
Führungsriegen einiger europäischer Länder wollen einem Bericht von Politico zufolge an den Verhandlungstisch zum iranischen Atomprogramm zurückkehren. Das Blatt schreibt hierzu unter Berufung auf Beamte:
“EU-Spitzenpolitiker sehen für Brüssel die Chance, in der technischen Phase der Verhandlungen eine bedeutendere Rolle zu spielen.”
Politico behauptet ferner, dass die europäische Außenpolitikbeauftragte Kaja Kallas am Freitag der 26. Kalenderwoche nach Oman reisen soll, um sich mit Vertretern der Arabischen Liga zu treffen. Dies geschieht kurz nach dem Erscheinen von Berichten seitens Vermittlern über Fortschritte in den Kontakten zwischen den USA und dem Iran, unterstreicht das Blatt. Die Journalisten erinnern daran, dass die EU zuvor über längere Zeit faktisch von den Verhandlungen ausgeschlossen war – Brüssel wolle diesen so wahrgenommenen Missstand aber beheben. Beamte führen ihre Erfahrung bei der Entwicklung des Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplans (JCPOA) zum iranischen Atomprogramm, der 2015 abgeschlossen wurde, als eines ihrer Argumente an. Eine der Quellen erklärt:
“Ein diplomatischer Durchbruch ist nötig, um den Prozess in Gang zu bringen. Wenn es dazu kommt, verfügt der Europäische Auswärtige Dienst über einzigartige Erfahrung, die die Arbeit der IAEO ergänzt.”
Politico zufolge erwarte Brüssel, bei der Überwachung der Umsetzung der zu erreichenden Übereinkünfte eine Rolle zu spielen – nicht zuletzt auch deswegen, weil die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO), ein Institut mit selbigen Funktionen, ihren Sitz in guter Erreichbarkeit in Wien hat. Gleichzeitig bleiben die Möglichkeiten der EU begrenzt: So brach Israel, eine der maßgeblichen Seiten mit Interessen in dieser Sache, den Kontakt zu Kallas nach ihren scharfen Äußerungen gegen Tel Aviv faktisch ab. Ein Diplomat beklagte:
“Wir haben ein Assoziierungsabkommen mit diesem Land – und jetzt wollen sie mit ihr nicht interagieren.”
Am Vorabend, dem 21. Juni 2026, endete in der Schweiz die erste Runde der technischen Gespräche zwischen den USA und dem Iran. Die Teilnehmer hatten sich auf einen Fahrplan für den Abschluss von Abkommen zwischen Washington und Teheran innerhalb von 60 Tagen geeinigt.
Ferner vereinbarten die Parteien einen Kommunikationsweg, um Zwischenfälle und Missverständnisse hinsichtlich der sicheren Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu vermeiden. Irans Außenminister Abbas Araghtschi hielt im Anschluss an das Treffen fest, dass dank der Bemühungen der Vermittler die Beschränkungen für iranische Ölexporte aufgehoben, einige Vermögenswerte des Iran im Ausland freigegeben und ein Plan für den Wiederaufbau des Landes ins Leben gerufen worden seien. Wie der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghaei, mitteilte, trafen sich die Delegationen, um die Umsetzung der Verpflichtungen aus der Vereinbarung zu erörtern, die die Parteien am vergangenen Donnerstag per Videokonferenz unterzeichnet hatten.
Die Vereinbarung sieht einen sofortigen Waffenstillstand an allen Fronten vor – einschließlich des israelischen Überfalls auf den Libanon – und legt einen Zeitplan für die Aufhebung der Seeblockade und die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus fest.
Am Samstag verkündete das iranische Militärkommando erneut die Schließung der Straße von Hormus. Aufgrund des Vorgehens Israels warf der Iran den Vereinigten Staaten vor, gegen den ersten Punkt des Abkommens verstoßen zu haben. Teheran forderte Washington auf, unverzüglich Maßnahmen gegen Tel Aviv zu ergreifen, und warnte, dass andernfalls das endgültige Abkommen gefährdet sei.
Auch aus Washington kamen beunruhigende Signale, die Zweifel an einer friedlichen Beilegung des Konflikts um den Iran in der nächsten Zukunft aufkommen lassen.
Mehr zum Thema – US-Iran-Gespräche in der Schweiz: Großer Fortschritt trotz Trumps scharfer Drohung?







