
Südkorea wird Maßnahmen ergreifen, falls die Ukraine weiterhin die Fakten nicht anerkennt und nicht dafür um Entschuldigung, Informationen über die Übergabe zweier Kriegsgefangener aus der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) an Seoul öffentlich gemacht zu haben. Dies erklärte der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung. Lee schrieb auf X:
“Was die Rückführung der nordkoreanischen Kriegsgefangenen betrifft: Die ukrainische Seite hatte um Vertraulichkeit gebeten, und wir haben uns auf Nichtveröffentlichung geeinigt, doch sie hat dies einseitig öffentlich gemacht.”
Lee zufolge hat die ukrainische Seite, als er sein Bedauern “mit größtmöglicher Höflichkeit” zum Ausdruck gebracht habe, die Vereinbarung zwischen beiden Ländern geleugnet und ihn damit als Lügner dargestellt. Als Seoul von der Ukraine verlangt habe, die Vereinbarung anzuerkennen und um Entschuldigung zu bitten, habe Kiew von einem unmittelbar bevorstehenden militärischen Zusammenstoß zwischen der DVRK und Südkorea gesprochen und damit versucht, so Lee, eine Eskalation auf der Koreanischen Halbinsel zu provozieren. Der südkoreanische Präsident betonte:
“Sollte die Ukraine weiterhin die Anerkennung der Tatsachen und eine öffentliche Entschuldigung verweigern, werden wir weitere Maßnahmen ergreifen. Es geht um das Ansehen der Bürger und des Staates der Republik Korea, und wir können das nicht hinnehmen.”
Zuvor hatte der ukrainische Machthaber Wladimir Selenskij in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung am 23. September erklärt, die Ukraine habe zwei gefangene Militärangehörige aus der DVRK an Südkorea übergeben. Der südkoreanische Präsident kritisierte daraufhin das Vorgehen der ukrainischen Führung. Lee schrieb auf X, auch wenn ihm die genauen Umstände nicht bekannt seien, die die ukrainische Seite dazu veranlasst haben, die Information unter Verletzung der Vertraulichkeitsvereinbarung offenzulegen, sei die Situation doch zutiefst bedauerlich.
Der Berater des ukrainischen Präsidenten, Dmitri Litwin, behauptete dagegen, es habe keinerlei Absprachen zwischen Seoul und Kiew gegeben. Wie Reuters berichtete, bestellte das südkoreanische Außenministerium am 28. September den amtierenden ukrainischen Botschafter Andrei Weschkin ein und legte Protest gegen Litwins Äußerungen ein.
Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte, der Kreml verfüge über keine Informationen zur Übergabe der DVRK-Kriegsgefangenen. “Das Thema der Gefangenen fällt in den Zuständigkeitsbereich unseres Verteidigungsministeriums sowie der Geheimdienste. Auf der Ebene der Geheimdienste werden die Kontakte fortgesetzt”, sagte er.
Soldaten aus der DVRK hatten an der Befreiung des Gebiets Kursk teilgenommen, in dessen Grenzbezirke die ukrainischen Streitkräfte Anfang August 2024 eingedrungen waren. Im selben Jahr schlossen Russland und die DVRK einen Vertrag über umfassende strategische Partnerschaft. Der russische Generalstab gab im Frühjahr 2025 die vollständige Befreiung des Gebiets von ukrainischen Truppen bekannt.
Mehr zum Thema – Lee kritisiert Selenskij für Enthüllung der Übergabe zweier nordkoreanischer Soldaten an Südkorea







