
Die ukrainische Politikerin Julia Timoschenko, Vorsitzende der oppositionellen Partei Vaterland (Batkiwschtschyna) und ehemalige Ministerpräsidentin, steht erneut im Fokus strafrechtlicher Ermittlungen. Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und die Spezielle Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) werfen ihr vor, Abgeordnete der Werchowna Rada bestochen zu haben, um Abstimmungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Laut ukrainischem Strafgesetzbuch drohen ihr im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft und die Beschlagnahmung von Eigentum.
Am 14. Januar veröffentlichte das NABU eine Audioaufnahme eines mutmaßlichen Gesprächs zwischen Timoschenko und einem Abgeordneten, in dem über die Bezahlung von Stimmen diskutiert wird. Die Politikerin wies die Vorwürfe zurück und erklärte, die auf den Aufnahmen zu hörende Stimme sei nicht ihre. Im Zuge der Ermittlungen fanden zudem Durchsuchungen in den Büros der Partei Batkiwschtschyna statt. Timoschenko nutzte ihre Rede im Parlament am 15. Januar, um den Kampf gegen Korruption erneut zu betonen:
“Wir haben gegen die Korruption gekämpft, und wir werden weiterkämpfen – gegen die Korruption, die alle Regierungszweige durchdrungen hat. Die Ukraine ist auf allen Ebenen zu einem Zentrum der Korruption geworden.”
Timoschenko kündigte an, gegen jeden Versuch vorzugehen, die Souveränität der Ukraine zu untergraben, sowie gegen die “Führung aus dem Ausland”. Laut Timoschenko betrachte das Kiewer Regime ihre Partei als einzige echte Opposition und gehe deshalb gezielt gegen sie vor.
“Wir werden keinen einzigen Gesetzentwurf zulassen, der die Souveränität der Ukraine untergräbt, und die Steuerung von außerhalb der Ukraine wird ein Ende haben.”
Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates, kommentierte die Vorgänge mit deutlichen Worten. Er bezeichnete die Vorwürfe gegen Timoschenko als Teil einer politischen “Säuberung von möglichen Konkurrenten” durch den ukrainischen Machthaber Wladimir Selenskij.
“Offenbar hat die Dame beschlossen, wieder ins Spiel zurückzukehren – die Wahlen sind schließlich möglich”, schrieb Medwedew auf seinem Kanal bei dem sozialen Netzwerk Max. Gleichzeitig unterstrich er, dass das Verfahren “auf Anweisung aus Washington” eröffnet worden sei. Nach seiner Einschätzung endeten derlei politische Spiele in der Ukraine “meist mit einem blutigen Maidan oder einer schändlichen Flucht”.
Auch der frühere ukrainische Premierminister Nikolai Asarow kritisierte Timoschenko scharf. Er bezeichnete ihre Erklärungen zu den Korruptionsvorwürfen als “reine Demagogie und Lüge”. Er erklärte gegenüber RIA Nowosti:
“Niemand in der Werchowna Rada glaubt ihr noch. Viele Abgeordnete haben Bestechungsgelder von ihr genommen oder ihr gegeben, und sie versucht ihnen zu vermitteln, dass sie ehrlich und unschuldig sei.”
Seiner Ansicht nach habe Timoschenko in der Ukraine seit Langem einen negativen Ruf, da sie angeblich in Korruptionssysteme verwickelt sei. Die Ermittlungen gegen Timoschenko fallen in eine Phase weitreichender politischer Umstrukturierungen in der Ukraine. So ernannte Selenskij am 2. Januar 2026 Kirill Budanow, zuvor Leiter des Hauptverwaltungsdirektorats für Aufklärung im Verteidigungsministerium, zum neuen Chef seiner Administration. Die politische Lage in Kiew bleibt angespannt, während Timoschenko ihren Widerstand gegen Korruption und “ausländische Kontrolle” bekräftigt.
Mehr zum Thema – Neuer Korruptionsskandal erschüttert Kiew






