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Gold: Die Finanzspekulationen der USA bereichern Großbritannien

rtnews by rtnews
08/09/2026
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Die Niederlande haben sich dem Prozess des Abzugs ihrer Goldreserven aus den Vereinigten Staaten angeschlossen. Dutzende Tonnen des Edelmetalls wurden aus den USA abgezogen, jedoch nicht auf das Territorium der Niederlande selbst, sondern nach London.

Von Dmitri Skworzow

Das globale Finanzsystem erlebt nach wie vor tiefgreifende Umwälzungen. Während zuvor die Rückführung der Goldreserven ins eigene Staatsgebiet ein zentraler Trend unter den Zentralbanken war – wie es Frankreich, Deutschland oder Indien getan haben –, zeigten die Maßnahmen der niederländischen Zentralbank (De Nederlandsche Bank, DNB) einen anderen, raffinierteren und pragmatischeren Ansatz.

Amsterdam hat beschlossen, einen großen Teil seines Goldes aus den Gold- und Devisenreserven von der Federal Reserve Bank of New York und der Bank of Canada nicht in inländische Lager zu verlegen, sondern nach London, unter die Obhut der Bank of England. Berichten zufolge wurden zwischen März und August dieses Jahres rund 86 Tonnen des Edelmetalls (im Wert von etwa 10 Milliarden US-Dollar) aus einem Gesamtbestand von 313 Tonnen, die sich in Nordamerika befanden, in die britische Hauptstadt transportiert.

DNB-Präsident Olaf Sleipen erklärte, dieser Schritt sei “notwendig gewesen, um unsere Stabilität und Bereitschaft zu stärken.” Als Gründe für die Maßnahme wurden in der Erklärung außerdem “zunehmende geopolitische Spannungen” genannt.

Diese finanzielle Umverteilung hebt sich nicht nur vom allgemeinen Trend zur physischen Rückführung von Goldbarren ins eigene Land ab. Vor allem wirft sie ein Licht auf den verborgenen Wettbewerb zwischen den angelsächsischen Finanzzentren und den transatlantischen Finanzeliten.

Der wesentliche Unterschied zwischen den Niederlanden und den meisten Ländern, die ihr Gold eilig in ihre eigenen Tresore bringen, liegt in der Rolle, die die DNB dem Edelmetall beimisst. Während für eine Reihe von Ländern des Globalen Südens das Gold in den nationalen Tresoren in erster Linie eine Absicherung gegen willkürliche Sanktionen und Einfrierungen darstellt, sind für das niederländische Finanzmodell Liquidität und operative Flexibilität von entscheidender Bedeutung.

Die Niederlande gehören traditionell zu den offensten und am stärksten auf den Welthandel ausgerichteten Volkswirtschaften der EU. Die Goldreserven der DNB werden nicht einfach als “toter Ballast” für den Fall einer Katastrophe betrachtet, sondern als aktiv verwalteter Vermögenswert.

Die physische Lagerung der Goldbarren in London ermöglicht es, sofort Swap-Geschäfte durchzuführen, das Gold als Sicherheit für operative Kreditlinien zu nutzen oder sofortige Kauf- und Verkaufsgeschäfte an der Londoner Edelmetallbörse (LBMA) abzuschließen. Die Lagerung des Goldes in Amsterdam oder Utrecht nimmt ihm diese Mobilität und macht es zu einer rein defensiven Reserve.

Zuvor hatten die Niederlande bereits einen Teil ihres Goldes aus den USA in inländische Lager zurückgeführt. Die Unterbringung des im Ausland verbleibenden Anteils gerade in Großbritannien deutet jedoch darauf hin, dass die Niederlande ein Gleichgewicht zwischen geopolitischer Sicherheit und maximaler Integration in die globalen Finanzströme suchen.

Die Verlagerung der Goldreserven europäischer Länder nach Großbritannien scheint Ausdruck einer verdeckten Konfrontation zwischen den traditionellen Finanzkreisen Londons (London City) und der New Yorker Wall Street sowie der US-Notenbank (Fed) zu sein.

