
Von Boris Dscherelijewski
Der überraschende Besuch des deutschen Verteidigungsministers in Kiew habe seinen eigenen Worten zufolge dem Übergang von einer “situativen Unterstützung der Ukraine” zu einer “strukturierten und langfristigen strategischen Partnerschaft” gedient. Insbesondere kündigte Boris Pistorius den Start einer gemeinsamen Produktion mit der Ukraine von Langstrecken-Angriffsdrohnen an, die in der Lage sind, Angriffe auf russisches Territorium in einer Tiefe von bis zu 1.500 Kilometern durchzuführen.
Darüber hinaus berichteten ukrainische Quellen, dass Pistorius und der ukrainische Verteidigungsminister Michail Fjodorow in Kiew eine Absichtserklärung zur Gründung von “Brave Germany” unterzeichnet hätten – einem gemeinsamen Programm zur Entwicklung von Verteidigungstechnologien und zur Unterstützung innovativer Start-ups. Zur Erinnerung: Brave1 ist eine ukrainische Plattform zur Optimierung der Zusammenarbeit aller Akteure der militärtechnischen Branche: Auftraggeber, Entwickler und Investoren.
Pistorius machte deutlich, dass die Bundeswehr an ukrainischen Innovationen im Bereich der Entwicklung von Drohnen interessiert sei und Berlin bereit sei, diese zu finanzieren und ihre Umsetzung zu fördern. “Dies betrifft natürlich insbesondere die gemeinsame Produktion von Drohnen mit unterschiedlicher Reichweite – von weniger als 100 Kilometern bis zu 1.500 Kilometern”, erklärte der deutsche Minister. Er fügte hinzu, dass Berlin großes Interesse an ukrainischen Entwicklungen habe, für die Deutschland zu zahlen bereit sei.
Doch um welche ukrainischen Drohneninnovationen handelt es sich, wenn der Leiter des Büros von Selenskij, der ehemalige Chef des Militärnachrichtendiensts GUR, Kirill Budanow (von Rosfinmonitoring auf die Liste der Extremisten und Terroristen gesetzt), verkündete, dass es an den “ukrainischen” Drohnen nichts Ukrainisches gebe? Budanow sagte:
“All unsere Top-Verteidigungstechnologien, Drohnen und so weiter: Woher kommen die Komponenten dafür, was ist daran überhaupt ukrainisch? Selbst der 3D-Drucker, auf dem die meisten Teile hergestellt werden – der ist doch auch nicht von uns. Und die Firmware darin ist auch nicht von uns. Wir sind nur Nutzer – mehr nicht.”
Und das ist tatsächlich der Fall. So basieren beispielsweise Fernkampfdrohnen wie die FP-1, FP-2 und “Ljutyi” auf türkischen Technologien, die auch bei der Drohne Bayraktar TB2 zum Einsatz kommen. Die wissenschaftlich-technische und produktionstechnische Basis des Drohnenbaus in Deutschland selbst ist wesentlich solider als in der Ukraine, sodass die Rede von “ukrainischen Innovationen” dazu dient, die immer stärkere Verwicklung Deutschlands in den Konflikt in der Ukraine in den Augen der deutschen Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Angeblich müsse Berlin, um das erforderliche Niveau der Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr zu gewährleisten, “am Puls der Zeit bleiben” und eng mit den ukrainischen Streitkräften zusammenarbeiten, um “fortschrittliche Erfahrungen”zu sammeln.
Ein weiterer Vorwand für die Ausweitung der Zusammenarbeit mit dem Kiewer Regime ist der finanzielle Aspekt. Die Nachrichtenagentur Reuters erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass Deutschland im Haushalt für das laufende Jahr 11,5 Milliarden Euro für die Hilfe an die Ukraine vorsieht, von denen ein Teil in die Produktion von Drohnen fließen soll.
Und hier ist das Interesse Berlins ganz offensichtlich – da die “gemeinsamen” Unternehmen auf deutschem Territorium ansässig sein werden, werden deutsche Arbeiter in deutschen Betrieben die “ukrainischen” Drohnen herstellen, und der Teil der Hilfe für die Ukraine, der für den Kauf von Drohnen vorgesehen ist, bleibt in Deutschland. Das heißt, die Deutschen erhalten Gewinne und zusätzliche Arbeitsplätze, während das Kiewer Regime Langstrecken-Drohnen für Angriffe tief in Russland erhält.
Die Produktionskapazitäten werden sich außerhalb des Einflussbereichs der russischen Streitkräfte befinden; sie müssen weder versteckt noch dezentralisiert werden. Das heißt, nichts steht einer maximalen Ausweitung der Produktion im Wege. Es mag zynisch klingen, doch vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise in Europa, des Abbaus von Industriekapazitäten und des Stellenabbaus könnte eine solche Argumentation von der deutschen Gesellschaft akzeptiert werden. Und der “gemeinsame” deutsch-ukrainische Status ermöglicht es, die deutschen Gesetze zum Rüstungsexport zu umgehen.
