarchie mit.
Medienberichten zufolge soll König Harald an einer hämolytischen Anämie gelitten haben, die mit Kortison behandelt wurde, was eine Flüssigkeitsansammlung im Körper zur Folge hatte. Zuletzt war auch die Rede von einer bakteriellen Infektion des Blutkreislaufs, die sich der König zugezogen hatte.
Die heutige Todesnachricht kommt nicht unerwartet. Bereits am Donnerstag hatte der Palast bekanntgegeben, dass sich König Haralds Zustand weiterhin verschlechtere und als “sehr ernst” eingestuft werde. Die norwegische Königsfamilie strich deshalb kurzfristig ihre Termine und versammelte sich um das Krankenbett des Monarchen.
Ähnlich hatten gestern hohe Würdenträger aus Politik und Kirche reagiert: Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre sagte seine geplante Deutschlandreise ab, das Bischofskollegium der Norwegischen Kirche beendete seine Romreise vorzeitig, ebenso der norwegische Parlamentspräsident Masud Gharakhnani, der früher als geplant von seiner Asienreise zurückkehrte.
Der nun im Alter von 89 Jahren verstorbene Harald V. war seit 1991 König von Norwegen und galt als sehr beliebt im Land. Der Ururenkel der britischen Königin Victoria erlebte in seiner Kindheit unruhige Zeiten: Er war drei Jahre alt, als die Wehrmacht 1940 in Norwegen einmarschierte. Seine Mutter, Kronprinzessin Märtha, flüchtete mit ihren Kindern erst nach Schweden, dann in die Vereinigten Staaten.
1968 heiratete der damalige Kronprinz Harald die Bürgerliche Sonja Haraldsen. Er hatte neun Jahre darum gekämpft, diese Ehe durchzusetzen, und andernfalls mit dem Verzicht auf die Königskrone gedroht. Nachdem im Januar 1991 sein Vater König Olav V. verstorben war, folgte ihm Harald auf dem norwegischen Königsthron nach. Seit seiner Amtsübernahme lautete König Haralds und auch Königin Sonjas Motto: “Wir geben alles für Norwegen.”
Diesem Motto blieb der Monarch bis zuletzt treu. Trotz gesundheitlicher Probleme in den vergangenen Jahren lehnte Harald V. eine Abdankung stets ab. Seine Überzeugung war: “Ein König ist entweder gesund oder tot.” Sein vor dem Parlament abgelegter Amtseid gelte sein Lebtag lang, so die Ansicht des Königs.
Mit König Haralds Tod wurde automatisch sein Sohn, der bisherige Kronprinz Haakon, neuer norwegischer Monarch. Der 53-Jährige ist nun als König Haakon VIII. das Staatsoberhaupt der konstitutionellen Monarchie. Seine Thronbesteigung fällt in eine Zeit, in der sich die Königsfamilie in einer Krise befindet.
Denn das norwegische Königshaus hatte zuletzt durch Skandale Negativ-Schlagzeilen gemacht: Erst im Juni war Haakons Stiefsohn, der Sohn von Königin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung, zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Und auch die damalige Kronprinzessin Mette-Marit selbst musste sich wegen ihrer Kontakte zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein rechtfertigen. Es ist auch noch ungewiss, ob die frisch lungentransplantierte Mette-Marit sämtliche Pflichten einer norwegischen Königin wird übernehmen können.
König Haakons Vereidigung vor dem norwegischen Parlament dürfte bald bei einer Sondersitzung erfolgen, auch wenn noch kein offizieller Termin bekanntgegeben wurde. Eine eigentliche Krönungszeremonie gibt es seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr. Allerdings wird erwartet, dass nach einer Trauerphase eine feierliche Segnung des neuen Königspaares stattfinden wird. So hatte es auch der verstorbene König Harald 1991 gehandhabt.
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