
Deutschland setzt ein selten genutztes Kriseninstrument ein und gibt Teile seiner strategischen Ölreserven frei. Hintergrund ist der sprunghafte Anstieg der Öl- und Spritpreise infolge des Iran-Kriegs, der seit einer Woche die Energiemärkte belastet.
Mit der Freigabe soll der Markt beruhigt und der Preisanstieg abgefedert werden. Deutschland stellt rund 19,5 Millionen Barrel bereit, etwa ein Fünftel der nationalen Vorräte.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte vergangene Woche eine Sondersitzung einberufen, um die Versorgungssicherheit und die Marktlage zu beurteilen. Nach Informationen des Handelsblatts schlägt die Agentur vor, bis zu 400 Millionen Barrel Rohöl freizugeben – mehr als doppelt so viel wie bei der bisherigen Höchstfreigabe zu Beginn des Ukraine-Kriegs.
Der Transport von Öl aus den Förderregionen am Persischen Golf über die Straße von Hormus ist nahezu zum Erliegen gekommen. Berichte über dort gelegte Seeminen haben die Unsicherheit zusätzlich verstärkt. Am Mittwoch stieg der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl auf 92,31 Dollar, ein Plus von mehr als fünf Prozent im Vergleich zum Vortag.
Deutschland verfügt über strategische Ölreserven für mindestens 90 Tage, um mögliche Versorgungsausfälle auszugleichen. Diese Reserven, verwaltet vom Erdölbevorratungsverband (EBV), umfassen Rohöl sowie Mineralölerzeugnisse wie Benzin, Diesel und Kerosin.
Das Rohöl lagert vorwiegend in unterirdischen Speichern in Norddeutschland und kann über Pipelines oder per Schiff zu Raffinerien transportiert werden.
Historisch wurden die Reserven bereits mehrfach freigegeben: während des Golfkriegs 1990/91, nach den Hurrikanen “Katrina” und “Rita” 2005, beim Ausfall libyscher Exporte 2011 sowie zuletzt 2022 im Zuge des Ukraine-Konflikts.
Als zweite Maßnahme plant die Bundesregierung laut Wirtschaftsministerin Reiche (CDU), Tankpreiserhöhungen auf maximal einmal pro Tag zu begrenzen, Preissenkungen sollen jedoch jederzeit möglich sein. Das Modell, das in Österreich bereits erfolgreich angewendet wird, soll “so schnell wie möglich” auch in Deutschland eingeführt werden.
Österreich wird sich zudem an einer möglichen Freigabe globaler Ölreserven beteiligen, sofern die Internationale Energieagentur (IEA) diesen Schritt beschließt. Das Bundeskanzleramt bestätigte die Beteiligung offiziell.
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