
Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstagnachmittag wie erwartet die Leitzinsen unverändert gelassen. Der Einlagensatz bleibt bei 2,25 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Damit legt die Notenbank nach der Erhöhung im Juni eine Zinspause ein.
In der offiziellen Erklärung betont der EZB-Rat die weiterhin hohe Unsicherheit. Die Aussichten für die Energiepreise seien “hoch volatil”, lägen aber nahe dem Basisszenario der Juni-Projektionen und klar über dem Niveau vor dem Konflikt im Nahen Osten.
“Die Unsicherheit bleibt hoch, und die vollen inflationären Auswirkungen des Energieschocks müssen sich noch entfalten“, heißt es.
Der Rat beobachte daher genau Intensität und Dauer des Schocks sowie mögliche indirekte und Sekundäreffekte. Die Geldpolitik bleibe strikt datenabhängig und werde von Sitzung zu Sitzung entschieden – ohne Festlegung auf einen bestimmten Zinspfad.
Die Inflation in der Eurozone belief sich im Juni auf 2,8 Prozent. Als wichtigster Preistreiber gelten weiterhin die Energiekosten. Marktbeobachter stuften die Zinspause der EZB als erwartet ein und halten einen weiteren Schritt im September für möglich, falls sich der Anstieg der Energiepreise fortsetzt.
Die Pressekonferenz mit Christine Lagarde läuft derzeit live. Märkte und Analysten horchen besonders darauf, ob die EZB-Präsidentin die Tür für eine mögliche Zinserhöhung im September explizit offenhält oder eher beruhigende Töne anschlägt.
Gleichzeitig bleiben Spekulationen über Lagardes mögliche vorzeitige Amtsniederlegung vor dem regulären Ende 2027 präsent – sie hatte Anfang Juli einen solchen Schritt nicht ausgeschlossen, um in Frankreichs Präsidentschaftswahlkampf eine “europäische Stimme” zu erheben.
Die EZB sieht sich mit der heutigen Entscheidung “gut positioniert”, um die Unsicherheit durch den Konflikt zu navigieren. Ob die Zinspause hält oder im Herbst eine weitere Straffung folgt, wird entscheidend von der weiteren Entwicklung der Ölpreise und der Breitenwirkung der Inflation abhängen.
Der Euro setzte seine nächtliche Schwäche gegenüber dem US-Dollar fort und gab leicht nach. Die Renditen deutscher Bundesanleihen blieben auf erhöhtem Niveau.
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