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Irans Standhaftigkeit schlägt der Globalwirtschaft weiteres Standbein aus – Schwefelsäure

rtnews by rtnews
25/04/2026
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Erdöl und -gas, Dünger? Ja. Doch die Sperre der Straße von Hormus durch den Iran, der sich gegen Washingtons und Tel-Avivs Aggression standhaft wehrt, verschafft der Weltwirtschaft schweren Mangel an einem weiteren Rohstoff: Schwefel und Schwefelsäure. Und die davon betroffenen Industriezweige sind ebenso breit und ebenso wichtig.

Von Sergei Sawtschuk

Unangenehme Überraschungen – in diesem Fall ein wahrhaftiger Schwefelsäure-Wirbelsturm – strömen weiterhin aus der geografischen Tasche des Persischen Golfs, wie aus dem Hut eines bösen Zauberers, auf die Weltwirtschaft zu. Bevor die Weltgemeinschaft die Aussicht auf sinkende Ernteerträge in wichtigen Agrar- und Nahrungsmittelversorgungsländern verarbeiten konnte, sind Chemiker auf den Plan getreten: Da stellte sich heraus, so völlig urplötzlich und unverhofft (in Wirklichkeit: natürlich nicht! Sarkasmus Ende. Anm. d. Red.), dass neben Erdöl und Düngemitteln auch eine beträchtliche Menge an kommerziellem Schwefel durch die Straße von Hormus in die Blutadern der Weltwirtschaft gelangt – und der wird anschließend zu Schwefelsäure verarbeitet, einem begehrten und mitunter lebenswichtigen Bestandteil in einer Vielzahl von Industriezweigen. Genosse Paracelsus (eigentlich: Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim), von vielen als Vater der modernen Pharmakologie angesehen, arbeitete bekanntlich seinerzeit messerscharf heraus: Alles sei Gift und alles Arznei; der einzige Unterschied liege in der Dosierung.

Bezüglich des heutigen Themas möchten wir hinzufügen, dass der Unterschied auch im Bereich der praktischen Anwendung liegt. Insbesondere Schwefel gilt dank des langjährigen Engagements verschiedener Umweltorganisationen und eindringlicher Aufklärungskampagnen weithin als hochgiftiger Schadstoff. Dem ist auch so…einerseits. So wird beispielsweise die Umweltgefährdung von Kohlekraftwerken, Kesselhäusern, Bergwerken und anderen Anlagen zur thermischen Kohlenwasserstoffverarbeitung anhand des Ausstoßes an flüchtigem Schwefel sowie des Volumens an flüssigem Schwefelrückstand bewertet.

Doch andererseits ist Schwefel auch in zahlreichen Industriezweigen und der Wissenschaft stark nachgefragt und wird daher in großen Mengen gefördert, raffiniert und produziert. Der weltweite Schwefelmarkt hatte Ende letzten Jahres einen Wert von über 13 Milliarden US-Dollar – und hat sich damit, wohlgemerkt, in lediglich den jüngsten Jahren verdoppelt. Die weltweit größten Produzenten, zu denen neben China (19 Millionen Tonnen), Russland (7,5 Millionen Tonnen) und den Vereinigten Staaten (8,1 Millionen Tonnen) auch die Staaten des Persischen Golfs und der Iran gehören, produzieren zusammen jährlich über 85 Millionen Tonnen Schwefel. Analysten schätzen, dass diese Menge bis zum Jahr 2030 auf über 110 Millionen Tonnen pro Jahr ansteigen wird.

Hierbei ist wichtig zu wissen, dass der Großteil des kommerziell genutzten Schwefels ein Nebenprodukt der Erdgas- und Rohölverarbeitung ist.

Von den 85 Millionen Tonnen dieser gelben, kristallinen Substanz wiederum werden 93 Prozent zur Herstellung von Schwefelsäure verwendet. Der größte Teil dieser Säure dient dann der Produktion von Düngemitteln, doch die Verwendungsmöglichkeiten von H₂SO₄ gehen weit darüber hinaus.

Neben der Herstellung von Superphosphaten, die das Wurzelwachstum fördern und die Blüte und Fruchtbildung von Nutzpflanzen beschleunigen, findet Schwefelsäure breite Anwendung in der Erdölraffination. Ohne sie ist die Herstellung spezieller Katalysatoren zum Gewinnen von hochoktanigem Benzin, von Mercaptanen und Geruchsstoffen zur Erkennung von Gaslecks in Haushalten und Industrie unmöglich. Auch in der weiter zu fassenden chemischen Produktion, insbesondere bei der Herstellung von Benzol, Waschmitteln aller denkbaren und unscheinbaren Arten, Ethanol sowie Oxalsäure und Ameisensäure, wird Schwefelsäure benötigt. Ohne Schwefelsäure gäbe es keine Blei-Säure-Autobatterien, keine Nitrozellulose-Sprengstoffe (und nein, mit Waffen erschöpft sich deren Verwendungsbereich keineswegs, sondern sie finden auch in einigen Industriezweigen Anwendung. Anm. d. Red.) und keine industrielle Baumwollwäsche (zur Festigkeitssteigerung und Glanzerzeugung); auch gäbe es ohne sie zahlreiche Lacke, Farben und dergleichen mehr nicht. Zudem wären die Bedürfnisse der Elektronikfertigung, wie die Reinigung von Siliziumwafern oder das Ätzen von Aluminium und Kupfer für die Herstellung von integrierten Schaltkreisen und LC-Displays, ohne sie kaum zu decken. 

