
Gold legt erneut deutlich zu, Bitcoin gewinnt wieder an Attraktivität und der Dollar gerät unter Druck. Damit rückt der sogenannte “Debasement Trade” (gemeint ist die Entwertung der Papierwährungen und Staatsanleihen) wieder stärker in den Fokus der Anleger. Das berichtet Bloomberg am Freitag.
Auslöser ist unter anderem die Ankündigung von US-Finanzminister Scott Bessent, die Rückkäufe von US-Staatsanleihen auszuweiten, um die langfristigen Renditen zu drücken. An den Märkten wurde dies zugleich als Signal gewertet, dass die US-Regierung offenbar weiterhin auf Maßnahmen setzt, die den Druck auf die langfristigen Finanzierungskosten verringern sollen, ohne das grundlegende Problem des hohen Haushaltsdefizits anzugehen.
Weniger als 24 Stunden nachdem das US-Finanzministerium den Umfang seiner Rückkäufe von Staatsanleihen verdoppelt hatte, sah sich Washington bereits gezwungen, die Märkte erneut zu beruhigen. Die Renditen zehn- und 30-jähriger US-Staatsanleihen machten ihre Rückgänge vom Mittwoch vollständig wett und stiegen sogar über das Niveau vor der Ankündigung.
Daraufhin trat US-Finanzminister Scott Bessent am Donnerstag vor die Öffentlichkeit. Er stellte klar, dass die bislang genannte Obergrenze von vier Milliarden Dollar je Rückkauf kein starres Limit, sondern eher als Ausgangspunkt zu verstehen sei.
“Wir führen regelmäßig Rückkaufprogramme durch und werden deren Umfang erhöhen. […] Ich möchte betonen, dass es mehr als vier Milliarden Dollar pro Emission sein können”, sagte Bessent.
Zu den Beweggründen erklärte der Finanzminister:
“Zum Teil geht es um ein Signal. Wir wollen zeigen, dass die Renditen nicht die fundamentalen Rahmenbedingungen widerspiegeln. Diesen Iran-Konflikt werden wir hinter uns lassen. […] Wir wissen nur nicht, wann.”
Die Sorge der Anleger: Eine Kombination aus hohen Staatsausgaben, steigender Verschuldung und einer expansiveren Finanzpolitik könnte den Inflationsdruck erhöhen und den Dollar langfristig schwächen. Davon könnten knappe Sachwerte wie Gold profitieren.
“Die Märkte sind darauf eingestellt, dass die Währungsentwertung wieder einsetzt. Wie Japan aktuell bei der Yen-Abwertung zeigt, kann es nahezu unmöglich sein, eine Währung zu stabilisieren, sobald sie in eine Abwertungsspirale gerät”, schrieb Robin Brooks, ehemaliger Währungsstratege von Goldman Sachs, am Donnerstag.
Mit “Debasement” ist eine schleichende Entwertung einer Währung gemeint. Sie kann beispielsweise durch eine dauerhaft expansive Finanz- und Geldpolitik entstehen. Anleger suchen in einem solchen Umfeld häufig nach Vermögenswerten, deren Angebot begrenzt ist und die deshalb als Schutz vor einem Kaufkraftverlust gelten – insbesondere Gold, zunehmend aber auch Bitcoin.
Vorerst ist das allerdings größtenteils nur Gerede. Der Bloomberg-Dollarindex liegt in diesem Jahr beispielsweise lediglich 1 Prozent im Minus. Auch Gold und Bitcoin sind noch weit von ihren bisherigen Höchstständen entfernt und waren zuletzt bei Anlegern eher unbeliebt.
Der Gold-Trade verlor in diesem Jahr unter anderem deshalb an Schwung, weil Trump den langjährigen Inflationsbekämpfer Kevin Warsh zum Vorsitzenden der US-Notenbank berufen hat. Bessent kündigte am Donnerstag zudem eine neue finanzpolitische Initiative für die kommenden Tage an, mit der die Kredit- und Finanzierungskosten gesenkt werden sollen.
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