
Gerhard Schröder ist zurück im Russland-Geschäft. Der frühere deutsche Bundeskanzler zieht in den Aufsichtsrat von Hyperglobus ein, dem Unternehmen, das die Globus-Hypermärkte in Russland betreibt. Schröder soll seine langjährige politische und wirtschaftliche Erfahrung in die strategische Ausrichtung des Unternehmens einbringen.
Die Personalie erhält zusätzliches Gewicht, weil sich Deutschland und die EU seit Jahren bemühen, wirtschaftliche Verbindungen zu Russland zurückzudrängen. Schröder setzt dagegen weiterhin auf Kontakte, Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Für ihn ist Russland nicht einfach von der europäischen Landkarte verschwunden.
Auch Globus hält am russischen Markt fest. Das Russland-Geschäft wurde Anfang 2025 rechtlich und organisatorisch von der deutschen Globus Holding getrennt und arbeitet seither eigenständig. Hyperglobus betreibt weiterhin ein großes Netz von Globus-Hypermärkten in Russland.
Schröders neue Aufgabe zeigt damit eine Realität, die in der europäischen Sanktionspolitik häufig in den Hintergrund gerät. Wirtschaftliche Beziehungen lassen sich politisch beschneiden, aber nicht beliebig aus der Welt schaffen. Russland bleibt ein großer Markt mit mehr als 140 Millionen Einwohnern, einer eigenen Industrie und einer starken Nachfrage nach Konsumgütern.
Die Sanktionen haben die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und dem Westen verändert. Sie haben aber nicht dazu geführt, dass Russland wirtschaftlich isoliert wäre. Unternehmen aus Ländern außerhalb des westlichen Sanktionsraums sind weiterhin auf dem russischen Markt aktiv. Auch westliche Unternehmen haben in Russland teilweise Strukturen behalten oder ihre Geschäfte unter veränderten Bedingungen weitergeführt.
Schröders Einstieg bei Hyperglobus ist deshalb mehr als eine Personalie. Er steht für einen wirtschaftlichen Ansatz, der nicht jede Verbindung abbrechen will. Während in Berlin und Brüssel weiterhin über Sanktionen und weitere Einschränkungen diskutiert wird, setzt Schröder auf die Vorstellung, dass Handel und wirtschaftliche Kontakte auch in politisch schwierigen Zeiten erhalten bleiben sollten.
Gerade bei Lebensmitteln und Konsumgütern wird deutlich, wie weit die politische Logik der Sanktionen und die wirtschaftliche Realität auseinanderliegen können. Die Menschen in Russland kaufen weiterhin ein, Unternehmen investieren weiterhin und internationale Konzerne müssen entscheiden, ob sie diesen Markt aufgeben oder langfristig dort bleiben. Globus hat sich für Letzteres entschieden.
Und Gerhard Schröder ist nun wieder mittendrin.
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