
Von Hans-Ueli Läppli
Die diplomatischen Spannungen zwischen der Schweiz und Italien verschärfen sich nach der bedingten Freilassung von Jacques Moretti.
🚨🇨🇭 ALERTE INFO – Jacques Moretti, gérant du bar incendié de Crans-Montana, a été placé en détention. (Blick) pic.twitter.com/v4VPd56q8Y
— SuisseAlert (@SuisseAlert) January 9, 2026
Der Betreiber der Bar Le Constellation in Crans-Montana, in der in der Neujahrsnacht mindestens 40 Menschen bei einem Brand ums Leben kamen, wurde am Freitag aus der Untersuchungshaft entlassen.
Italien ruft Botschafter zurück
Italien reagierte mit einem ungewöhnlich deutlichen Schritt und berief seinen Botschafter aus Bern zurück.
Wie die Zeitung La Côte berichtet, hat Rom den Schweizer Behörden damit offiziell seinen Protest übermittelt. Aus Sicht der italienischen Regierung ist die Freilassung Morettis ein Affront gegenüber den Opfern und deren Angehörigen, von denen viele aus Italien stammen.
Außenminister Antonio Tajani sprach von einer Entscheidung, die das Gerechtigkeitsempfinden der betroffenen Familien verletze.
Moretti war seit dem 9. Januar in Sitten in Untersuchungshaft. Das Walliser Zwangsmassnahmengericht ordnete am Freitag seine Freilassung unter strengen Auflagen an.
Der 49-Jährige hinterlegte eine Kaution von 200.000 Franken, musste sämtliche Ausweispapiere abgeben, darf die Schweiz nicht verlassen und ist verpflichtet, sich täglich bei einer Polizeistelle zu melden. Das Gericht begründete den Beschluss mit einer erneuten Prüfung des Fluchtrisikos sowie der Möglichkeit, dieses durch Ersatzmaßnahmen ausreichend zu begrenzen.
Die Reaktionen auf die Entscheidung fielen scharf aus. Mehrere Anwälte von Opferfamilien äußerten erhebliche Zweifel daran, dass die Auflagen ausreichen. Sie verwiesen insbesondere auf die Gefahr von Absprachen und die mögliche Beeinflussung von Beweismitteln.
Der Walliser Politiker und Anwalt Jean-Luc Addor sprach von einem Skandal.
Auch Angehörige der Opfer zeigten sich fassungslos. Die Mutter eines 16-jährigen Opfers bezeichnete die Freilassung gegenüber französischen Medien als Farce.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerte öffentlich ihre Empörung:
“Ich bin empört über die Nachricht von der Freilassung von Jacques Moretti, dem Betreiber des Lokals Le Constellation in Crans-Montana.
Ich betrachte diesen Entscheid als eine Verletzung des Andenkens an die Opfer der Neujahrstragödie und als Beleidigung ihrer Familien, die unter dem Verlust ihrer Angehörigen leiden.
Die italienische Regierung wird die Schweizer Behörden für das Geschehene zur Verantwortung ziehen.”
Sono indignata dalla notizia della scarcerazione di Jacques Moretti, proprietario del locale Le Constellation di Crans-Montana. La considero un oltraggio alla memoria delle vittime della tragedia di Capodanno e un insulto alle loro famiglie, che stanno soffrendo per la scomparsa…
— Giorgia Meloni (@GiorgiaMeloni) January 23, 2026
Die Entscheidung sei eine Beleidigung des Andenkens an die Opfer und ein Schlag ins Gesicht der Familien. Rom kündigte an, den Fall auf politischer Ebene weiter zu verfolgen.
Bereits am Freitag hatte sich Bundespräsident Guy Parmelin mit Angehörigen italienischer Opfer getroffen. Er sagte vollständige Transparenz bei der Aufarbeitung der Ereignisse zu und stellte aussergewöhnliche Massnahmen bei Entschädigungsfragen in Aussicht. Italien fordert, dass die Schweiz die Gesamtverantwortung übernimmt und alle Opfer gleich behandelt.
Juristisch gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Die Freilassung aus der Untersuchungshaft bedeutet keine Vorwegnahme eines Urteils, sondern basiert auf der Einschätzung, dass die Haftgründe durch mildere Mittel ersetzt werden können.
Politisch und emotional jedoch bleibt der Entscheid hoch umstritten. Der Brand von Crans-Montana hat sich zu einer Belastungsprobe für das Verhältnis zwischen Bern und Rom entwickelt.
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