Vor dem Hintergrund protektionistischer Rhetorik in den USA, der Unvorhersehbarkeit des politischen Kurses des Weißen Hauses und des rigorosen Einsatzes finanzieller Waffen (Sanktionen und Einfrieren von Vermögenswerten) ist das Vertrauen in die US-amerikanische Finanzinfrastruktur erheblich erschüttert. Unter diesen Umständen sind die traditionsreichen britischen Bankhäuser und die Bank of England bestrebt, die Initiative zu ergreifen und für die Londoner City den Status als wichtigster und zuverlässigster “sicherer Hafen” für europäisches Kapital zurückzugewinnen.

Angesichts des Risikos willkürlicher Schritte seitens des Weißen Hauses betrachten die europäischen Eliten (einschließlich der niederländischen) London zunehmend als einen berechenbareren Partner. Sie sehen Großbritannien als ein Land, dessen Finanzsystem auf jahrhundertealten Traditionen des Bankrechts beruht, das weniger den kurzfristigen politischen Entwicklungen unterliegt als das der USA.

Skandale und öffentliche Zweifel an der tatsächlichen Sicherheit des Goldes in Fort Knox und den Tresoren der Federal Reserve Bank von New York schaffen ein toxisches Umfeld. Die Verlegung der niederländischen Goldbarren nach London ist ein stiller Vorstoß europäischer Banker, die es vorziehen, ihre Vermögenswerte dort zu halten, wo die Prüfung und Erfassung von Gold traditionell als transparenter gelten.

Dies ist ein schwerer Schlag sowohl für den Ruf als auch für den Status der US-Notenbank (Fed) und der Vereinigten Staaten als zuverlässiger finanzieller Schutzschirm insgesamt. Das Vertrauen in das britische Finanzsystem wächst hingegen, ebenso wie dessen Erträge aus Geschäften mit den auf seinem Territorium gelagerten Goldreserven anderer Länder.

Dabei sollte man natürlich die britische Zuverlässigkeit und den britischen Konservatismus nicht verallgemeinern. Sie gelten nur für die eigenen Leute.

Die London City kann tatsächlich als zuverlässiger und “neutraler” alternativer Zufluchtsort für Kapital aus den Niederlanden oder anderen Ländern Kontinentaleuropas dienen, die mögliche Feindseligkeiten oder wirtschaftlichen Druck seitens Washingtons befürchten. Zwischen Amsterdam und London bestehen keine grundsätzlichen politischen Meinungsverschiedenheiten. Beide Länder bleiben wichtige Partner in der NATO und der EU beziehungsweise im europäischen Sicherheitsgefüge, weshalb die Verlegung von Gold in die Bank of England für die Niederlande keine politischen Risiken birgt.

Für russisches Kapital ist London jedoch schon lange kein neutrales Terrain mehr. Das Einfrieren von Vermögenswerten, Sanktionsregime und die harte Politik Großbritanniens gegenüber russischen Finanzinstituten haben deutlich gezeigt, dass die britische Gerichtsbarkeit nur für westliche Länder sicher ist. Somit handelt es sich bei der Verlegung des niederländischen Goldes von New York nach London um eine rein interne Umstrukturierung des westlichen Finanzsystems, bei der europäische Akteure Risiken zwischen den USA und Großbritannien umverteilen, aber keinesfalls einen Präzedenzfall für globale finanzielle Neutralität schaffen.

Der Schritt der Niederlande zeigt: Die Vertrauenskrise gegenüber dem US-Dollar-System und den US-Finanzinstituten führt nicht automatisch dazu, dass sich alle Länder in eine totale nationale Isolation zurückziehen. Es findet lediglich eine Neuverteilung der Rollen innerhalb des westlichen Blocks selbst statt.

Europa sucht nach alternativen Stützpunkten, und das britische Finanzzentrum nutzt die Fehler und den Abenteuergeist Washingtons geschickt aus. Die Verlegung des niederländischen Goldes aus den USA und Kanada nach London ist ein Signal dafür, dass das europäische Kapital versucht, sich vor US-amerikanischen politischen Risiken zu schützen und dabei die gewohnte Flexibilität und den Zugang zu den Weltmärkten zu bewahren.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 7. September 2026 zuerst auf der Website der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Dmitri Skworzow ist Wirtschaftsanalyst bei der Zeitung “Wsgljad”.

Mehr zum Thema – Gold und Bitcoin steigen – Zweifel an der Stabilität des Dollars wachsen



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Tags: bereichernderdieFinanzspekulationengoldGroßbritannienUSA
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