Und nicht zuletzt wäre die Uranauslaugung (chemische Trennung) unmöglich. 

Wir kommen später darauf zurück, betrachten aber zunächst die überaus interessanten regionalen Indikatoren. Unter den Staaten des Persischen Golfs, die in der einen oder anderen Weise unter den jüngsten kriegsbedingten Einschränkungen des Seeverkehrs gelitten haben, führen die Vereinigten Arabischen Emirate mit einer jährlichen Schwefelproduktion von acht Millionen Tonnen. Saudi-Arabien folgt dicht dahinter mit sieben Millionen Tonnen. Katar steuert weitere 3,8 Millionen Tonnen bei, und wenn man Kuwait und Iran hinzuzählt, entspricht die Gesamtmenge etwa der Hälfte der weltweiten Schwefelproduktion für die globale Ölraffinerie, die zur Herstellung von hochoktanigem Benzin und anderen Produkten verwendet wird.

Noch vor sieben Wochen planten die Staaten der Region ernsthaft, bis zum Jahr 2030 sage und schreibe zwei Drittel des globalen Schwefel- und Schwefelsäuremarktes zu kontrollieren. Jetzt, da die Blockade der Straße von Hormus in den zweiten Monat geht, befinden sich Teheran und Washington in Verhandlungen, während die Golfmonarchien mit Wehmut in den Augen ihre Verluste berechnen dürfen. Währenddessen streichen die Schwefel- und Schwefelprodukte herstellenden Zweige der US-Industrie weiterhin Superprofite ein – und besetzen aggressiv Marktnischen, die einst den Ländern des Nahen Ostens gehörten. Und im besagten Nahen Osten werden Stimmen der Unzufriedenheit immer lauter: Der ehemalige Berater des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate etwa, Professor Abdulkhaleq Abdullah, erklärte, sein Land benötige keinen militärischen Schutz seitens der USA mehr – und es sei an der Zeit, den Abzug der US-Truppen von den dortigen Stützpunkten zu erwägen, da diese eher eine Belastung als ein strategischer Vorteil seien. Wir möchten hinzufügen: Die Präsenz dieser Stützpunkte bedeutet unter den heutigen Bedingungen automatisch den Einschlag iranischer Raketen und Drohnen – die, wohlgemerkt, nicht nur die besagten Stützpunkte selbst, sondern potenziell auch Objekte kritisch wichtiger Infrastruktur wie Chemieanlagen und Entsalzungsanlagen treffen könnten.

So ist es eben: In der heutigen globalisierten Welt haben alle größeren Ereignisse weitreichende Folgen und betreffen alle Beteiligten auf die eine oder andere Weise.

Nun zurück zum oben bereits angeschnittenen Thema: Schwefelsäure ist neben der Herstellung von Gegenmitteln bei schweren chemischen Vergiftungen und der Herstellung von blutdrucksenkenden Medikamenten auch für die Brennstoffproduktion für Kernkraftwerke von entscheidender Bedeutung. Den konservativsten denkbaren Schätzungen zufolge werden bis zu 40 Prozent des weltweiten Urans nämlich mittels In-situ-Laugung und Pool-Laugung gewonnen. Diese Technologie ist seit Langem bekannt und wird aufgrund ihrer geringen Kosten in Ländern wie Kasachstan (43 Prozent der weltweiten Uranproduktion), Australien, Usbekistan und Russland weitverbreitet eingesetzt. Russland deckt seinen Bedarf an Schwefelsäure und Uran vollständig selbst, während alle anderen Länder stark von Exportaufträgen in dieser Branche abhängig sind. Denn wie schon beim plötzlichen Mangel an Stickstoffdüngern, der voraussichtlich im Herbst zu einem Preisanstieg bei Agrar- und Nahrungsmitteln führen wird, ist auch auf dem Markt für Uranrohstoffe mit einem Angebotsrückgang zu rechnen. Dieser mag zwar nicht kritisch sein, wird aber dennoch die Nachfrage und damit die Preise sicherlich in die Höhe treiben.

Dass wir uns hier nicht bloß Spekulationen hingeben, bestätigte kürzlich die Neue Zürcher Zeitung. Unter Berufung auf Erkenntnisse der Europäischen Kommission wurde dort berichtet, dass es allen Bemühungen zum Trotz nicht gelungen sei, die Abhängigkeit europäischer Kernkraftwerke von russischem Brennmaterialuran auch nur zu verringern – geschweige denn vollständig zu beseitigen. Der Importanteil liegt weiterhin bei über 25 Prozent, und angesichts steigender Öl- und Gaspreise ist eine weitere Reduzierung nahezu sicherlich nicht möglich.

Zwei Monate militärischer Auseinandersetzungen im Persischen Golf haben die Bedeutung der Schifffahrtsader namens Straße von Hormus in jeder Hinsicht deutlich gemacht – sowie auch, warum die USA so erpicht darauf sind, sie unter ihre Kontrolle zu bringen. Und da kein Ende der aktuellen Ereignisse absehbar ist, bleibt nur abzuwarten, welche Art von globaler Verknappung dies als Nächstes auslösen wird.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 22. April 2026 bei RIA Nowosti erschienen. 

Sergei Sawtschuk ist Kolumnist bei mehreren russischen Tageszeitungen mit Energiewirtschaft als einem Schwerpunkt.

Mehr zum Thema – EU kann nach vier Jahren Sonderoperation nicht auf Russlands Uran verzichten – Import 2025 gestiegen



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Tags: ausderGlobalwirtschaftIransschlägtSchwefelsäureStandbeinStandhaftigkeitweiteres
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