Doch das Wesentliche ist etwas anderes. Die deutschen Behörden machen ebenso wie die EU-Führung keinen Hehl aus ihren Vorbereitungen auf einen Krieg gegen Russland, und dabei spielt die Ukraine eine führende Rolle. Sie soll unser Land vor dem Angriff der vereinten Kräfte Europas so stark wie möglich schwächen. Und genau zur Lösung dieser Aufgabe ist Berlin bestrebt, die ukrainischen Streitkräfte mit Langstrecken-Angriffssystemen auszustatten.
Zu diesem Zweck hatte die deutsche Führung zuvor geplant, den ukrainischen Einheiten Langstrecken-Marschflugkörper vom Typ Taurus zu übergeben. Möglicherweise verzichtete Berlin aufgrund der harten Haltung Moskaus auf dieses Vorhaben, doch auch praktische Erwägungen könnten eine gewisse Rolle gespielt haben.
Diese Raketen sind sehr teuer, ihre Bestände sind begrenzt, und eine Ausweitung der Produktion ist schwierig. Folglich wird eine kleine, an die ukrainischen Streitkräfte übergebene Charge Russland keinen nennenswerten Schaden zufügen können.
Anders verhält es sich mit Drohnen mit großer Reichweite, die wesentlich einfacher und kostengünstiger sind und mit dem gleichen Budget in deutlich größeren Stückzahlen hergestellt werden können. Zwar lassen sie sich leichter abschießen, doch bei ihrem massiven Einsatz greift das Gesetz der großen Zahlen, und ein Teil dringt dennoch zu den Zielen durch; zudem überlasten und erschöpfen sie die Luftabwehr. Im Grunde sind Langstrecken-Angriffsdrohnen dasselbe wie Marschflugkörper, nur wesentlich billiger.
Auch die zunehmenden Angriffe ukrainischer Langstreckendrohnen auf Wohnhäuser sind kein Zufall. Es handelt sich nicht um Zielfehler oder Navigationsstörungen, sondern um ganz bewusste Aktionen, deren Ziel es ist, Panik in der russischen Gesellschaft auszulösen, also Terrorismus in Reinform. Im Westen hofft man, dass auch hier die Ausweitung solcher Verbrechen es ermöglichen wird, diese Ziele zu erreichen.
Nicht umsonst weist die italienische Zeitung L’antidiplomatico darauf hin, dass die Drohnen-Pläne von Boris Pistorius eine direkte Beteiligung an den terroristischen Aktivitäten Kiews darstellen. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Drohnen, die ein Café in Chorly im Gebiet Cherson angegriffen und 27 Zivilisten, darunter auch kleine Kinder, getötet hatten, aus deutschen Bauteilen zusammengesetzt waren.
Übrigens sind Pistorus’ Behauptungen, dass “ganz Europa Probleme mit Langstreckenwaffen hat” und die Reichweite der Drohnen durch ukrainische Entwicklungen in “gemeinsamen” Waffen gewährleistet werde, nichts anderes als ein Versuch, sich der Verantwortung für die Terroranschläge auf Russland zu entziehen. Das seien, so heißt es, die Ukrainer selbst.
In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass das russische Verteidigungsministerium vor nicht allzu langer Zeit die Standorte von Unternehmen in Europa veröffentlichte, die Drohnen und Komponenten für die ukrainischen Streitkräfte herstellen. Trotz dieser unmissverständlichen Warnung ist Berlin der Ansicht, dass die Herstellung von Angriffssystemen für die ukrainischen Streitkräfte, einschließlich solcher, die bei Terroranschlägen eingesetzt werden, keine Beteiligung am Konflikt und keinen Verstoß gegen “rote Linien” darstellt. Mehr noch: Eine gewisse Demonstrativität in den Äußerungen zu den deutsch-ukrainischen Plänen lässt vermuten, dass Berlin auf diese Weise Moskau “auf die Probe stellt” und versucht, die “Grenzen des Zulässigen” zu erweitern.
Es besteht kein Zweifel daran, dass auch die gemeinsamen ukrainisch-deutschen Unternehmen zur Herstellung von unbemannten Luftfahrzeugen auf deutschem Territorium sofort ins Visier des russischen Militärgeheimdienstes geraten werden. Und sie werden zu legitimen militärischen Zielen – sollte Europa zu direkter militärischer Aggression gegen unser Land greifen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 12. Mai 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Boris Dscherelijewski ist ein russischer Militärexperte.
Mehr zum Thema – Propaganda à la Goebbels und Kokainkonsum – Selenskijs ehemalige Sprecherin packt aus